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Einige Zahlen

5703. Tag danach
Gemeldet: 44
aus 12 Nationen
Männer: 37
Frauen: 7
Jüngster Mann 1969
Ältester Mann 1937
Jüngste Frau 1962
Älteste Frau 1940
Kürz. Etappe 9.6km
Längste Etappe 99.6km
Ø Etappe 78.7km

Transeurope-Footrace 09

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Nachberichte

deElse BayerErlebnisbericht einer Betreuerin beim Transeuropalauf
deEins werden mit dem Schritt - Impressionen vom Transeuropalauf
deIngo SchulzeTransEurope-FootRace
deIngo SchulzeEin kleiner Bericht von Ingo
enTRANS-EUROPE-FOOT-RACE - 6,000,000 steps to Moscow in 63 days
enTransEuropa-FootRace
deTrans Europa Lauf
frldsptelefon
deLutz Triebus
deManfred LeismannUndank ist der Welten Lohn oder Der TransEuropaLauf aus Sicht des Initiators
de
de[Zum Schluss...]
deRobert Wimmer
deRobert WimmerErfolg ist machbar - Bericht vom Sieger Robert Wimmer
deRobert Wimmer
deStefan SchlettVon Lissabon nach Moskau, 5046 km in 64 Tagen
deUli Schulte[Fazit]
deWerner Sonntag

Erlebnisbericht einer Betreuerin beim Transeuropalauf

Else Bayer

Eins werden mit dem Schritt - Impressionen vom Transeuropalauf



TransEurope-FootRace
von Lissabon nach Moskau
in 64 Tagen über 5.035 km
19.April - 21. Juni 2003

Prolog

Viele Menschen interessieren sich nicht für Selbsterfahrung. Die Vorstellung, daß man Anstrengungen und Willenskraft aus reiner Lebensfreude auf sich nimmt, aus Lust die Welt und sich selbst zu erfahren, dieser Gedanke kommt ihnen nicht. Nein. Es muß immer praktische Arbeit sein, sofort anwendbar, sofort von Nutzen (nach Messner, Alleingang Nanga Parbat, S.128).

Der Lauf zwingt wie jede andere Ausdauerleistung auch, etwa die Tour de France im Radsport oder die Rennen um die Welt beim Segeln, zum Nachdenken über sich selbst. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur beliebten Sinnfrage im speziellen: "Wozu dieser Lauf?", als auch im allgemeinen: "Wozu lebe ich?". Dabei stammt das Wort Sinn ursprünglich vom Verb sinnen ab, das "gehen, reisen" bedeutete. Noch weiter zurück verfolgt hat es seine Wurzel wohl in der Bedeutung "eine Richtung nehmen, eine Fährte suchen". "Wo gehe ich hin? Immer nach Hause." beschreibt es Novalis.

Vor dem Lauf

Wenn ich den anderen zuhöre merke ich, was für ein Anfänger im Ultralauf ich bin, welch geringe Erfahrung ich besitze (nur ein Etappenlauf über 4 Tage, 2 x 100 km, ein paar kürzere Ultraläufe). So wenige Kilometer unter dem Gürtel, so wenig Härte und Durchhaltevermögen bisher gezeigt. Es kommt der Gedanke hoch: Bin ich hier richtig? Werde ich für voll genommen?. Aber ich bin ruhig, spüre innere Ruhe, Frieden, bin bereit zu gehen, sehne den Start herbei.

Seit November 2001 ist dieser Lauf in meinem Kopf, erst tastend, abwägend, mit dem Gedanken nur spielend. Aber eigentlich wußte ich von Anbeginn, daß ich wollte, der Lauf auch ein Stück mich gefunden hat. Der Lauf hat somit lange vor dem Start in meinem Kopf begonnen und muß, wie ich während des Laufes erfahre, auch im Kopf bewältigt werden. Mein zentraler Vorsatz, den ich vorab tief in mir verankert habe, lautet: Wir schaffen es: Körper, Seele, Geist - Moskau. Immer vorwärts, Schritt für Schritt möchte ich dieses einzigartige Abenteuer, diesen Lauf in mich aufnehmen, werde nicht aufgeben, habe Moskau vor Augen. Der Weg dahin wird die nächsten 64 Tage mein Lebensinhalt sein, voller Erfahrungen und Bereicherungen, so hoffe ich.

Der Lauf - Impressionen

64 Tage sind eine lange Zeit, die für die einzelnen Läufer/innen mehr oder weniger in einzelne Phasen unterteilt werden kann. Die Aufteilung in Phasen erfolgte rückblickend auf Basis der SMSe, die ich tägliche während des Laufes an Gunter Scheurich von Passtschon98 versandt habe. Sie können unter www.passtschon98.de/Transeuropa.htm eingesehen oder vom Autor als Word-Dokument angefordert werden.

Phase 1: Euphorie des Beginns (Tag 1 – 4)

Jeder der an der Startlinie steht kann sich bereits als Sieger fühlen. Hier, am Torre de Belem in Lissabon, dem Punkt an dem Eroberer und Entdecker zur See aufgebrochen sind, ist nicht der eigentliche Start des Transeuropalaufes. Er hat bereits vor Monaten begonnen, als es galt zu trainieren, sich auf diesen Lauf vorzubereiten. Bereits während dieses Zeit war ein hohes Maß an Disziplin, Geduld und Zielorientierung aufzubringen, der Wille zu schulen. Freudiger Lohn ist nun an der Startlinie zu stehen, dabei zu sein, nach vorn zu blicken, einem Abenteuer entgegen. Unsicherheit und Anspannung der letzten Tage verfliegt, ich genieße das Leben auf der Straße, das Leben im Augenblick. In der Euphorie des Beginns darf ich jedoch nicht vergessen, den Grundstein für einen erfolgreichen Lauf zu legen, muß ich lernen, sehr schnell lernen, meine Kräfte einzuteilen.

Phase 2: Die extreme tägliche Belastung wird spürbar (Tag 5 – 18)

Nach nur wenigen Tagen verfliegt die Euphorie, beginnt die extreme tägliche Belastung Körper und Geist herauszufordern. Die physiologische Vorbereitung war wichtig, ist jetzt aber zweitrangig. Die Umstände anzunehmen, zu akzeptieren wie sie sind, wird unabdingbar. Stefan Schlett, ein erfahrener Ultra- und Transkontinentalläufer, meint dazu: "Dies ist ein großes Abenteuer, ein Überlebenstrip. Jeden Tag ist mit vielerlei Problemen umzugehen. Ärgern nützt nichts, kostet nur Energie, die zum Laufen benötigt wird. Wenn jemand schnarcht, du kannst es nicht ändern. Wenn es dich stört, Ohrstöpsel rein. Fehlt Toilettenpapier, nimm, wenn genug vorhanden ist, genügend mit. Ist die einzige Toilette am Morgen nicht mehr benutzbar, geh hinter das Haus. Wenn die Verpflegung nicht ausreichend ist, verschaffe dir unterwegs Zusatznahrung."

Zeit habe ich nur beim Laufen, ansonsten: 4:30 Uhr wecken, vorbereiten, packen, frühstücken, Start um 6:00, je nach Etappe zwischen 18 und 20 Uhr im Ziel, duschen, essen, Fußpflege. Ich schlafe zu wenig, im entspannten Zustand schmerzen zudem die Muskeln.

In der Anfangsphase muß sich auch der Magen-/Darmtrakt an die ungewohnte Belastung in Verbindung mit der gesteigerten Nahrungsaufnahme anpassen. Magenprobleme, Durchfall gehören zu den zu bewältigenden Hindernissen. Die Substanz des Körpers wird angegriffen, die Leistungsfähigkeit herabgesetzt, es zählt nur noch das Ankommen im Etappenziel. Der gesamte Bewegungsapparat wird auf die Probe gestellt, Überlastungsreaktionen stellen sich ein, bei mir eine Knochenhautentzündung am rechten Schienbein. Unabdingbar ist, auf die allerersten Körpersignale zu achten und unmittelbar zu handeln, die Intensität zurückzunehmen, auch wenn es bedeuten sollte, 20 km oder mehr bis ins Etappenziel zu wandern. Ansonsten wird aus einem ersten Schmerz, ein leichtes Ziehen schnell eine ernsthafte, langwierige Verletzung. In einem Rennen über diese Distanz ist genug Zeit, Verletzungen abheilen zu lassen, aber nur, wenn du deinem Körper die Möglichkeit dazu gibst.

Geduld und Selbstdisziplin, gepaart mit gesundem Optimismus sind mentale Eigenschaften, die spätestens jetzt zur Blüte gebracht werden sollten. Der Geist muß in dieser Phase Schwerstarbeit leisten, gerät schnell in Krisen, die das Vorankommen erschweren. Belohnungen wie zwei Colas und Donuts in einer Bar oder ein dickes Zitroneneis am Nachmittag verhelfen zum Schlußspurt oder beugen einer erneuten Krise vor. Nur nicht über die Stunden und Minuten bis zum Etappenziel nachdenken, die Tage und Wochen bis Moskau, ansonsten dehnt sich dieser Lauf, jede Minute, jeder Kilometer scheint endlos. Was zählt ist die Konzentration, das Leben im Augenblick: Schritt für Schritt, hunderttausendmal durch einen heißen Tag. Nur nicht zu weit vorausschauen, den Geist unter Kontrolle halten, nur der nächste Schritt zählt. Dieser Lauf muß im Kopf bewältigt werden, ansonsten keine Chance.

In dieser Phase ist der Lauf KEIN Spaß. Lust am Laufen? Kaum. Eher eine Übung in Konsequenz und Beharrlichkeit, ein Weg der Läuterung. Körper und Geist erfahren Krisen, müssen hindurch, die Selektion derer, die ankommen werden, beginnt. Jedoch, noch einmal, der Körper paßt sich an, sofern man ihm die Zeit dazu gibt, ihn nicht unnötigerweise überfordert. Insbesondere zwei Läufergruppen sind dabei zu unterscheiden:

Das Dilemma oder die Abwärtsspirale der Langsamen:

In den Unterlagen des Veranstalters finden sich Hinweise zum Tempo. Langsame, d.h. Marathonläufer über 3:30 h, sollten in der Regel 6,0 km / h, inklusive aller Pausen und Unterbrechungen, höchstens jedoch 6,5 km / h zurücklegen. Was bedeutet dies bei einer 100 km Etappe wie am 4 Tag? Über 16 h auf der Strecke, Start um 6:00, Zielankunft um 22:00. Nun noch Lager bereiten, duschen, essen, Wunden lecken und dies alles in einer Halle, die bereits dunkel ist, weil sich die früher Angekommenen um 21:00 zur Ruhe begeben haben. Glücklich wer einen persönlichen Betreuer/in dabei hat, der zumindest das Lager vorbereitet hat, Essen bereit hält. Kaum die Augen zu, wecken um 4:30, mit den Belastungen der Vortage in den Knochen an den Start um 6:00, die Abwärtsspirale der Langsamen beginnt. Der Ausweg aus dem Dilemma? Schneller laufen, das Risiko von Überforderung und Verletzungen eingehen? Es ist ein Grenzgang, der individuell zu gestalten ist.

Der Ehrgeiz der Schnellen:

Schnelle, gemäß Veranstalter Marathonläufer unter 3 h, sollten 10 km / h nicht überschreiten, wiederum inklusive aller Unterbrechungen. Laufen die Langsamen generell mit dem Ziel anzukommen, geht es bei den Schnellen zumeist um die Plazierung z.B. mit dem Ziel, unter die ersten Drei oder Zehn zu kommen, Tagessiege zu erringen. Ein gegenseitiges Abtasten setzt ein, die Leistungsfähigkeit möglicher Konkurrenten abgeschätzt. Taktisch wird versucht, nicht zu viel Zeit auf die / den jeweils Führenden zu verlieren. Somit besteht kein wesentlicher Mangel an Zeit zur Regeneration im Vergleich zu den langsamen Läufern, die Gefahr lauert in Form von Verletzungen, die das Aus oder zumindest das Ende der eigenen Ambitionen bedeuten können.

Den Charakter dieser Phase spiegelt auch die Ausfallrate wider. Von den insgesamt 22 ausgeschiedenen Läufer/innen haben 16 im Rahmen dieser Phase Schluß gemacht.

Phase 3: Der Körper hat sich teilweise angepaßt (Tag 19 – 24)

Das Laufen beginnt leichter zu fallen. Dank Ohropax sind die Nächte in den Turnhallen nun ruhiger, ich schlafe zwar besser, jedoch, der Mangel an Schlaf summiert sich, wird zum Problem. Auch im Schlaf findet der Körper nicht die notwendige Ruhe. Des nachts wird das späte, umfangreiche Essen für die Belastung des nächsten Tages aufbereitet, begleitet von Schweißausbrüchen. Dennoch wird der Kalorienverbrauch von ca. 6 - 8.000 kcal / Tag nicht ausgeglichen. Eine Etappe von "nur" 70 km verschafft die dringend benötigte, zusätzliche Freizeit zur Erholung. Wie sich die Relationen durch diesem Lauf verschieben.

Exkurs: Das soziale Gefüge

Die sozialen Kontakte sind beschränkt, noch ist jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Später wird mir bewußt, daß ein Gemeinschaftsgefühl unter den Läufern nicht zustande gekommen ist, die Stimmung von Egoismus (insbesondere Futterneid am abendlichen Buffet), Desinteresse, Geringschätzung, sogar Mißgunst und Neid durchsetzt ist. Allerdings kann wohl kaum jemand bei solch einer extremen Belastung, dem gemeinsamen Nächtigen auf engstem Raum, über diesen langen Zeitraum seine (soziale) Maske aufbehalten. Man offenbart sich, lernt sich und die anderen kennen wie sonst niemals. Die Frage ist, ob diese vorausgesetzte Gemeinschaft der Läufer nicht einer Wunschvorstellung, einer sozialen Konvention entspringt oder sich nicht vielmehr Urinstinkte Bahn brechen, die in früheren Zeiten unserem Überleben dienten. Zumindest ist bei diesem Lauf eine Zweckgemeinschaft wie bei einer Seilschaft am Berg nicht zwingend notwendig, bzw. wird auf einer kleineren Ebene gebildet – Läufer/persönliche Betreuerin, Läufer/Läufer – in der sich Partikularinteressen besser einbringen, Sympathie und Antipathie leichter auspendeln, gegenseitiges Verständnis direkter aufbauen lassen. Diese Erkenntnis, so meine ich, ist wertvoll genug. Es sage somit keiner, dieser Lauf, solch eine Ausdauerleistung sei sinnlos, ohne jeglichen Nutzen.

"Wer sich an sich und seinem Tun freut, muß seine Gefühle nicht mit Bosheit, Aggressivität oder Rachsucht füttern, um (schaden)froh zu sein (Messner, Berge versetzen, S. 173)." Andererseits stellt Messner selber fest: "Wie befreiend sind doch Ausdrücke des Ärgers, der Wut, der Verzweiflung über sich selbst (Messner, Berge versetzen, S. 166)." Somit brauche ich ein Ventil, um nörgelnd zu gesunden. Wer bietet sich da besser an als der Veranstalter, die Organisatoren, sind sie doch für alles, wirklich alles, verantwortlich. Zudem scheinen sie bereit, uns diesen Gefallen zu tun, wissen sie, was auf sie zukommt. Steht doch in der Pressemappe und Teilnehmerinformation zum Transeuropalauf "Ihr reagiert gelegentlich überempfindlich, werdet anderen gegenüber ungerecht oder laßt euch zu aggressiven Äußerungen hinreißen. ..... Leute, es ist völlig normal. Denkt doch mal an hochbezahlte Tennisspieler. Die beißen in ihren Schläger, weil sie verzweifelt sind, daß der Blödmann auf der anderen Seite des Netzes auf jeden Ball reagiert. Er sucht einen Schuldigen und den findet er beim unfähigen Schiedsrichter, dem zu lauten Publikum, dem lahmen Balljungen usw." (TransEurope-FootRace, Schulze, S. 10). Mir hat gelegentliches nörgeln geholfen, nicht alle haben dieses Hilfsmittel benötigt, insbesondere die japanischen Teilnehmer/innen schienen gegen die Versuchung gefeit.

Phase 4: Das Laufen wird zum Automatismus, Freiraum entsteht (Tag 25 – 58)

Die Anpassung des Körpers ist abgeschlossen, ich habe meinen Laufrhythmus gefunden, stundenlang im Gleichtakt, Schritt für Schritt, ohne im Ziel erschöpft zu sein. Das Laufen wird mehr und mehr zum Automatismus. Für den Geist jedoch dehnt sich die Zeit. So versuche ich immer wieder ihn in Gleichmut und Geduld zu üben, ihn für die Schönheit des Augenblicks zu öffnen:

Morgennebel, eine Allee entlang, schemenhaft die Läufer, direkt vor uns steigt langsam die Sonne als bleicher Ball im Nebel empor, magische Momente.

Das Konzert der Feldlerchen.

Die von Blütendolden bedeckten Robinien, weiß in der Sonne strahlend.

Violette Lupinen, in wunderbaren Mengen.

In gelungenen Momenten verschmelzen Körper und Geist mit Atmung und Schritt, tragen mich flott ins Ziel, ruht der Geist in sich, schweift nur ein wenig, nimmt den Horizont in sich auf, lächelt, während die Zeit verstreicht, einfach so, ohne Belang.

Dazu kommt die Erkenntnis, immer wieder genährt von Stefan Schlett, daß das Leben, zumindest für mich und die anderen langsamen Läufer, zu großen Teilen auf der Straße stattfindet. Bei 64 Tagen muß da Qualität rein. Morgens nach den ersten 2-3 h nicht an der Bäckerei vorbeilaufen, hinein, zwei Stückchen mitnehmen, beim Gehen goutieren, toll. An den Verpflegungsstellen nicht schnell, schnell, sondern setzen, essen, ein Plausch. Für mich keine verlorene Zeit, Energie tanken, die dringend benötigte, keinen Raubbau betreiben, dazu ist die Distanz zu lang.

Im Gegensatz dazu werde ich immer wieder mit folgendem konfrontiert:

  • Eine Reporterin fragt mich: Bekämpfen Sie Ihren inneren Schweinehund?
    Ich bekämpfe mich nicht, denn dann bin ich auch Verlierer. Ich horche in mich hinein, Signale beinhalten wertvolle Informationen, mit denen positiv umgegangen werden kann. Körper, Seele, Geist, gemeinsam wollen wir nach Moskau.
  • Die Erwartungshaltung (sogar von Werner Sonntag): Von Erschöpfung zerfurchte Gesichter, ausgemergelte Körper am Rande des Zusammenbruchs. Erstaunen über freundlich lachende Gesichter, normalen Gang. Dabei wachsen Körper und Geist im Laufe der Veranstaltung, werden stärker als jemals zuvor. Das Rezept: langsam, essen als Dauerbeschäftigung, trinken, schlafen, eine positive Grundhaltung. Andererseits ein Leichtes, sich kaputt zu laufen.
  • Erwartungshaltung: " "Zurzeit läuft keiner schmerzfrei", sagt Uwe Görtz, der als ARD-Reporter den Lauf begleitet" (Berliner Zeitung vom 26. Mai 2003). Ich war zu diesem Zeitpunkt schmerzfrei, andere auch. Es mag sogar Läufer geben, die glauben, zu so einem Lauf gehöre Schmerz dazu, ansonsten sei es kein richtiger Transkontinentallauf. Sie werden finden was sie suchen. Dabei besteht die Kunst gerade darin, weitgehend schmerzfrei zu bleiben, diesen Lauf zu genießen.

Also keine Quälerei, kein Selbstmißbrauch , keine Vergewaltigung des Körpers? Für mich eine konzentrierte Anstrengung gepaart mit viel Durchhaltevermögen, die mit tiefer Befriedigung verbunden ist, es wieder geschafft zu haben. Daheim auf der Couch liegend, den Fernseher eingeschaltet, das Bier in Griffweite, verspüre ich diese Befriedigung nicht.

Phase 5: Die Luft ist raus (Tag 59 – 63)

Ich laufe nur noch, um anzukommen. Vorfreude auf Moskau kommt nicht auf, nur eine gewisse Erleichterung, daß es demnächst vorbei ist. Die Belastung der vergangenen Wochen scheint nun als bleierne Müdigkeit auf mir zu liegen. Manfred Leismann: "Nachdem ich so weit gekommen bin, warum quält mich dieses letzte Stück so?". Es ist diese Phase, die ich mir selber am wenigsten erklären kann, die mir am wenigsten zugänglich ist. Mag sein, daß es einfach an der Zeit war, diesen Lauf zu beenden, nach Hause zu gehen. Der Punkt erreicht ist, an dem es genug ist, genug von Höhen und Tiefen, konzentrierter Anstrengung, Geduld und Beharrlichkeit, Nebel, Sonne und Regen, Landschaften und Verkehr, genug von Gedanken und Ruhen im Augenblick, genug, um eine lange Zeit davon zu zehren.

Die Leere zum Schluß

Kein Siegestaumel, keine Freude, weder Traurigkeit, noch Tränen der Erleichterung, der Ergriffenheit. Das vorherrschende Gefühl ist Leere, eine große Leere.

Den Zieleinlauf, den letzten Tag hatte ich mir ganz anders vorgestellt. 63 Tage, über 5.000 km liegen hinter mir, der 64. Tag sollte nun Höhepunkt und Abschlußfest sein. Nach 42,2 km, im Ziel meines ersten Marathon im Oktober 1997, wurde ich von einem intensiven Gefühlsausbruch überschwemmt, so vieles fiel in diesem Moment von mir ab, Tränen flossen, ich war glücklich. Und nun diese Leere, schwer zu beschreiben, wie abgestumpft, als ob ich mich im Innern verlaufen hätte, an einem Ort angelangt bin, an dem ich nicht hingehöre, zu dem ich nicht wollte. Krank scheine ich nicht zu sein, frage bei anderen nach, stoße auf Ähnliches.

Es mag seine Zeit brauchen, bis ich den Lauf in seiner Konsequenz begreife. Die Veränderung spüre, die er bewirkt hat. Eines ist sicher: Wer kennt schon seine Grenzen, wenn er sich Ziele setzt und sie mit Hingabe verfolgt.

Nach dem Lauf

Die Lust am Laufen habe ich nicht verloren, mich bereits zu neuen Läufen angemeldet, auch wenn ich die Belastung in den Beinen, den Muskeln und Gelenken auch nach fast 4 Wochen noch spüre. Hätte man mich kurz vor dem Ende des Laufes gefragt, ob ich jemals wieder an einem Transkontinentallauf teilnehmen werden, die Antwort wäre ein klares Nein gewesen. Kurz nach dem Lauf, bei den ersten Interviews ist dies Nein bereits zu einem Jein mutiert. Jetzt weiß ich, Ja, ich möchte mit meiner Erfahrung aus dem Transeuropalauf noch einmal solch einen Lauf bestreiten. Wäre der Run Across America 2004 nicht so teuer (ca. 18 –20.000 US $) und eigene Betreuer notwendig, ich würde es mir ernsthaft überlegen.

Die Entscheidung ist gefallen, daß ich in meinen ursprünglichen Beruf nicht zurückkehren werde, es käme mir nach der fast zweijährigen Auszeit, die vom Fahrtensegeln und Laufen, vom Leben in und mit der Natur geprägt war, wie ein Rückschritt vor, ein Anknüpfen an einen Lebensabschnitt, der der Vergangenheit angehört. Erst einmal will ich mir die Freiheit bewahren, aufzubrechen, wohin ich will.

Ja zum Transeuropalauf 200X

Der Transeuropalauf 2003 war ein Erfolg, ein einzigartiges, wunderbares Erlebnis. Mit etwas Abstand schrumpfen all die Mängel, Querelen, Enttäuschungen und Auseinandersetzungen, letztendlich sind sie Teil von uns, prägen sie auch unser Alltagsleben. Aber das Gefühl an etwas Großem teilgehabt, eine außerordentliche Leistung vollbracht zu haben, ist nicht nur von Dauer, sondern hat uns geprägt, Spuren hinterlassen - ich wage es nicht nur von mir zu sprechen. Mit diesem Lauf haben wir uns auf eine Reise eingelassen, die nicht zum Ausgangspunkt zurückführt.

Mit einem kompetenten Sponsor, der es erlaubt mit 1-2 Personen eine Wiederauflage Vollzeit vorzubereiten, Preisgelder garantiert, was wäre nicht alles erreichbar. Es muß ja nicht gleich die Popularität einer Tour de France oder der Rennen um die Welt beim Segelsport erreicht werden, das Potential jedoch ist vorhanden. Es gibt weit mehr interessierte Läufer/innen als Radfahrer oder Segler, der Trend ist ungebrochen. Viele der populären Sportarten, auch wenn sie mehrheitlich als Ausgleich, als Hobby betrieben oder auch nur konsumiert werden, haben ein Top Event. Mit einer spannenden Berichterstattung durch Experten, wie sie ansatzweise bei www.steppenhahn.de, insbesondere durch Markus Müller, stattgefunden hat, kann eine breite Öffentlichkeit auch über einen Zeitraum von 64 Tagen gefesselt werden. Es geht im Kern nicht nur ums Laufen, dem Mitfiebern mit seinen Lieblingen oder Favoriten, es geht um Sieg und Niederlage, das Überwinden von und Scheitern an Hindernissen, Teilhabe an Leid, Freude und Verzweiflung, begehrte Emotionen, die in dieser Intensität im eigenen Alltagsleben weitgehend verschwunden sind .

Mit dem Beitritt von Polen, Litauen, Lettland und Estland zur Europäischen Union im Mai 2004 ist eine alternative Streckenführung denkbar, die keinerlei Grenzschwierigkeiten mehr beinhaltet. Von Cádiz nach Tallinn, damit wären Länderdurchquerungen mit eigener Wertung (Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, baltische Staaten) in den Lauf integrierbar für Läufer/innen, die sich die Gesamtdistanz nicht zutrauen. Das Medien- und Publikumsinteresse in den einzelnen Länder wäre sicherlich ausgeprägter. Interessant wäre auch Teams zuzulassen. Auf diese Weise könnte es u.a. Firmen-, Länder- oder Frauenteams geben.

Sponsoren, vor mit Euren Anforderungen und Ideen, damit sie ins Konzept einfließen können, der 2. Transeuropalauf Wirklichkeit werden kann, ich bin dabei.

Epilog

Wiesen voller Löwenzahn. Ein Hauch und die Samen schweben so leicht, so schwerelos dahin. Ich stelle mir vor, so laufen zu können.

Dieser Transeuropalauf an sich war und ist zweitrangig. Und das ist gut so. Wäre er es nicht, ständig müßte ich unterwegs sein. Das Ziel war und ist nicht Moskau, denn es hört auf zu existieren, sobald es erreicht ist. Von Dauer sind Selbsterfahrung und daraus sich entwickelnde Selbsterkenntnis. "Wo gehe ich hin? Immer nach Hause." beschreibt es Novalis.

Anmerkung zum 1. Transeuropalauf 2003:

In Summe wurden 5.035,7 km zurückgelegt. Die km Angabe basiert auf den nachträglich korrigierten Werten. Davon in der Zeitwertung sind 5.018,4 km. Die ersten 8 km in Lissabon sowie die 9,3 km am 64. Tag in Moskau wurden als Gruppe ohne Zeitnahme gelaufen.

Am Start in Lissabon waren 7 Läuferinnen, 36 Läufer und 1 Rollstuhlfahrer (Bernard Grojean) aus 12 Nationen. Deutschland stellte mit 20 Startern die meisten Teilnehmer, gefolgt vom laufbegeisterten Japan mit 10. Mariko Sakamoto aus Japan, als einzige Frau, 20 Läufer und Bernard Grojean erreichten Moskau. Schnellster bei den Männern war Robert Wimmer aus Deutschland, gefolgt von Martin Wagen, Schweiz, und Wolfgang Schwerk, Deutschland.

Für die 5.018,4 km benötigte ich 666:20:53 h. Dies sind 7:58 Minuten/km bzw. 7,53 km/h, was mir Platz 15 einbrachte. Der Schnellste, Robert Wimmer, brachte es auf 478:14:51 h.

Literatur:

  • Alleingang Nanga Parbat, Reinhold Messner, 1979
  • Mein Weg zum Transeuropalauf, Bericht über Vorbereitung + Training, Günter Böhnke, Januar 2003
  • Transeuropalauf 2003: Meine täglichen SMSe, Günter Böhnke, April/Juni 2003
  • Berge versetzen: das Credo eines Grenzgängers, Reinhold Messner, 2. Auflage, 1996
  • TransEurope-FootRace – Pressemappe + Teilnehmerinformation, Ingo Schulze, 8. Auflage, Februar 2003

© Günter Böhnke, Juli 2003

TransEurope-FootRace

Ingo Schulze


Der "TransEurope-FootRace" ist schon wieder Geschichte. Er wird uns aber noch lange in Erinnerung bleiben und das soll er auch. Wahrscheinlich haben wir alle diesen Lauf noch nicht verdaut, mir jedenfalls geht es so. Wir hatten kaum Zeit die Eindrücke des Tages Revue passieren zulassen, da war auch schon der Start zur nächsten Etappe. Dieser Lauf hat uns alle auf das Äußerste gefordert.

Sport verbindet und schafft Freunde. Bei diesem außergewöhnlichem Lauf war es leider nicht immer so. Es gibt Leute deren Freundschaft ich gewinnen oder festigen konnte, andere sind für mich noch schwer einschätzbar und andere haben mir offen den Krieg erklärt. Warum? Ich habe in der Schlussphase mehrmals betont, dass dieser Lauf auch den einen oder anderen verändert haben wird. Sei diese Veränderung kurz- oder langfristig. Dieses Abenteuer dürfte wohl an niemanden spurlos vorübergegangen sein. Es wird einige Leute für lange Zeit prägen, denn sie haben lernen müssen, dass man auch mit wenig auskommen muss. Dieses ist unserer Zeit eine ganz wichtige Erfahrung!

Es wurden Berichte wurden eventuell zu früh geschrieben und die Verfasser überlegen vielleicht, ob sie nicht doch übereilt geschrieben haben? Nun sind diese Berichte veröffentlicht und es ist nichts mehr daran zu rütteln. Nach so einem extremen Lauf kommt bei den meisten die große Leere oder sie werden sogar depressiv. Auch mir geht es so und ich wünschte, dass ich noch eine weile Ruhe gehabt hätte. Zu viele Eindrücke habe ich noch nicht verdaut. Ich gehe wieder meiner Arbeit nach und es kommt mir vor, als wäre ich gar nicht fort gewesen. Andererseits waren diese zehn Wochen eine Ewigkeit. Schade, ich hätte noch eine Weile Schonung vertragen.

Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mit dem TransEurope zusammenhängt. Erschrocken war ich über den Bericht von Martin Wagen. Selten hat er das Wort an mich gerichtet und spricht dann wieder von mangelnder Kommunikation meinerseits. Auf dieses Thema werde ich noch eingehen. Ansonsten möchte ich diesen Bericht nicht überbewerten oder mich groß dazu äußern oder rechtfertigen. Es ist seine, hoffentlich übereilte, Meinung. In zahlreichen Schreiben ist allerdings nachzulesen, dass er sich mit diesem Bericht selber keinen Gefallen getan hat. Für mich persönlich ist dieser Bericht eine persönlichen Abrechnung. Was immer der Grund für diese Abrechnung sein wird! Es wäre nicht weiter schlimm, wenn er mit mir eine Rechnung begleichen wollte, aber das er auch auf Betreuer und andere Teilnehmer losgeht, das ist ziemlich herb.

Es gab Äußerungen die niemals nach draußen hätten dringen dürfen, weil sie den Betroffenen durch Provokation, Beleidigung und Diskriminierung tief verletzt haben und dieses gehört nicht offen angeprangert. Geschriebenen Beiträge sollten sich auf einer sachlichen Ebenen bewegen. Es ist zu beachten, dass diese Beiträge nicht nur in Deutschland zu lesen sind, sondern auf der ganzen Welt.

Zum Beispiel Thema; Hiroko Okiyama + Musste das wirklich sein? Wie steht die Frau jetzt da? Die japanische Mannschaft + Gerade mit den Japanern hatte ich nie Probleme! oder das Ehepaar Bayer + Die Bayers sind in Deutschland bekannt, wie bunte Hunde. Else ist aus der Läuferwelt nicht mehr wegzudenken und wird nun so verärgert? Ich hoffe nur, dass mir ihre Freundschaft erhalten bleibt. Mit Else war es nicht immer leicht, aber auch sie stand unter starkem Druck. Jeden Tag einkaufen: Habe ich auch das Richtige? Stimmt die Menge? Aber auch die Schlepperei mit den Flaschen hat sie geschlaucht. Ja, es hat mich auch stark getroffen und wenn ich etwas böses hätte sagen wollen, dann bestimmt nicht mit diesem Medium. Es wurden aber auch Läufer angegriffen. Hier wären einige Entschuldigung fällig. Mich kann er dabei herauslassen. Ich habe es abgehakt!

Hier eine kleine Rückschau:

  • Jeder Lauf, jedes Unternehmen kann verbessert werden. Man kann bis ins Unendliche verbessern, aber perfekt wird man nie. Eine Perfektion war von mir auch nicht angestrebt, denn das wäre wohl mehr als vermessen. Ich versuchte nur eine gute Arbeit zu leisten. Bei aller Bescheidenheit, die habe ich geleistet. Ich habe 50% der Angetretenen nach Moskau gebracht und darüber hinaus einige Etappenläufer. Experten gaben mir die Chance von etwa 13 Teilnehmern. Ich hoffte auf 15 bis 18. Es waren aber 22! Zu wenig? Der "Spartathlon" bringt bei einem 36 Stundenlauf etwa 35% durch. Man kann es sehen, wie man will. 50% sind bei so einem Lauf ein enormes Ergebnis und darüber freue ich mich.

  • Im Großen und Ganzen kann ich zufrieden sein. Was hatte ich in der Ausschreibung versprochen? "Abenteuer pur" Einige können mit diesem Wort nicht umgehen, sonst hätten sie nicht nach warmen Duschen, Morgenkaffee usw. gejammert. "Wenn keine Unterkünfte vorhanden sind, dann wird im Zelt geschlafen" Wie viele Übernachtungen gab es in einem Zelt? Keine! "Wenn mal keine Verpflegungsmöglichkeit besteht, dann gibt es auch mal Wurstbrote am Abend" Gab es so etwas? Die Leute wurden in Spanien und Frankreich ins Restaurant geführt und hatten es zum Teil nicht einmal nötig, dass sie Ihr Bier selber zahlten! "Es war für das Gepäck ein Höchstgewicht von 25 kg festgelegt" Mir ist klar, das da auch leicht 30 kg zusammenkommen. Was kam da an Gepäck bei einigen Leuten zusammen? Da hatten Leute zwei riesige Reisetaschen und einen Rucksack. Die Reisetaschen mussten oft von zwei Personen geschleppt werden! Andere hatten riesige Schrankkoffer, bei denen man sich beinahe einen Bruch hob. Ich habe beide Augen zugedrückt!

  • Ich habe die versprochenen Leistungen erbracht. Hier eine kurze Aufzählung: "Frühstück" Hier wurde mir bestätigt, dass dieses soweit in Ordnung war. "Streckenversorgung" Diese wurde ständig verbessert. Es gab sogar Wackelpudding und ähnlich überflüssiges Zeug, was wohl sehr schmackhaft ist aber vom Ernährungswert absolut Null. Ich hatte hochwertige Müsliriegel auf Bananebasis, aber die schmeckten natürlich nicht so gut, wie Wackelpudding. Es gab ein Sportlergetränk, welches allerdings den Nachteil hatte, dass es in der Flasche schäumte. Man hätte dieses aber vernünftiger Weise an den Versorgungsstellen trinken können. Was aber wurde verlangt? Lauter Zeugs was keinerlei Stoffe enthielt, was der Läufer wirklich brauchte. Insgesamt gesehen war man aber auch mit der Streckenversorgung zufrieden. "Streckenmarkierung" Kein Kommentar, denn diese wurde durchweg gelobt. "Abendessen" In der Ausschreibung stand, dass ich für Qualität und Quantität nicht immer garantieren kann. Als ehemaliger Schiffskoch und Zeitsoldat weiß ich, dass man es mit dem Essen niemanden recht machen kann. Beim Bund gab es nur "Schweinefrass", was man allerdings erst nach dem dritten Nachschlag feststellte. Als Schiffskoch sagte man mir, dass ich besser Teerkoch auf der Autobahn werden sollte. Auch dieses stellte man erst nach dem dritten Bäuerchen fest.

  • Verpflegung: Hier mal ein paar ganz deutliche Worte. Es fängt beim Frühstück an. Der Bäcker stellt den Korb mit Brötchen hin und die Ersten nehmen sich fünf oder mehr Brötchen, um sie in ihrem Rucksack verschwinden zu lassen (Ich habe es gesehen!) An den Verpflegungsständen greift man wahllos in die liebevoll zubereiteten Schalen und nimmt sich, was man in zwei Händen so gerade noch greifen kann und wirft einen Teil achtlos in die Büsche (Mehrmals Beschwerden der Betreuer) Zum Abendessen gab es zum Beispiel Schnitzel, Gemüse, Kartoffel und Salat. Was machen einige nette Zeitgenossen? Sie greifen sich zwei oder sogar drei Schnitzel und lassen zwei davon unter dem Salat verschwinden. Eine russische Helferin hat sich über diese Barberei so geärgert, dass sie am liebsten geschmissen hätte. Dieses ist keine Anklage, sondern es sind Fakten!

  • In Russland musste das Essen folgendermaßen bestellt werden: ?kg Kartoffel, ?kg Fleisch, ?kg Gemüse usw. Die Bestellung dauerte nicht selten zwei Stunden. Dann wurde die Rechnung erstellt. Hier noch einmal eine Stunde und mehr. Dann wollten wir eine Rechnung haben. Antwort: Dann kommen sie Morgen wieder, dann ist die Dame vor Ort, die eine Rechnung ausstellen darf. Es wurde zum Frühstück 1 ½ kg Käse bestellt. Geliefert wurde ½ kg. Nachfrage: Wir hatten nicht mehr! Weitere Nachfrage: Und der Preis? Was denn für ein Preis? Man sagte mir, dass ich dann eben mehr Geld ausgeben müsste! Ich weiß das ein Brötchen 0,03 € gekostet hat. In einer sogenannten Raststätte aß ich für 1,40 € und hatte noch eine Cola und einen Kaffee dabei. Für Abendessen zahlte ich um einiges mehr und was auf dem Teller war, war mit dem, was ich für 1,40 € hatte, nicht vergleichbar. Ich sage es ungern, aber ich muss das Wort "Abzocken" gebrauchen. Fakt ist: Es hatte jeder sein Frühstück, Streckenverpflegung, Getränke und sein Abendessen. Ich hatte auch in der Ausschreibung darauf hingewiesen, dass für Zusatzversorgung selber zu sorgen ist. Nur wenige Teilnehmer sind Abends zum Supermarkt gegangen, der oft gleich nebenan zu finden war. Man erwartete einen 24 Stundenservice und sparte, die von mir vorgeschlagenen 500 Euro. Also 2.970 Euro Vollverpflegung mit allem drum und dran? Da ist doch ein Lauf in Marokko für das gleiche Geld für sechs Tage und Eigenverpflegung und nur Wasserversorgung preiswerter! Leute, ich habe mehr geleistet, als ich versprochen habe und dieses wurde gerade in den ersten Tagen und Wochen immer wieder bestätigt. Im laufe der Zeit wurde dieses allerdings zu einer Selbstverständlichkeit. Man hört es nicht gern, aber in dieser Beziehung wurden die Leute verwöhnt und ich hatte ab Osteuropa deshalb so meine Probleme.

  • Man kam mir mit dem hervorragend organisierten "TransAmerika-Lauf 2002" Schön, wenn dieser so hervorragend organisiert war. Ich werde es das nächste Mal auch versuchen und es wird klappen, darauf mein Wort. Nur: Es wird dann aber kein "Neckermannlauf" wie beim TransEurope, sondern es gäbe dann ein sehr kleines Teilnehmerfeld, was organisatorisch auch besser zu betreuen wäre. Weiter im Text: 2.970,00 Euro? Das geht wohl nicht. Wie dann? Die Amis und auch die Australier haben es vorgemacht: +Jeder bringt seine eigene Betreuermannschaft mit + Jeder hat sein eigenes Auto, Wohnmobil oder desgleichen + Jeder ist für seine Versorgung selbst zuständig + Der Veranstalter kann natürlich auch die Unterkünfte im Hotel buchen, was natürlich zu Lasten des Teilnehmers geht! Wer kann sich diesen Lauf aber leisten? Siehe USA 2002: 9 Japaner, 1 Schweizer und 2 Amis? Der "TransEurope" war ein "arme Leute Lauf" Das ist nicht abfällig gemeint, aber ich wollte hier auch Leuten die Chance geben, an einem Kontinentallauf teilzunehmen, den sie finanzieren können. Er ist mit Startgeld, Transfer usw. ja auch immer noch teuer genug, aber erschwinglich! Beim "TransEurope" hattet ihr den Kopf frei. Also nur: Laufen, Schlafen, Essen, Laufen!!

  • Hier noch etwas: Das Unternehmen wurde nahezu ohne Sponsorengelder durchgeführt!!! Es gab einige Leute die mich ermunterten für alles mögliche zu investieren. Wenn ich zögerte, so stellte man mich als Kleinkrämerhaft hin. Man sicherte mir von verschiedenen Seiten zu, dass die Gelder nur so fließen, Gelder? Ich bin heute froh, dass ich so wirtschaftete. Die Endabrechnung lässt sicher noch auf sich warten, denn es werden noch Forderungen kommen, mit denen ich noch nicht rechne. Ich bete nur, dass die Rechnung plus Minus Null aufgeht. Mein Kassenwart sieht allerdings dunkle Wolken auf mich zukommen und ich hoffe dabei auf Aufheiterung.

  • Zu allem Überfluss bin ich auch noch der 1. Vorsitzende des "TransEuropa-Lauf e.V." und habe diesen Verein aufbauen müssen. Einige Leute werden wissen, was dieses in der Anfangsphase bedeutet. Dieses ist natürlich eine denkbare schlechte Konstellation: Rennleiter und 1. Vorsitzender. Zu oft waren mir deshalb beim Unternehmen die Hände gebunden.

Streckenbeschreibung und Streckenlänge:

 Es ist nicht nur ärgerlich, sondern auch frustrierend, wenn die Streckenlänge nicht stimmt und einem auf halber Strecke gesagt wird, dass noch einmal drei oder noch mehr km hinzukommen. Was aber noch schlimmer ist, wenn man es kurz Etappenziel erfährt oder es selber merken muss. Sagt nichts: Es ist ärgerlich und man könnte die Wände hochgehen oder den ganzen Kram hinschmeißen! Jetzt aber die Verteidigung: Auch wenn sie für euch dünn erscheint. Du bekommst eine Halle zugewiesen und wenn du vor Ort bist, dann wird dir gesagt, dass man nun doch eine andere Unterkunft hat. Diese liegt dann natürlich nicht auf der Strecke. Man ist aber froh, dass man überhaupt eine Unterkunft hat. Noch schlimmer aber, was mir mehrmals passiert ist: Ich hatte nur die Adresse vom Rathaus (mehr war im Vorfeld nicht drin) Als ich dann vor Ort war, hat man beraten, welche Halle für mich am günstigsten wäre. Wer hätte hier in meiner Haut stecken wollen?

Der Streckenverantwortliche traf bei seiner Erkundung, ein Jahr zuvor, auf eine Baustelle oder Umleitung und musste die Entfernung schätzen. Dumm gelaufen, aber als nicht Einheimischer ist es nicht unbedingt leicht. Es können auch andere unvorhergesehenen Dinge eintreffen. Ganz schlimm war es in Belarus und der Russischen Föderation. Die Etappenziele lagen lange fest. Per E- Mail erfuhr ich von Änderungen, vor Ort noch einmal Änderungen. Die Streckenlänge? Na ja, so ungefähr? Aber so genau weiß ich es auch nicht! Ich stand jedes mal Schweißüberströmt da, wenn ich das Etappenziel erreichte und wieder feststellen musste, dass die Strecke nicht stimmt. Hier war dann ein ganz schlauer, der mir riet die Strecke jeden Abend noch einmal abzufahren. Kommentar überflüssig! Einen ganz heißen Tipp erhielt ich in Frankreich. Hier wurde ich sogar massiv angegriffen. Es wurde mir vorgeschlagen, dass ich bei den langen Etappen einige km herausnehmen sollte. Selten so gelacht, wie vorgestern! Wir kommen in Moskau an und sagen, dass wir durch Europa gerannt sind, und weiter? Es war im weitem Vorfeld bekannt, was auf die Läufer zukommt und nun soll ich feilschen wie auf einem türkischen Basar?

Leute, ich habe wegen der Streckenänderungen eventuell mehr gelitten als ihr. Ihr seit die Strecke gelaufen, habt geflucht und euch dann missmutig auf die Matte gelegt. Ich, so glaubt mir, habe oft nicht schlafen können, habe vor Frust das Abendessen ausfallen lassen, weil mich das Gewissen plagte. Lacht da jemand? Jawohl Gewissen! Wahrscheinlich bin ich als Veranstalter nicht abgebrüht genug und sollte mehr Gelassenheit an den Tag legen. Machen aber nicht gerade Emotionen den Menschen so menschlich?

Athletenrat:

Hier eines vorweg; Die ersten Tage herrscht natürlich dicke Kameradschaft. Gerade beim TransEurope war aber schnell zu merken, dass schon nach kurzer Zeit die Positionskämpfe einsetzten. Schon sehr früh wollten viele ihr eigenes Rennen laufen. Etwa am 13. Tag herrschte eine Saustimmung und ich rief eine Sitzung ein. Hier wies ich mal auf einige Punkte der Satzung hin. Es tauchten erstaunlicher Weise nur weinige Fragen auf. Einer zeigte sich entrüstet über die nicht Läufergerechte Verpflegung. Hier konnte ich nur versprechen, dass ich auf mehr Nudeln usw. achte. Ich schlug die Wahl eines Athletenrates vor. Es wurden einige Stimmen abgegeben aber das Interesse war nicht so groß. Jeder wollte sein Rennen und seine Ruhe. Zum Überfluss habe ich auch noch die Liste am nächsten Morgen hängen lassen. Tagelang machte ich mir Gedanken darüber, wie ich die Wahl nachvollziehen kann. Ich hätte mir den ganzen Mist sparen können. Es tauchte nicht einmal die Frage nach dem Ergebnis auf. Jetzt natürlich wieder ein heißes Thema! Ich gebe euch natürlich recht, wenn ihr sagt, dass so etwas unabdingbar ist. Meine persönliche Meinung aber: Es wäre wichtig für die Leute gewesen, von so einem Athletenrat zu wissen. Ich glaube aber kaum, dass dieser wirklich zum Tragen gekommen wäre. Ich kann mich irren und werde, wenn ich mal wieder auf solchen verrückten Gedanken komme, diesen von vornherein einberufen.

Die Person Ingo Schulze:

Ich habe mich intensiv beinahe zwei Jahre darauf vorbereitet, nachdem Manfred Leismann mit dieser Sache an mich herangetreten ist. Es war für uns beide ein Traum. Er, weil er einen Kontinentallauf bereits in den USA bestritten hatte und für mich war dieser Traum noch in einer Schublade. Diese Schublade schloss ich schon vor Jahren, weil mir klar war, dass kein Mensch so blöd ist, so einen Lauf zu organisieren. Ich machte mir schon vor langer Zeit so meine Gedanken. Von Nord nach Süd wäre vielleicht noch OK, aber von Südwest nach Nordost, nach Moskau? Warum gerade Moskau? Was solls, warum auch nicht!

Ich habe Erfahrungen beim "Deutschlandlauf 1998" und beim "Spreelauf" 2000, 2001 und 2002 sammeln können. Diese Erfahrungen kamen mir beim "TransEurope-FootRace"

Verpflegung:

Hier hatte ich mich bereits ausgelassen. In Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland und Polen bestellte ich für die vorhandenen Personen und legte noch einmal für fünf bis zehn Personen drauf. Es reichte dann oder aber auch nicht. Ich aß prinzipiell als letzter und begnügte mich dann oft mit einigen Salatblätter. Das war für mich OK, denn erst meine Teilnehmer. Ich konnte immer noch einen Riegel essen. In den oben genannten Ländern wurde oftmals in Restaurants gegessen. Es gab oft Vorsuppe und Nachspeise. Das war natürlich recht nobel! Ab Belarus war das halt nicht mehr möglich. Wir waren in Osteuropa und jeder sollte wissen, dass es hier anders aussieht, als bei uns. Ich musste das Essen, wie oben bestellen. Wenn ich 20 kg Kartoffel brauchte, wozu sollte ich 30 kg bestellen, wenn ich mit 20 kg hinkam?

  • Unterkunft; Ich war doch froh, dass ich überhaupt eine Halle oder ähnliches bekam. Hauptsache für mich war doch, das alle ein Dach über den Kopf hatten! In der Regel waren die Unterkünfte auch OK, aber wenn es mal nur eine winzige Halle gab oder auch, was viel schlimmer war, eine total verdreckte, was sollte ich da machen?

  • Kilometerangaben; Ja, ich weiß dass so etwas ärgerlich ist. Auf der anderen Seite kannst du auch nicht durch Europa laufen und der Veranstalter versichert dir jeden Tag, dass es genau die km Angabe ist, die du auf deiner Beschreibung vorfindest. Wir haben hier nicht die Route 66 vor uns gehabt. Wir sind auch nicht schnurstracks durch Australien gelaufen. Ich konnte die Teilnehmer auch nicht immer dort starten lassen, wo sie am Abend zuvor aufgehört haben. Das hätte einen wahnsinnigen Transfer nach sich gezogen und die Fahrzeuge hatte ich nicht! Höre ich da: Ingo, dann musst du halt dafür sorgen? Leute, ich war froh, dass ich überhaupt so viele Helfer hatte –viele ?- Zur Strecke habe ich mich aber auch schon oben ausgelassen. Ich weiß ........, Scheibenkleister!

  • Verpflegungsstationen; Um die musste ich mich kaum kümmern. Die Betreuer waren eingespielt und es war eine Freude, wie das geflutscht ist. Es kam aber auch vor, dass jemand zwei km zu früh oder zu spät aufgebaut hatte. An warmen Tagen wurde dann eben eine unbemannte Stelle aufgebaut. Ansonsten gab es hier alles was das Herz erfreute (wenn auch nicht immer Läufergerechtes, sondern eher etwas für Schleckermäuler)

  • Es wurde der Informationsfluss mehrmals beklagt; Es stand doch alles in der Ausschreibung, sollte ich diese jeden Tag wieder vorlesen? Ich habe etwa alle sechs Wochen einen Informationsbrief herausgegeben. Während des Rennens wurde mir mehrmals gesagt, dass man das alles nicht gelesen hat und man wird schon noch früh genug erfahren was Sache ist. Ich hatte einige Ansprachen in den Turnhallen gemacht. Gern hätte ich dieses öfter getan, aber wir waren oft in winzigen Hallen oder auf Zimmer verteilt. Wäre es für den Läufer sehr angenehm gewesen, nachdem er etwa 80 km gelaufen ist, sich noch irgendwelche Ansprachen anzuhören? Ich jedenfalls wäre froh gewesen, wenn ich meine Ruhe gehabt hätte! Welche Informationen hattet ihr noch haben wollen? Jeder weiß wie schwierig es war, wenn ich mal alle aus irgendeinem Grunde zusammenhaben wollte. Ich hatte es immer damit begründet, dass noch einige auf der Strecke sind oder sie waren unter der Dusche oder aber sind erschöpft eingeschlafen.

Ich sollte morgens etwas über das Streckenprofil und Änderung der Streckenlänge sagen: Das Streckenprofil wurde oftmals in der Streckenbeschreibung beschrieben und ich war noch nie vor Ort und konnte darüber nichts sagen. Ich wusste doch auch nicht schon am Morgen, ob es nun 82 oder 84 km waren. Mir wurde auch der Vorschlag unterbreitet, dass ich die Strecke am Abend zuvor abfahre und prüfe. Nun mal Ehrlich: Ich fahre 82 km hin, irgendwo verfahre ich mich noch und suche irgendeinen Ausgangspunkt, um noch einmal zu vermessen, dann fahre ich 82 km wieder zurück. Jetzt kann ich bestätigen: jawohl, es sind 82 km und keine 84. Sind es wirklich 84 oder habe ich mich bei der Verfahrerei vielleicht doch vertan? Dann war alles umsonst! Nächsten Tag fahre ich die gleiche Strecke voraus und bete, dass meine Überprüfung stimmt. OK, gehen wir davon aus, dass sie stimmt.

Als Veranstalter habe ich es als meine Pflicht gesehen, wenn ich vor Ort alles geregelt hatte, dass ich wieder auf die Strecke gehe. Dieses kam gerade bei den Versorgungsstellen gut an. Hier hatte ich endlich die Möglichkeit, mich in aller Ruhe um die Betreuer zu kümmern und mich das deren Wohlergehen erkundigen. Was mir bei meinem Abfahren der Strecken enorm auffiel und das können auch meine Beifahrer bestätigen: Wenn immer ich fragte, ob alles OK ist, wurde mir freundlich zugewunken; Ingo, alles klar. Hier hörte ich selten mal ein böses Wort. Diese kamen erst im Zieleinlauf. Logisch, jetzt waren sie kaputt und total am Ende. Da hieß es für mich schon mal in Deckung zu gehen.

Delegieren: An wen hätte ich wohl delegieren sollen? Betreuer waren oftmals Ehegatten und diese wollten sich um ihre bessere Hälfte kümmern, was ja wohl verständlich ist. Wie viele Leute hatte ich zur Verfügung? Jemand der den ganzen Tag für den "TransEurope" bekommt von mir noch gesagt, was er sonst noch tun könnte. Einige haben schon mehr geleistet, als ich erwarten konnte.

Ich habe allerdings auch mehrfach versäumt nicht uninteressante Meldungen herauszugeben. Ich habe es schlichtweg vergessen, Stress, Überforderung, was solls, ich habe es verschwitzt! Gibt es aber nicht aber auch so etwas, wie eine Holschuld? Ohne meine Schuld abzuwälzen, aber auch der Teilnehmer oder Betreuer hätte mich mal darauf hinweisen können.

Meine Leistungen die ich eingebracht habe: + Gründung eines Vereins + Erstellen einer Vereinssatzung, Ehrenordnung, Beitragsordnung usw. + Es mussten Bestanderhebungen gemacht werden + Sitzungen einberufen und vieles mehr, was ein Verein so mit sich bringt + Erstellen einer Satzung für den TransEuropa-Lauf + Erstellen einer Broschüre, welche alle drei Monate überarbeitet wurde + Führen sämtlicher Datenbanken + Anwerben von Teilnehmer und Betreuern + Fahrzeugbeschaffung + Beschaffung der Ausrüstung+

Nacharbeit: Fahrzeuge wieder abgeben, Material entsorgen, Erstellen der Urkunden und Ergebnislisten, Dankschreiben an Betreuer und Sponsoren erstellen, eine Menge Fragen beantworten + + + + .

Was sonst noch interessieren dürfte: Ich habe mein Lauftraining in den letzten vier Monaten vor dem Lauf auf nahezu Null gesetzt. Für mein Wohlbefinden war es keine Wonne + Ich habe in diesen Monaten bis zu 210 Stunden am PC gesessen. Die gesamte Vorbereitung dauerte 22 Monate. In dieser Zeit habe ich an maximal vier Wettkämpfen teilgenommen + All diese Dinge habe ich gern getan, denn ich wusste, dass über 40 Teilnehmer meinen eigenen Traum laufen werden. Für mich wird es ein ewiger Traum bleiben. Als Veranstalter konnte ich keinen Sponsor suchen. Damit ich während des Rennes finanziell etwas Beweglich blieb, bat ich in einer Sitzung darum, dass ich für die Zeit etwas entschädigt werde. Dieser Betrag fällt in meine nächste Steuererklärung. Der Betrag wurde auch unterwegs zum Großteil aufgebraucht, durch Speiseeis für die Läufer, hier mal ein Kaffee und dort mal etwas für die Betreuer usw. Der Lauf lief unter dem Namen "TransEuropa-Lauf e.V." und da muss ich entsprechend abrechnen, um die Gemeinnützigkeit nicht zu verlieren. Ich war also in der Ausgabe des Geldes sehr eingeschränkt und habe es dann aus Bequemlichkeit von meinem eigenen genommen. Nun warte ich die Endabrechnung ab und hoffe, dass ich mit heiler Haut davonkomme.

Der nächste TransEuropa-Lauf, wenn NEIN, warum nicht?:


  • In 10 Jahren oder noch früher? Durch wen?

  • Unter dem Strich bin ich gar nicht einmal so schlecht weggekommen. Es gibt sogar Leute, die erkannt haben, dass Europa nicht Amerika oder Australien ist (Grenzen, Währungen ect.) Im Vorfeld bekam ich sehr viel Zustimmung und Lob für die umfangreiche Arbeit. Es gab so viele Informationen, dass man mir unterwegs sagte, dass man das alles gar nicht gelesen hat!

  • Ich werde möglichst nie mehr für die Versorgung zuständig sein müssen. Dieses Thema wird mit jedem Jahr heikler, so dass ich schon überlege, den "Spreelauf" in einigen Jahren einschlafen zu lassen, denn die Erwartungshaltungen erdrücken einem inzwischen.

  • Was kann ich einem Nachahmer mit auf dem Weg geben? Ich habe versucht einen Lauf für arme Leute zu organisieren. Also 45 Euro mal 66 Tage und alles soweit inklusiv. Diese Rechnung geht nicht auf: Also, mache es wie die Amis oder Australier: jeder bringt seine eigene Mannschaft und Fahrzeug mit. Für das Futter sorgen die dann selbst. So gesehen wäre der Lauf für mich Kinderleicht gewesen. Vor allem, lieber Veranstalter, mache dir weniger Stress, denn das wird nicht anerkannt. Ingo Schulze hat morgens die erste Gruppe gestartet, hat dann noch einige Dinge erledigt und hat dann das Feld von hinten aufgerollt und nach jedem einzelnen Teilnehmer geschaut. War jemand am Hinken, so habe ich mich nach seinem Wohlsein erkundigt. Im Etappenziel angekommen, habe ich mich um die zugesicherte Unterkunft und Verpflegung gekümmert. Dieses ging mal schnell oder ich kam in Zeitdruck. Zwischendurch kamen natürlich immer wieder Nachfragen von der Presse, Familienangehörige usw. Es wurde dann Zeit, dass ich den Teilnehmern wieder entgegen fuhr. Ich wollte ja wissen, wie es ihnen geht. Am späten Nachmittag war meine Hauptarbeit dann abgeschlossen und ich konnte mich um Dinge kümmern, die schief gelaufen sind usw. Dann war auch schon das Abendessen angesagt. Oftmals hatte ich dafür keine Zeit, weil irgendjemand nach einer Information gefragt hatte oder ich hatte ganz einfach die Schnauze voll und verzichtete auf das Essen. Zweimal habe ich dafür zahlen müssen, aber das ist hier meine eigene Sache und möchte hier kein Mitleid erregen. Dann war auch schon Schlafenszeit angesagt.

Lasst um Gottes Willen Osteuropa weg. Klar, es ist machbar, dass wurde ja jetzt bewiesen. Denkt aber an den Aufwand und Kosten. Es wurde mehrmals die Präsenz der Miliz gelobt. Ja prima, man fühle sich einerseits sicher, was wäre aber ohne deren Präsenz gewesen? Ständig mussten die Autos nachts bewacht werden. Einmal hatte ich keine Bewacher. Es war an einem Tag, an dem ich mich mal früh hinlegen wollte. Ich fuhr zur Polizei, um das zu regeln. Ab Polen schlief ich generell im Auto.

Lieber Nachahmer, dass meiste von dem was ich tagsüber gemacht habe kannst du beruhigt vergessen. Erst einmal merkt es niemand und zum Zweiten, wozu? Lass dich möglichst wenig sehen, dann bist du weniger angreifbar und du kannst Kraft für andere Dinge schöpfen.

Also, liebe Läuferwelt, ich möchte mich hier ganz offiziell vom "TransEurope-FootRace" verabschieden und werde wieder meinen "Nordstetter Schlosslauf" im April 2004 über 12,5 km machen. 2004 steht auch wieder der "Spreelauf" an. Mein geplanter "Deutschlandlauf 2005" wandert lieber wieder in die Schublade. Nein, es ist keine Feigheit, sondern ein gesunder Selbsterhaltungstrieb. Seit einigen Tagen trainiere ich wieder meine müden Knochen und versuche 2004 wieder in die Ultraszene einzusteigen. Ich bin mit 55 Jahren noch zu jung, um mich in der Szene abzumelden!

Es ist ganz einfach so: Du kannst heute nicht einmal einen Volkslauf machen, wie noch vor einigen Jahren. Seht euch die Startfotos an. Jeder schaut auf seine Stoppuhr und da habe du mal als Starter einen nervösen Finger! Den "Deutschlandlauf 1998" habe ich noch mit äußerst bescheidenen Mitteln gemacht. Wenn ich daran heute denke. Mann, dass sind erste fünf Jahre her. Auch Veranstalter müssen umdenken und mit der Zeit gehen, aber die Entwicklung hat uns bereits eingeholt.

Noch zum Abschluss:

Die Siegesfeier war auch nicht gerade nach meinem Geschmack. Dem Beobachter dürfte aber auch aufgefallen sein, dass ich hier wenig Chancen hatte, ein wirklich knalliges Ding aufzuziehen. Hier auch kurz der Zieleinlauf erwähnt: Das ich die 15 km am letzten Tag herausgenommen habe, war keine "Räuberpistole" mir wurde von einer angereisten Journalistin gesagt, dass ein umgekippter LKW die Straße versperrt. Ich war etwas zornig, obwohl ich daran auch nicht ändern konnte. Alternative? Die Läufer sollten irgendwo durch die Pampa und wären dann etwa drei km mehr unterwegs gewesen. Die Fahrzeuge aber hätten einen riesigen Bogen fahren müssen. Es erschien mir das Vernünftigste, diese 15 km herauszunehmen. Die Entscheidung ist aus spätere Sicht auch sehr gut gewesen, ob nun mit LKW oder ohne.

Ja, der Zieleinlauf. Die Teilnehmer und Betreuer liefen im Pulk und die Polizei vorweg. An einer Kreuzung versuchte ich herauszubekommen, wo nun der "Verneigungshügel" ist. Laut der Skizze, die man mir am Abend zuvor gezeigt hatte, hätte es noch geradeaus gehen müssen und dann rechts. Die Polizei leitete uns aber gleich nach rechts und sofort wieder links. Eine Korrespondentin von der ARD bezweifelte diese Streckenführung ebenso wie ich. Nun waren wir vor dem sogenannten "Verneigungshügel" die Beschreibung passte auch irgendwie. Hier ließ ich die Läufer einlaufen und verließ sie dummerweise, denn hier KONNTE es nicht sein. 400 Meter weiter standen etwa 30 Journalisten und warteten auf die TransEurope- Läufer. Schei..... , ich also den kürzesten Weg, dorthin, wo meine Truppe sein sollte. Prima, sie waren noch alle beieinander. Schnell eingesammelt und zum letzten Start. Ich bin dann vorweg, um sie ins Ziel zu führen. Dieses war auch für mich ein bewegter Augenblick. Der Zieleinlauf nicht ganz geglückt. Was war hier aber so schlimm Herr Wagen? Wurdet ihr nicht im Ziel dafür entschädigt? Kameras, Blitzlichtgewitter! Man so etwas erlebt sonst nur Schumi!

Es ging dann mit dem Bus zum Roten Platz. Auch hier habe ich wieder Mist gebaut. Ich hatte vergessen den Leuten eine Zeit mitzugeben bevor die sich den Ort anschauten. Ich war doch von der ganzen Sache genauso überwältigt. Der Gedanke kam noch hinzu, dass ich es wirklich geschafft habe, die Meute ohne große Zwischenfälle nach Moskau gebracht zu haben und meine Arbeit beinahe abgeschlossen ist. Man, war das ein Gefühl. Die Presse saß mir im Nacken und wollte auf dem Roten Platz die Siegerehrung. Klar, hier konnte man eine Siegerehrung zwar unter erschwerten Bedingungen machen, aber gleichzeitig hatten wir die richtige Kulisse. Die Durchführung fiel mir sehr schwer, denn wie jeder erkennen konnte, war ich gesundheitlich sehr angekratzt und meine Stimme war manchmal kaum noch zu hören. Es bekam jeder seine Medaille und wir konnten zahlreiche Fotos vor dem Kreml machen. Das war es doch, was wir wollten!

Dann ging es zur Firma BAYER. Man war das ein Festschmaus. Vorher jedoch hielt jedoch der Geschäftsführer, Herr Harder eine Ansprache und dann durfte ich noch einmal ran. Ich verkündete noch einmal die Namen der 22 durchgekommenen und die Namen der Etappenläufer. Die Betreuer nannte ich nicht mehr namentlich, weil ich dieses schon auf dem Roten Platz getan habe. Ich wollte das ganze auch nicht in die Länge ziehen, denn ich bemerkte schon die ersten Unaufmerksamen die lieber mit dem Nachbarn tuschelten. Ein riesiges Feuerwerk usw. dass wäre es gewesen. Es war leider nicht möglich, wer hätte es auch bezahlen sollen?

Am nächsten Tag wollten wir mit einer großen Truppe zum "Olympischen Lauf" oder so ähnlich und am Abend war ein Besuch bei der Deutschen Botschaft angesagt. Ich nahm an beidem nicht teil, was mir einige Leute verübelten. Hier ganz klar: Ich bin hier niemandem Rechenschaft schuldig gewesen. Meine Arbeit war mit der Einnahme des Frühstücks abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt war ich wieder der Privatmann Ingo Schulze. Es bestand für mich lediglich eine moralische oder gesellschaftliche Verpflichtung. Ich war gesundheitlich angeknackst und außerdem hatte ich jetzt nur noch einen Wunsch; Ab nach Hause! Ich war über mich selbst erstaunt. Es zählte nach 10 Wochen plötzlich jede Minute. Einigen anderen erging es ebenso, obwohl diese mir Tage zuvor ins gewissen geredet hatten, dass ich bis Montag bleibe.

Was soll ich noch sagen?

  • Ich bin glücklich, dass alles vorbei ist.
  • Ich bin glücklich, dass es so viele geschafft haben
  • Jeder der durchgekommen ist, kann sich damit schmücken, dass er den "TransEurope-FootRace" bestanden hat. Man wird euch noch lange feiern
  • Ja, ich bin stolz darauf, wenn jemand sagt:" Ingo, ohne dich wäre dieser Lauf nie zustande gekommen!"
  • Wird es jemals einen zweiten "TransEurope-FootRace" geben?
  • Lasst mir noch bitte Zeit, um die Urkunden zu erstellen. Auch andere Forderungen werde ich bis spätestens August erledigt haben.


Sehen wir uns mal wieder?

Mit den besten Grüßen

Euer Ingo

im Juli 2003

Ein kleiner Bericht von Ingo

Ingo Schulze

TRANS-EUROPE-FOOT-RACE - 6,000,000 steps to Moscow in 63 days




After several Trans America races and one Trans Australia event, it was just a matter of time till someone would think of a Trans Europe race. Following is the story of how it came about, what it took to organize it and how it ended.


TransEuropa-FootRace



1.Idea

During his 1st Trans America Crossing in 1959, Manfred Leismann, a German Ultra runner, thought about a Trans Europe Crossing with a theme of uniting the people through sports.

2.Route outline and reason for the event:

The race was to be the longest and toughest foot race to date

Manfred looked at the map of Europe, and penciled out a course, trying to avoid mayor cities wherever possible to avoid mayor traffic yams and also considering the safety of all.

Extensive guidelines should have prepared all participants for what lay ahead and how to cope with all. The reality of life and personalities as well as national origins showed the true personalities of some participants, as ultimately many acted by the motto: ME.FIRST, and the hell with the rest of humanity.



When things go well there are few problems, but when space, food, equipment and the likes are getting tight, watch out as the animal instinct starts to awaken in many humans.

As the photojournalist for the entire race, I had the opportunity to observe over 65 people from 14 countries for 65 days, giving me a rare insight into humanity.

After three weeks of running an average of two marathons a day, runner's stress levels increased, tempers started to flair and patience started to wear thinner at the slightest perceived or real provocation by any one around. One French runner, mad about something he thought another German runner caused, verbally abused him and made racist remarks directed towards that runner, making it clear what he thought of Germans.

While going through Eastern Europe, Food became less available. The amounts often were not enough for the enormous appetites of all, causing some to act like animals, by pushing towards the start of the line, heaping their plates with food, disregarding any pleas to leave food for others.

Several Japanese runners who constantly took more food than they were entitled to, where called yellow Monkeys by some German runners, showing that there are still racial distinctions amongst humanity.

Speaking of German runners, they definitely complaint more than anyone in the group and I was very verbal about it. My perception is that they are a little too comfortable (I am German too) and expect things the way they expect them to be, which obviously wasn't going to happen on this trip.

That sanitary conditions in Belarus and Russia were often below of what anyone ever experienced, is fact, but there was nothing the Race Director or anyone could do about it, so live with it. The same goes for the water in Russia which apparently had salt and other ingredients, which did not agree with many runners. It made many people sick, who in turn blamed the couple that procured all the food, who in turn eventually quit a few days before the end, tired of being subjected to verbal abuse by some, since they can only buy what's available in the stores.

All in all it was a great trip, but it also showed that humans instinctively look out for themselves and often have no problem labeling others who are different or from a different country. The above only confirms my own believe, racism is well and alive to a degree and the world's population will never live together like one happy family.

You may disagree, however this is my own observation of almost 60 people from 14 countries, coexisting at close quarters for 65 days.

Trans Europa Lauf



1. Idee

Waehrend seines ersten Trans Amerika Laufes in 1959 Manfred Leisman hatte die Idee fuer einen Trans Europa Lauf mit der Idee die Menschen von Europa durch Sport zu vereinen.

2.Ruten Beschreibung und der Grund des Laufes.

Der Lauf sollte der laengste und schwerste der Welt sein.

Manfred schaute sich die Mappe Europas an und zeichnete den Kurs ein, und versuchte groessere Staedte zu vermeiden wegen dem BVerkehr und der Sicherheit aller.

Ausgedehnte Regulationen sollten alle auf diesen Lauf vorbereitet haben und wie man sich zu verhalten hatte. Die Realitaet allerdings zeigte wie sich Leute aus 14 Laendern aus verschiedenen Kulturen und Persoehnlidchkeiten wirklich verhalten wenn unter Stress. Die Wirklichkeit zeigte dass einige Laeufer nach dem Motto "Ich erst" handelten, und wenig Ruecksicht auf andere nahmen.

Wenn sich keine Probleme ergeben, laeuft alles okay.Wenn aber das Essen knapp wird,

der eine oder der andere einen sauer macht kann der Tier Instinkt geweckt warden.


Als der offzielle Photojournalist fuer den ganzen Lauf, hatte ich die Moeglichkeit ueber 65 Leute aus 14 Laendern zu beobachten wie sie sich unter den verschiedensten Verhaeltnissen benehmen.

Nach drei Wochen taeglichen laufens von etwa zwei Marathonen am tag, der Stress vieler Laeufer erhoehte sich dramatisch. Temperamente machten sich bemerkbar und die Geduld einiger wurde weniger, besonders wenn man dachte ein anderer benahm sich falsch.

Ein franzoesicher Laeufer dachte ein deutscher Laeufer war schuld an was was ihn betraf was ihn wild machte. Er nannte ihn Hitler und mach6te einige Komente die erkennen liessen was er wirklich ueber die Deutschen dachte.

Als wir durch Osteuropa liefen viles war nicht mehr erhaeltlich, besonders was das Essen anbelangte. Die Menge waren oft zu knapp, was einige dazu bewegte sich wie Tiere zu benehmen. Sie draengten sich an die Spitze beim Essen, fuellten iohre Teller so voll dass am Ende manchmal nicht genug da war fuer spaet einterffende Laeufer, aber das war denen egal.

Einige japanische Laeufer nahmen mehrmals mehr Essen als ihnen zustand, was ein paar Deutsche dazu anreitzte sie gelbe Affen zu nennen, was eindeutig zeigte dass der Rassen hass se anerkennen, aber wenn es darauf ankommjt, sieht man die wahren Guehle.

Weil wir gerade von Deutsche reden, sie beschwerten sich mehr als jeder andere in der ganzen Gruppe was mich veranlasste zu denken dass es ihnen zu gut geht und sie zu verwoehnt sind, was ich ihnen auch mehr als einmal klipp und klar sagte (ich bin auch Deutscher). Sie erwarten alles so wie sie es wollen, was nicht realistisch ist, besonders bei so einem Lauf durch sieben Laender.

Dass die santaeren Bedingungen oft unter aller Sau waren in Belarus und Russland bestreitet keiner, aber da war nichts was der Race Direktor dagegen tuen konnte, man lebt eben damit. Das selbe gilt fuers Wasser was in Russland scheinbar Salz und andere Dinge drin hatet und vielen Laeufern Magenbeschwerden bereitete. Dafuer aber die Leute anzu meckern die das Essen einkauften ist idiotisch, denn die koennen nur kaufen was es im Laden gibt. Eine Woche vor Moskau hatten die beiden die Schnauze voll und fuhren kurzer Frist nach Deutschland.

Alles in allem war es ein toller Trip/Lauf, der aber auch die wahre Seite vieler Menschen in stressigen Umstaenden zeigte, wie sie, wenn es darauf ankommt keine Haemmungen kennen ihre wahren Gefuehle zu zeigen. Das gilt besonders Leuten aus anderen laewndern deren Sitten udn Zgebraeuche von den eigenen abweichen.

Das obige bestaerkt mich nur in meinem Glauben dass der Rassenhass (in einer gemilderted Form vielleicht) noch sehr lebendig ist und die Menscheit weltweit nie in voller Harmonie zusammen leben wird, kann oder will.

Nicht jeder wird da mit uebereinstimmen, aber was ich in 64 Tagen von Leuten aus 14 Laendern sah, bestaerkt nur meine obige Meinung.

ldsptelefon




ouf! à 11h, enfin le coup de fil libérateur des touristes à Moscou (Luc et Alix visitent la Place Rouge à pied, mais beaucoup de monuments sont fermés à cause du festival cinématographique)

Arrivée dicrète hier dans la matinée après 15km de transfert en bus et sans grand decorum.
Réception Samedi soir chez Bayer (le principal sponsor) et à l'ambassade d'Allemagne ce Dimanche soir.
Plusieurs coureurs sont déjà repartis, pour raisons familiales ou professionnelles (certains reprennent le travail dès Lundi!)

Luc n'a pas les jambes qui le démangent, il dit qu'il a eu 'sa dose' !
Il sera Mardi soir à Paris   

Pour le récit détaillé de la fin de la course reeportez vous au reportage d'Alix

Lutz Triebus

Undank ist der Welten Lohn oder Der TransEuropaLauf aus Sicht des Initiators

Manfred Leismann



[Zum Schluss...]



Robert Wimmer

TransEuropaLauf-Sieger Robert Wimmer beim Lauf Am 19.April starteten 37 Läufer und 7 Läuferinnen zum TransEurope-Footrace von Lissabon nach Moskau. Die Teilnehmer waren aus aller Welt angereist, wie z.B. USA, Japan, Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Schweiz und Deutschland.
Zu bewältigen waren in 64 Tagen ohne Ruhetag durchschnittlich knapp 80 KM pro Tag in einer Gesamtdistanz von 5056 KM.
Die Strecke führte von Portugal über Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Weißrussland bis Russland.

Aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gesetze stellte dieses Vorhaben auch in Hinsicht der Organisation durch Ingo Schulze alles bisher da gewesene in den Schatten.

Hier mein Dank an Ingo und alle Betreuer für diese Wahnsinnsleistung!

Für ein interessantes Laufprofil sorgten unter anderem die Pyrenäen, Ardennen, Eifel und der Harz.

Ich benötigte einige Etappen, um meinen Körper und meinen Verstand an diese Herausforderung zu gewöhnen. Man neigt dazu, die ersten Tage zu schnell zu laufen und sich mit den anderen an der Spitze mittels Zielsprints zu messen. Diesen Lauf kann man nur finishen, wenn man seine Kräfte exakt einteilt und nur von Etappe zu Etappe denkt.

Von Portugal bis Polen hatten wir einen landschaftlich sehenswerten Lauf mit guter Versorgung hinsichtlich Nahrung, Hygiene und Unterkunft. Ab Weißrussland bis Moskau mussten wir unsere Ansprüche auf Null runterfahren, um mental bestehen zu können.

Aufgrund der hygienischen Situation hatten viele, auch ich mit starken Magen- und Darmproblemen zu kämpfen. Bei mir war das verunreinigte polnische Leitungswasser die Ursache.
Es war mir über weite Strecken nur möglich zu gehen und ich dachte hierbei schon mal daran aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Aber nur kurz!

Ich konnte diesen Lauf über 5056 KM in 480 Stunden gewinnen, da ich mich in vielen Parametern professionell vorbereitet habe:

  • Mentaltraining durch den Extremradfahrer und Freund Hubert Schwarz,
  • Lauftraining mit bis zu 520 KM in der Woche mit Betreuung durch Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler),
  • Ernährungsumstellung auf vegetarisch mit 10 KG Gewichtsreduktion mit Hilfe von Dr. Wolfgang Feil von Ultra-Sports,
  • Streichung von Alkohol und Zigaretten,
  • einjähriger Berufspause,
  • Unterstützung durch Sponsor Bär-Schuhe und
  • Rückhalt in der Familie durch Frau Ursula und die Kinder Oliver, 4 Jahre und klein Franziska mit 3 Monaten.

TransEuropaLauf-Sieger Robert Wimmer im Ziel Immer wieder waren Zuschauergruppen am Straßenrand und Medien vor Ort.
Besonders habe ich mich in Frankreich über eine ältere Dame gefreut, die mit dem Fahrrad gerade vom Einkaufen kam: Sie sah mich, stieg vom Fahrrad ab und applaudierte mir spontan und begeistert.

Besonders herzlich wurden wir in Polen empfangen, wo wir an jedem Etappenziel vom Bürgermeister empfangen wurden, einer Volkstanzvorführung beiwohnen durften und sowohl reichlich, als auch vielseitig verköstigt wurden.

Die problematischsten Umstände hatten wir in Hinsicht auf Nahrung, Unterkunft und Hygiene im armen Weißrussland, wo wir teilweise in "Rattenlöchern" untergebracht waren.

Der Transeuropalauf war der längste und für mich persönlich der vielleicht härteste Wettlauf, der jemals auf diesem Globus stattfand. Nun werde ich mich auf den Transamerika-Lauf 2004 vorbereiten, um zu testen, ob ich danach fit bin für meine Lauf-Vision um die Welt zu rennen mit 22 000 KM in 220 Tagen.

Robert Wimmer, im Juli 2003

Erfolg ist machbar - Bericht vom Sieger Robert Wimmer

Robert Wimmer


(Kurzfassung) Am Ostersamstag, den 19.April starteten 37 Läufer und 7 Läuferinnen zum Transeurope-Footrace, dem ultimativen Ausdauertest von Lissabon nach Moskau. Die Teilnehmer waren aus aller Welt angereist. 14 Nationen darunter z.B. Läufer aus USA, Japan, Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Schweiz, Slowenien und Deutschland waren vertreten.
Zu bewältigen waren in 64 Tagen ohne Ruhetag durchschnittlich knapp 80 KM täglich in einer Gesamtdistanz von 5036 KM. Das entsprach der Länge von 119 Marathonläufen, ohne große Regenerationspausen.
Die Strecke führte vom atlantischen Ozean in Portugal über Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Weißrussland bis Russland.


Höhenprofil

Für ein interessantes Laufprofil sorgten unter anderem die Pyrenäen, Ardennen, Eifel und der Harz. Hier galt es im Besonderen, mit den Kräften sparsam hauszuhalten, um nicht vorzeitig heimfahren zu müssen. Die Gefahr zu überziehen lag täglich auf dem Fuß.

Organisation

Aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gesetze stellte dieses Vorhaben auch in Hinsicht der Organisation alles bisher da gewesene in den Schatten.
Gut zwei Jahre hat Ingo Schulze für die Planung und Organisation gebraucht.
Visa-Bestimmungen mussten erkundet und Genehmigungen eingeholt werden. Unterkünfte wurden mühsam aufgetrieben und geordert. Hier galt es einen angenehmen Kontakt zu den Behörden vor Ort aufzubauen, was durch die vielen unterschiedlichen Sprachen ein schwieriges Unterfangen war. Ferner mussten auch die Betreuer- und Transportfahrzeuge  gemietet oder ausgeliehen werden.
Zeitweise 60 Läufer und Betreuer wollten ernährt werden. Das ganze tonnenschwere Gepäck musste täglich zum Zielort transportiert werden. Außerdem benötigten wir Helfer mit Übersicht, welche die Strecke mit Pfeil-Aufklebern und Kreidepfeilen markierten.Hier mein herzlicher Dank an Ingo und alle Betreuer für diese Wahnsinnsleistung!

Zu meiner Person

Ich bin 1965 geboren, Augenoptikermeister und war bis dato engagierter Freizeitläufer.
Ich laufe seit 1987 und habe bereits etwa 90 Marathonläufe und 30 Ultramarathonläufe absolviert. Im Jahre 2002 wurde ich Deutscher Meister im 100-KM-Bahnlauf. Dies war bis dahin mein bisheriger Höhepunkt in meiner Karriere.
Seit ich vom Transeuropalauf erfuhr, steigerte ich mein Training und testete meine Ausdauer bei einem 12- und 24-Stundenlauf. Auch an einem Etappenlauf über sechs Tage nahm ich erfolgreich teil. Dies war also meine spärliche Erfahrung im Multi-Day-Race. Aber mein tägliches umfangreiches Training lieferte mir ohnehin einiges an Wissen und Erfahrung für die große Herausforderung „Transkontinentallauf“.

Ziel

Mein Ziel war es mit einem Lächeln in Moskau anzukommen und mich mit der Weltspitze messen zu dürfen. Ich hatte dabei schon im Auge, einen der drei ersten Siegerplätze zu belegen.

Training und Vorbereitung

Zur Realisierung meines Zieles steigerte ich mein Training von circa 160 KM wöchentlich seit Anfang 2002 kontinuierlich, um meine Ausdauerwerte zu optimieren und meine Psyche an das Ganztagslaufen zu gewöhnen.
Meine Trainingshöhepunkte mit bis zu 125 Kilometer Laufen am Tag setzte ich im Winter. Hier war es besonders schwer, sich für z. B. eine 3.Tageseinheit am Abend zu motivieren, um die Trainingsvorgabe von bis zu 1800 KM im Monat zu erfüllen. Ich trotzte der Kälte durch optimale Funktionskleidung in mehreren Lagen. Die bildliche Suggestion des Zieleinlaufes in Moskau motivierte mich in anstrengenden Phasen des Lauftrainings. Disziplin ist oberstes Gebot, wenn man Erfolg im Sport haben möchte.   
In der Vorbereitung erzog ich mir Bescheidenheit an, indem ich auch in den Wintermonaten öfters im Freien auf der Terrasse übernachtete. Selbst wenn es schneite blieb ich draußen. Ferner bestand meine Nahrung aus wenigen Grundnahrungsmitteln wie Vollkornbrot pur, Quark, Obst, Karotten und sonstiges Gemüse. Meine Hauptgetränke waren Apfelsaftschorle und die Ultra-Sports-Getränke-Serie. Der Nährwert der festen Nahrung war wichtig, Geschmack weniger. Ziel war es, meine Erwartung und Ansprüche runterzuschrauben, um gewappnet zu sein für die unterschiedlichen Gegebenheiten der zu durchquerenden Länder.

Ausrüstung

Meine Ausrüstung für den Transeuropalauf glich ich mit den Erfahrungen vergangener Laufjahre ab. So benötigte ich unter anderem 8 Paar Laufschuhe, 10 Sätze Laufbekleidung in kurz und halblang. 2 Sätze langer Bekleidung für kalte Tage und Unmengen von Pflaster zum Schutz der Brustwarzen gegen Reibung. Ferner ist Fußbalsam und Vaseline unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung gegen Blasen an den Füßen, Hautabschürfungen an den Oberschenkelinnenseiten und unter den Achseln.
Um einer Knochenhautentzündung keine Chance zu geben, schnitt ich sogar meine neuen Laufsocken jeweils vorne am Bund 5 Zentimeter ein, damit kein Druck am Schienbein entstand, der sich über 5036 Kilometer summieren  und zur Entzündung entwickeln könnte.
Zur Fußpflege gehört ebenfalls eine Nagelschere und eine Nagelfeile, um täglich selbst kleine Blasen und Reibestellen vorzubeugen.

Das Rennen

Portugal

Der Startschuss zum längsten und vielleicht härtesten Wettrennen der Menschheitsgeschichte fiel am 19. April 2003 vor dem historischen Seefahrerdenkmal dem „Torre de Belem“ in der malerischen Hauptstadt Portugals namens Lissabon. Wir brachen unter großem Interesse der Medien zum längsten jemals veranstalteten Wettrennen zu Fuß auf.
Die 37 Läufer und 7 Läuferinnen liefen die ersten 8 Kilometer bis zum Hafen gemeinsam in der Gruppe ohne Zeitwertung. Nach der Überfahrt über den Fluss mit der Fähre begann die offizielle Zeitmessung.
Bei den weiteren Etappen starteten wir in 2 Gruppen. Die erste langsamere Gruppe startete um 6 Uhr und die Schnelleren um 7 Uhr morgens. Daher war meist um 4:45 Uhr wecken angesagt. Der frühe Start war vor allem in heißen Gefilden, wie Portugal, Spanien und Frankreich sehr angenehm, da wir in der Kühle des frühen Morgen loslaufen durften.
Ich benötigte einige Etappen, um meinen Körper und meinen Verstand an diese Herausforderung zu gewöhnen. Man neigt dazu, die ersten Tage zu schnell zu laufen und sich mit den anderen an der Spitze mittels Zielsprints zu messen.
Das Durchschnittstempo der Spitze während der ersten Etappen war entsprechend hoch und gefährlich geeignet, sich bald zu überfordern.
Diesen Lauf kann man allerdings nur finishen, wenn man seine Kräfte exakt einteilt und nur von Etappe zu Etappe denkt.
Dies wurde immer deutlicher, je länger das Rennen andauerte. Erst fiel der Brasilianer,
Carlos Alberto Machado bereits am dritten Tag aus, dann verließen Reino Uusitalo aus Finnland  nach der vierten Etappe die Kräfte und fast täglich fiel ein Läufer aus dem Rennen, weil er das Zeitlimit von 10 Minuten pro Kilometer überschritten hatte oder zu erschöpft zum Weiterlaufen war.
Auch ich wurde etappenweise sehr langsam und kam weit hinter dem Tagesschnellsten ins Ziel. Der Körper pendelte seine Leistung allmählich ein und der Verstand entwickelte sich zur Vernunft. Die Balance zwischen Körper und Geist prägte sich nun aus.
Der Tagesablauf wurde von fünf Worten bestimmte: Laufen, Essen, Trinken, Massage und Schlafen.

Spanien

In Spanien erlebten wir die heißesten Tage mit bis zu 38 Grad Celsius im Schatten. Nur hatten wir auf den Straßen selten Schatten durch Bäume oder Häuser.
Der tägliche dichte Straßenverkehr war hier besonders gefährlich und lungenbelastend.
Ich war froh, wenn wir Sonntag hatten, da an diesem Tag keine Lastwagen fuhren und der Berufsverkehr ausblieb.
Besondere Strapazen durchlitten wir beim Durchqueren der Pyrenäen, da die ohnehin müden Muskeln hier extrem durch die Höhenmeter in der Hitze beansprucht wurden. Nur dank der besonnenen Kräfteeinteilung gelang mir ein würdiges Ankommen im täglichen Etappenziel.

Frankreich

In Frankreich begann die Schlechtwetterphase. Wir hatten morgens die ersten Stunden beinahe täglich Nebel und Regen. Dies forderte die Funktionalität unserer Bekleidung stark heraus. Der Bewegungsapparat benötigte bei diesen niedrigen Temperaturen meist zwei bis drei Stunden, bis er geschmeidig funktionierte. Aber selbst Hagelschauer hielten mich nicht davon ab, das Abenteuer Transeurope-Footrace zu genießen. Das Essen war, wie man es in Frankreich kennt und immer wieder hört ein Festmahl. Das Angebot war reichlich und vielfältig. Wir hatten für diesen Abschnitt der Tour relativ hohe Esskultur aufgrund des Vorbildes der Franzosen und ließen uns dementsprechend beim Abendessen mehr Zeit als sonst. Wer mochte, wurde allabendlich mit köstlichem Rotwein versorgt.  
Besonders habe ich mich über die Begeisterung einer älteren Dame gefreut. Sie kam wohl gerade mit dem Fahrrad vom Einkaufen. Als sie Martin Wagen und mich laufen sah hielt sie spontan an, klatschte uns Beifall und feuerte uns energisch an. Solche Erlebnisse sind die Anstrengungen des Tages wert.

Belgien

Besonders die Bauweise der Häuser und das verwendete Ziegelsteinmaterial fiel mir in Belgien auf. Die Dörfer haben dadurch etwas Gemütliches. Über den Straßenverkehr und das unmögliche Fahrverhalten der Belgier werde ich später noch berichten.
In Belgien blieb mir der zweite Abend in Erinnerung, wo uns das Unternehmen Bayer AG zum Dinieren in ein kleines, feines Restaurant einlud und auch die Getränkekosten übernahm. Ich saß in einer netten kleinen internationalen Runde mit Hans-Jürgen Schlotter aus Deutschland, Andrej Gondas aus der Slowakei und Carlos Alberto Machado aus Brasilien. Endlich einmal hatten wir auch andere spannende Themen außer dem Laufen diskutiert. Hans-Jürgen hatte als Landschaftsgärtner viel zu erzählen, Carlos ist Pilot von Passagier-Flugzeugen und Andrej hilft bei der Obsternte in Südtirol.

Deutschland

In Deutschland hatten der Gesamtzweite, Martin Wagen aus der Schweiz und ich einen Friedenspakt geschlossen. Wir einigten uns darauf, die deutschen Etappen zusammen zu laufen. Ziel war es, die Kräfte zu schonen, weil so Positionskämpfe ausblieben und der Gegenwind jeweils nur einem ins Gesicht blies. So konnten wir den Abstand zu den Verfolgern fast täglich um eine halbe Stunde ausbauen, um uns in Polen dann zu zweit einen definitiven Show-Down liefern zu können. In diesen Tagen der „Zweisamkeit“ lernte ich den Menschen Martin Wagen von seiner netten Seite kennen. Das gleichmäßige Tempo ermöglichte uns lange Gespräche und wir erzählten uns lustige Anekdoten.
Immer wieder standen begeisterte Zuschauer am Straßenrand, die klatschten oder uns fotografierten.
Apropos fotografieren: Immer wieder fuhren TV-Sendewagen neben uns her und im Ziel interviewten mich Journalisten. Ferner wurden wir vom ARD-Morgenmagazin fast täglich begleitet. Hier konnten die Zuschauer in Deutschland das Rennen und die Begleitumstände live miterleben. Die Bildzeitung titelte mich mit: „Laufgigant“, die Nürnberger Nachrichten nannte mich den „Grenzüberschreiter“ und etliche Zeitungen berichteten von der Herausforderung des längsten Rennens seit Menschengedenken. Der Medienrummel war eine schöne neue Erfahrung für mich und eine enorme Steigerung des Bekanntheitsgrades für den Ultramarathonlauf in Europa.

Polen

In Polen wurde Dusan Mravlje, dem Sieger des Transamerikalaufes in 1995 und seiner  24jährigen Tochter Neza dem Klischee entsprechend in der ersten Nacht das Auto aufgebrochen. Viele Helfer und Läufer machten sich schon Sorgen, was uns in den nächsten Tagen noch alles zustoßen würde. Aber die Befürchtungen erfüllten sich nicht. Die Polen sind sehr interessiert gewesen, am Transeuroparennen und waren äußerst gastfreundlich.
Nahezu jeden Abend wurden wir vom ansässigen Bürgermeister empfangen und zum reichhaltigen, wohlschmeckenden Abendessen eingeladen. Begleitet wurde das jeweilige Festmahl immer von netten Volkstanzvorführungen oder Musikdarbietungen der Bevölkerung. Zum Frühstück gab es wie in allen Etappenorten meist reichlich Brot oder Brötchen, dazu Marmelade und Käse, manchmal Wurst und immer Kaffee zur Stärkung.
Wer allerdings recht spät zum Tresen kam, ging auch schon mal leer aus, da einige Mitreisende sich aus dem Frühstücksfundus auch für den Nachmittag Vorräte angelegt hatten.

Weißrussland

Die problematischsten Umstände hatten wir in Hinsicht auf Nahrung, Unterkunft und Hygiene im äußerst armen Weißrussland. Wir hatten abends zwar reichlich, aber qualitativ minderwertiges Essen zur Verfügung. Oft gab es keine Supermärkte vor Ort, so dass wir uns auch in der Nahrungsmenge beim Frühstück beschränken mussten. Abends gab es statt Nudeln, Obst und Gemüse nur Pommes und zähes, fettiges Fleisch.
Wir übernachteten in teilweise abbruchreifen Turnhallen und waren manchmal in Herbergen untergebracht, deren Mobiliar schon einige Generationen ohne Möbelpflege überstanden hatte. Es war hier sehr unhygienisch. Ich zog es vor möglichst nichts anzufassen und vermied es ferner die stark verschmutzen Toiletten zu benutzen. Selbst duschen war nur per Anreise in Waschhäuser möglich. Diese Anlagen waren sehr ungepflegt und das bräunliche Duschwasser stank meist nach Rost.

Russland

Russland ist in meinen Erinnerungen das Land der inneren Leere. Durch die vielen harten Lauftage bedingt, sehnten meine Kameraden und ich nur noch das Ziel in Moskau herbei. Es war nach so vielen Tagen nur schwer möglich, positive Gedanken beim Laufen zu fassen und das Gehirn mit Erlebnissen zu füllen. Das monotone Laufen auf dem Standstreifen der Autobahn forderte unser Gemüt aufs Ganze. Ferner war es hier wichtig, den Boden ständig konzentriert im Auge zu behalten, um nicht zu stolpern und so am Ende verletzt aus dem Rennen auszuscheiden.
Ständig waren riesige Schrauben und Nägel in den Asphalt gebohrt, die einige von uns und auch mich stürzen ließen. Ich trug Abschürfungen an den Innenflächen der Hände davon. Damit konnte ich leben. Manfred Leismann, der Ideengeber des Transeuropalaufes und Mitläufer musste am vorletzten Tag nach einem heftigen Sturz aufs Kinn noch im Krankenhaus genäht werden.
Trotzdem entwickelte sich eine leichte Freude, je näher wir dem Zieleinlauf kamen. Am Platz des Sieges in Moskau war es dann soweit. Die letzte Etappe war nur 9.6 Kilometer lang und wurde als Gruppenlauf ohne Zeitnahme absolviert. Schon hier wurden wir von Journalisten und Fernsehteams begleitet. Am Platz des Sieges wurde ich überwältigt von der Anwesenheit von Dutzenden Presseleuten und vielen Zuschauern. Dafür alleine hat es sich gelohnt, die Strapazen auf sich zu nehmen.    
Ich gewann das Transeuroparennen in 480 Stunden und 29 Minuten. Zweiter wurde Martin Wagen aus Basel mit gut 14 Stunden Rückstand. Ich betrachte jeden der 22 Finisher als einen Sieger. Jeder der Glücklichen, die am Kreml geehrt wurden hat Außergewöhnliches geleistet.
Als Anerkennung dafür erlebten wir in Moskau eine tolle Abschlussfeier, gesponsert von Bayer. Der mir überreichte Pokal war fast so groß wie ich.   
Wir zogen bei einem Glas Bier unser erstes Resümee und genossen die köstlichen Speisen.

Verpflegung und Umstände

Von Portugal bis Polen hatten wir einen landschaftlich sehenswerten Lauf mit guter Versorgung hinsichtlich Nahrung, Hygiene und Unterkunft. Ab Weißrussland bis Moskau mussten wir unsere Ansprüche auf ein Minimum reduzieren, um mental bestehen zu können.
Weißrussland ist aufgrund der politischen Machtverhältnisse wirtschaftlich betrachtet ein sehr armes Land. Es ist ein Regime, dass sein Volk ständig kontrolliert und keine optimale Grundversorgung der Bevölkerung ermöglicht. Wir hatten Mühe genügend Trinkwasser und Nahrung zu erstehen.
Aufgrund der mangelhaften hygienischen Situation hatten viele, auch ich mit starken Magen- und Darmproblemen zu kämpfen. Bei mir war das verunreinigte polnische Leitungswasser die Ursache. Nach jedem Lauf fülle ich meinen Flüssigkeitshaushalt in der Regel mit isotonischen Getränken auf, die ich mir mit Leitungswasser anmische. Dies wurde mir in Polen aufgrund der hohen Bakterienkonzentration im Wasser zum Verhängnis. Ich verlor Stunden und fiel für zwei Tage auf den zweiten Gesamtplatz zurück. Es war mir über weite Strecken nur möglich zu gehen und ich dachte hierbei schon mal daran aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Aber nur kurz! Denn nach einer optimalen Analyse der Krankheitsursache durch meinen Trainer, Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler), lies sich der „Fehler im System“ mittels Antibiotika schnell beheben. Außerdem hat man so viel an Zeit und Energie bis zu diesem Tag investiert, dass es sich lohnt diese Prüfung zu bestehen.
Mein schönstes Erlebnis war hier der Zusammenhalt und die Kameradschaft an den Tagen der Darmgrippe. Viele Laufkollegen waren bemüht , mir Tipps zum Gesundwerden zu geben und empfahlen mir geeignete Tabletten zur Genesung.

Sicherheit

Auch die Gefahr des Straßenverkehrs war teils unerträglich nahe zu spüren. Vor allem in Spanien brausten zahlreiche Lastwagen erschreckend knapp an uns vorbei, weil in den Serpentinen der Berge kein Standstreifen den Läufer schützte. Chaotisch auch das Fahrverhalten einiger Sportautofahrer in Belgien, wo mir einige Male nur ein Satz in den Seitengaben zum Überleben half. Hier war ständige Konzentration auf den Straßenverkehr von herausragender Wichtigkeit.

Partner und Voraussetzungen

Ich konnte diesen Lauf über 5056 KM in 480 Stunden gewinnen, da ich mich in vielen Parametern professionell vorbereitet habe:
Mein Freund, der Extremradfahrer Hubert Schwarz, ist ein erfahrener Mentaltrainer und vielbeachteter Buchautor. Er lehrte mich bei langen Läufen und Sitzungen in neurolinguistischem Programmieren, positiven Denken und Autosuggestion.
Mein Lauftraining erhöhte ich stetig auf bis zu 520 KM in der Woche mit Betreuung durch Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler). Hierbei achteten wir besonders auf den stetigen Wechsel von Be- und Entlastungsphasen, um dem Körper Zeit zum regenerieren zu geben und damit er sich an die neuen Niveaus adaptieren konnte.
Bei bis zu vier Trainingseinheiten pro Tag mit überwiegend langen, langsamen Dauerläufen und teilweise sehr schnellen Tempoläufen konnte ich meinen Körper an die bevorstehende Herausforderung gewöhnen.
Gelaufen bin ich überwiegend auf Asphalt, da der Transeuropalauf ebenfalls zu 99 % auf Asphalt gelaufen wurde. Zum Beispiel liefen wir in Weißrussland und Russland fast ausnahmslos auf dem Seitenstreifen der Autobahn.
Abgerundet wurde das Lauftraining mit Massagen, Physiotherapie und Ausgleichsgymnastik für Rücken und Bauch. Mein Körper sollte komplett trainiert sein, damit das Ziel, Moskau mit einem Lächeln zu erreichen, ein wenig wahrscheinlicher wurde. Bei 5000 Kilometern wird vor allem die Wirbelsäule enorm belastet. Deshalb ist der Muskelaufbau des Stützapparates von Bedeutung.
Mehrere Test- und Qualifikationsläufe, wie der 24-Stundenlauf in Fellbach-Schmiden und der Spreelauf über 420 Kilometer in 6 Tagen, den ich gewann, sollten mein Selbstvertrauen stärken und mich für die Teilnahme am Transeuropalauf qualifizieren.
Hier konnte ich erste Erfahrungen im Extrembereich sammeln und diese für den bevorstehenden Mammutlauf positiv einsetzen.
Zusätzlich kam eine Ernährungsumstellung auf vegetarische Kost hinzu mit. Diese Maßnahme bewirkte eine Gewichtsreduktion von 10 Kilogramm. Fett wurde so abgebaut und Muskelmasse aufgebaut Ich habe bis vor zwei Jahren ferner noch 30 Zigaretten geraucht und im Schnitt täglich 4 Bier konsumiert. Da ich unbedingt am Transeuropalauf teilnehmen wollte, war mir wichtig, gut vorbereitet zu sein. Ich strich Alkohol und Zigaretten aus meinem nun gesünderen und glücklicheren Leben. Um die nötige Zeit für Training und Planung zu haben, kündigte ich meinen Job als Augenoptikermeister und Filialleiter. Ein Jahr Berufspause investierte ich gerne für mein sportliches Lebensziel. Meine Rücklagen aus vergangenen Jahren finanzierten mir die Vorbereitungszeit und das nötige Material. Mein neugewonnener Sponsor, BÄR – Schuhe zum Wohlfühlen, unterstützte mich zusätzlich in der Etatverwirklichung beispielhaft und fertigte mir vor allem spezielle Laufschuhe mit optimaler Dämpfung und Haltbarkeit an. Besonderen Rückhalt gab mir meine Familie durch Frau Ursula und die Kinder Oliver, 4 Jahre und klein Franziska mit nun 5 Monaten.
Mir war natürlich bewusst, dass ich mich immer auf einem schmalen Pfad der Toleranzgrenze befand und wir planten viel Zeit für Gespräche ein. Gerade die intensive Kommunikation in der Vorwettkampfphase sorgte für ideales Verständnis der Bedürfnisse und Ziele beider Partner.
Ihnen allen gebührt mein unschätzbarer Dank für diese Rückenstärkung und Basis meines Erfolges.
Ohne ein funktionierendes Team wäre das Ankommen in Moskau sicherlich mit mehreren Fragezeichen verbunden gewesen. Das Team gab Planungssicherheit und Zuversicht.

Teilnehmer

Herausragend hier die Leistung von Mitläuferin Mariko Sakamoto aus Japan. Sie ist oft erst in den späten Abendstunden ins Ziel gekommen. Trotz der enorm kurzen täglichen Regenerationszeit ist es ihr gelungen, ihr Lebensziel, in Moskau zu finishen, zu erreichen.
Bemerkenswert war ihr unermüdlicher Wille, gepaart mit stets guter Laune und einem Lächeln auf den Lippen.
Faszinierend auch Bernard Grojean, der teilnehmende Rollstuhlfahrer, der täglich in Lebensgefahr dem Straßenverkehr trotzte und trotz Rückenbeschwerden die Räder am Laufen hielt. Beneidenswert auch die Einstellung vom Ultramarathon-Urgestein Stefan Schlett aus Großostheim bei Aschaffenburg. Der „freiberufliche Abenteurer“ suchte die Grenzerfahrung und wollte Europa erleben und genießen. Alle 1000 Kilometer trank er an der Strecke ein Glas Rotwein zur Feier des Tages. Im Ziel am Platz der Sieger duschte er unter einer Dreiliter-Champagnerflasche. Ferner erwähne ich gerne noch einen guten Bekannten und Mitkonkurrenten: Wolfgang Schwerk aus Solingen. Seines Zeichens Weltrekordhalter im 5000-KM-Nonstoplauf in 42 Tagen. Er ist gelernter Opernsänger und sang so manche Arie während unserer gemeinsamer Laufetappen zur Aufrechterhaltung des Gemütes.
Schade auch dass ein Mitfavourit, Andrej Gondas aus der Slowakei schon nach 10 Tagen mit einer schmerzenden Muskelzerrung aufgeben musste. Schön allerdings dass er uns als Betreuer und Helfer bis Moskau erhalten geblieben ist.

Warum habe ich mir so etwas angetan? – Motivation

Im normalen Leben bin ich seit über 10 Jahren Niederlassungsleiter in der Augenoptik-Branche. Hierbei ist Übersicht, hervorragendes analytisches Denken, Flexibilität, Ziel- und Teamorientierung und geistige Belastbarkeit gefordert. Hier gibt es starke Parallelen eines Transkontinentalläufers zu einer Führungskraft. Meine Erfahrung im Laufsport half mir schon viele Jahre, meine Stärken im Beruf zu fördern und meine Schwächen zu reduzieren.
Laufen ist ein wichtiger und fester Bestandteil meines Lebens.
Beim Laufen finde ich meine Ruhe und schöpfe die Kraft für den Tag.
Mit dem Transeuropalauf wollte ich meine physischen und psychischen Grenzen kennen lernen. Mich mit der Weltspitze als Debütant zu messen war mein Ziel. Und mit einem Lächeln laufend in Moskau ankommen war mein Traum. Es ist mir gelungen! Das Privileg zu besitzen, sich für so ein Ultra-Event qualifiziert zu haben allein war schon Motivation genug, diese Strapazen auf sich zu nehmen.
Meine Begeisterung für das Laufen war die Triebfeder. Die Leidenschaft zur Natur war mein Kraftspender und die Suche nach dem Extremen ist meine Erfüllung.
Die Kraft des Willens wollte ich bestätigen. Mein Motto: „Ich kann es , ich will es und ich schaffe es“ suchte nach Bestätigung
Ich wollte in diesem harten Rennen mein Potential entfalten, und durch diese unglaubliche Leistung  beweisen, dass man mittels innerer Stärke nahezu jedes Ziel erreichen kann. Denn: „Erfolg ist machbar!“ Jeder Mensch sollte Visionen haben. Das Leben ist viel zu kurz, um nichts daraus zu machen.
Wer durch Träume motiviert ist, wer diszipliniert ständig in Etappen daran arbeitet ein Ziel zu erreichen, der wird es schaffen!
Plane den Erfolg! Das Ziel muss im Kopf sein, denn der Horizont verheißt nur Unendlichkeit.
Mit der Kraft der Gedanken kann man nahezu alles schaffen und jedes Ziel erreichen.

Fazit und Pläne

Der Transeuropalauf war der längste und für mich persönlich der vielleicht härteste Wettlauf, der jemals auf diesem Globus stattfand. Nun werde ich es genießen, davon berichten zu dürfen und eine Weile im reduzierten Umfang zu laufen, damit mein Körper sich von den Strapazen ganz erholen kann. Ich habe ferner eine neue berufliche Herausforderung gefunden, auf die ich mich nun mit Freude vorbereite, um einen optimalen Einstieg zu finden.
Das Laufen betreffend, habe ich einen weiteren Traum in meinen Gedanken:
Ich würde gerne als erster Mensch um die Welt zu rennen. Ich stelle mir eine interessante Route von etwa 22 000 Kilometer Landweg vor, die ich in 220 Tagen erlaufen möchte.
Wann ich mir diesen Traum erfülle ist nicht so wichtig, aber dass ich ihn einmal verwirkliche, davon bin ich überzeugt.

Herzlichen Dank für ihr Interesse.

Mit freundlichen Grüßen,
Robert Wimmer

Robert Wimmer


(Langfassung)

Geschichte des Transkontinentallaufs

Die 1928 und 1929 ausgerichteten Bunion Derbies oder damals offiziell bekannt unter C. C. Pyle’s International Transkontinental Foot Races waren eine Vision des erfolgreichen Sportpromotors „Cash and Carry“ C. C. Pyle. Pyle wollte die Idee der Tour de France auf ein Transkontinentalrennen übertragen. Er war sich sicher, ein Vermögen damit zu verdienen und setzte eine Siegprämie von $ 25 000 aus. Auch wenn mit den ausgeschriebenen Preisgeldern sicher nicht nur die besten Läufer angelockt wurden, fand sich dennoch am 4. März 1928 ein internationales Feld von 199 Läufern am Start in Los Angeles ein. 84 Tage später beendeten 55 Läufer das Rennen am Madison Square in New York. Es gewann A. Payne mit einer Laufzeit von 573 Stunden vor J. Salo.
Unabhängig der Erkenntnis, dass Pyle bei dem Rennen 1928 circa $ 100000 verloren hatte, war er sich sicher, dass er mit seiner Erfahrung vom vergangenen Jahr ein Vermögen verdienen konnte. Dieses Mal verlief das Rennen in umgekehrter Richtung auf einer etwas anderen Route als 1928. Preisgeld wurde bis zum 15. Gesamtplatz ausgeschrieben.
Das Rennen startete am 31. März am Columbus Circle in New York. Viele Läufer hatten Erfahrungen vom Vorjahr über Rennstrategie, Laufgeschwindigkeit und der optimalen Versorgung gesammelt. Die Rate der Ausfälle war unter den unerfahrenen Läufern allerdings sehr hoch. Aus einem Starterfeld  von über 100 Läufern waren nach 5 Tagen noch 51, nach 10 Tagen 36 und nach der 21. Etappe noch 31 Teilnehmer übrig.
Das Rennen entwickelte sich zu einem Zweikampf zwischen dem Vorjahreszweiten, Johnny Salo, und Peter Gavuzzi. Erst auf der letzten Etappe gewann Salo, nach circa 5000 Kilometern mit 2 Minuten und 17 Sekunden Vorsprung.
Wäre C. C. Pyle nicht bankrott gegangen, hätte es Preisgeld für die ersten 15 Läufer im Gesamteinlauf gegeben.
Vielleicht als Ergebnis dieses Debakels gab es die nächsten 63 Jahre kein Rennen durch die USA mehr. Keiner wollte ein weiteres Transkontinentalrennen quer durch die USA organisieren. Dies hielt aber einige „Journey Runners“ nicht davon ab, den Kontinent zu durchlufen. Oft schafften dies zwei bis drei Läufer pro Jahr. Allerdings benötigten sie wesentlich mehr Tage für die Durchquerung. 1983 schrieb Tom McNab das Buch Flanagan’s Run basierend auf den Ereignissen von 1928/29. Dieses Buch belebte die Vision eines Transkontinentalrennens wieder.
In den achtziger Jahren war ein hochgesponsorter Lauf im Gespräch, fand aber letztlich nicht statt.
1985 liefen Malcolm Campell und Marvin Skagerberg das „Lou Gehrig Race for Life“. Dabei legten sie 5728 Kilometer in einem Schnitt von 66 Kilometern täglich bei sechs Ruhetagen zurück. Skagerberg gewann mit 16 Minuten Vorsprung.
Dann platzierte 1991 Micheal Kenney in der Zeitschrift „Ultrarunning“ eine Anzeige, um die Transkontinental-Idee wieder zum Leben zu erwecken. Jesse Riley antwortete ihm und zusammen wurde ein Kurs von Huntington Beach L.A. zum Central Park in New York geplant.
Mit einem Startgeld von $ 200 wurde eine Versorgung alle 3.5 Kilometer mit Wasser, Gatorade und Powerbar-Riegeln gewährleistet. Übernachtet wurde in einfachen Turnhallen oder auf Campingplätzen. In manchen Etappenorten wurden die Läufer durch freiwillige Helfer versorgt.
28 Teilnehmer waren guten Mutes, die 4722 Kilometer vom 20.06 bis 22.08.1992 mit einem Schnitt von 73.8 Kilometern am Tag zu bewältigen. 
Es gewann in 521 Stunden 35 Minuten der 35jährige David Warady aus der USA mit einem Vorsprung von 5 Stunden und 40 Minuten vor Milan Milanovich aus der Schweiz.
Trotz der schlechten Kritik aus dem Teilnehmerfeld bezüglich der Organisation und Verpflegung fand im folgenden Jahr 1993 ein weiteres von Jesse Riley und Michael Kenney veranstaltetes Transkontinentalrennen durch Amerika statt.
Es ging 1993 für nur dreizehn Starter ebenfalls von Huntington Beach in Californien bis New York. Gelaufen wurden 4686 Kilometer in 64 Tagen. Sieger wurde Ray Bell, 46 Jahre aus Florida vor Pat Farmer aus Australien mit fast sechszehn Stunden Vorsprung. Sechs hartgesottene Läufer erreichten das Ziel. Unter ihnen erstmalig eine Frau, Lorna Michael aus Wisconsin.
1994 wurde die Veranstaltung erneut für 14 Teilnehmer auf selber Strecke über 4707 Kilometer vom 18. Juni bis 20. August ausgetragen. Gewonnen hatte der Ungar, Istvan Sipos, in 517 Stunden mit sagenhaften 45 Stunden Vorsprung vor Dante Ciolfi.
Um die inzwischen etablierte Veranstaltung fortzuführen, fand auch 1995 ein  Rennen von Huntington Beach bis New York über 4676 Kilometer statt.
Es war die schnellste aller USA-Durchquerungen. Dusan Mravlje setzte sich souverän gegen den energischen Pat Farmer durch, der schließlich verletzungsbedingt auf den vierten Platz zurückfiel.
2001 fand erstmalig und vielleicht letztmalig ein Transkontinentalrennen durch Australien statt. Unter schwierigen organisatorischen Voraussetzungen wie Hitze bis zu 43 Grad Celsius, eingeschränkte Versorgungsmöglichkeiten in der Nullabor Plan und dem Tod des besten australischen Ultramarathonläufers, Brian Smith, ging es von Perth nach Canberra in 63 Tagen, wobei eine Gesamtdistanz von 4108 Kilometern zurückzulegen war. Dies entspricht einem Tagesschnitt von 67.8 Kilometern.
Im bisher schnellsten Transkontinentalrennen aller Zeiten gewann Anatoli Kruglikov aus Russland in 305 Stunden mit 18 Stunden Vorsprung vor Andrej Derxen, ebenfalls ein Russe.
Kruglikov erreichte einen sensationellen Stundenschnitt von 13.5 Kilometern. Sein Vorteil war seine individuelle Betreuung per Helfer und die Ausstattung mit Wohnmobil und Kühlschrank. Kurz nach dem Start verabschiedete er sich von Teilnehmerfeld und ward bis zum Ziel nicht mehr gesehen. Auch der Amerika-Durchquerer, Dusan Mravlje, aus Slowenien war mit von der Partie und wurde Dritter mit immerhin noch einem Schnitt von 11.3 KM/h. Schon damals wurde er von seiner Tochter Neza auf der Tour begleitet.
Im Jahre 1992 war es wieder mal soweit. Es wurde ein Rennen von Huntington Beach nach New York ausgerichtet. Die Beteiligung durch Spitzenläufer hielt sich allerdings in Grenzen. Es siegte daher souverän der junge Schweizer, Martin Wagen, aus Basel in einem gut organisierten Rennen vor einer Schar von sieben Japanern im Ziel. Zwei Frauen konnten hierbei das Rennen erfolgreich beenden.

Transeuropalauf

Am Ostersamstag, den 19.April starteten 37 Läufer und 7 Läuferinnen zum Transeurope-Footrace, dem ultimativen Ausdauertest von Lissabon nach Moskau. Die Teilnehmer waren aus aller Welt angereist. 14 Nationen darunter z.B. Läufer aus USA, Japan, Brasilien, Finnland, Frankreich, Italien, Schweiz, Slowenien und Deutschland waren vertreten.
Zu bewältigen waren in 64 Tagen ohne Ruhetag durchschnittlich knapp 80 KM täglich in einer Gesamtdistanz von 5036 KM. Das entsprach der Länge von 119 Marathonläufen, ohne große Regenerationspausen.
Die Strecke führte vom atlantischen Ozean in Portugal über Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Polen, Weißrussland bis Russland.
Vor 511 Jahren segelte Kolumbus in Lissabon los und entdeckte Amerika. Wir liefen zu Fuß nach Moskau, um Europa und uns selbst zu entdecken. Damals wie heute triumphieren Energie, der Wille und der Mut des Menschen.

Höhenprofil

Für ein interessantes Laufprofil sorgten unter anderem die Pyrenäen, Ardennen, Eifel und der Harz. Hier galt es im besonderen, mit den Kräften sparsam hauszuhalten, um nicht vorzeitig heimfahren zu müssen. Die Gefahr zu überziehen lag täglich auf dem Fuß.

Idee und Organisation

Wir alle haben Träume, aber die meisten lassen sich scheinbar nicht umsetzen. Der andere träumt von Erfolg im Beruf, der andere von einem Lottogewinn. Ein anderer stellt sich vor, etwas ganz besonderes zu werden oder eine hervorragende Tat zu leisten. Es gibt aber Visionen, die oft nur als Spinnerei abgetan werden. Trotzdem finde ich, es ist schön wenn man noch träumen kann und Visionen hat. Manfred Leismann aus Witzhelden hatte so eine Vision. Als „Transamerikaläufer“ stellte er sich vor, dass er auch einmal durch ganz Europa laufen könnte. Lange lag diese Vorstellung in einer Schublade seines Kopfes. Er wollte aber nicht, dass es nur eine Träumerei bleibt und öffnete diese schwer gängige Schublade seines Gehirns, in der sein Traum schlummerte. Er wollte seinen Traum nicht länger als Traum gespeichert wissen, sondern dieser Traum sollte mit Leben erfüllt werden. Er stellte sich aber auch die bange Frage, ob es gut gehen kann, einen Lauf durch Europa zu planen und durchzuführen. Er stand jetzt an der Schwelle, wo es hieß den schon im innern beschlossenen Schritt nach vorne zu gehen, nicht stehen zu bleiben und die Sache zu vergessen. Auf der Suche nach einem professionellen Partner fand Leismann Ingo Schulze aus Horb am Neckar, einem erfahrenen Organisator und Ultramarathonläufer, der auch die Höhen und Tiefen der nachvollziehen kann.  
Aufgrund der sieben unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Gesetze stellte dieses Vorhaben auch in Hinsicht der Organisation durch Ingo Schulze alles bisher da gewesene in den Schatten.
Gut zwei Jahre hat er für die Planung und Organisation gebraucht.
Ein Verein wurde gegründet, Visa-Bestimmungen mussten erkundet und Genehmigungen eingeholt werden. Unterkünfte wurden mühsam aufgetrieben und geordert. Hier galt es einen angenehmen Kontakt zu den Behörden vor Ort aufzubauen, was durch die vielen unterschiedlichen Sprachen ein schwieriges Unterfangen war. Ferner mussten auch die Betreuer- und Transportfahrzeuge  gemietet oder ausgeliehen werden. Die ganze Logistik galt es sorgfältig aufzubauen.
Zeitweise 60 Läufer und Betreuer wollten ernährt werden. Das ganze tonnenschwere Gepäck musste täglich zum Zielort transportiert werden. Außerdem benötigten wir Helfer mit Übersicht, welche die Strecke mit Pfeil-Aufklebern und Kreidepfeilen markierten.
Hier mein herzlicher Dank an Ingo Schulze und alle Betreuer für diese Wahnsinnsleistung!
Ingo Schulze aus Horb ist seit Jahren für die gute Organisation des Spreelaufes, einem Etappenlauf über 420 Kilometer bekannt und hat 1998 den Deutschlandlauf erfolgreich organisiert.
Es war schon ein unbarmherziges Unterfangen, so eine komplette Versorgung mit Vollpensionscharakter für 3000 EUR Startgeld pro Teilnehmer zu bieten. So hatte jeder sportlich qualifizierte Ultramarathonläufer aus der ganzen Welt die faire Chance, am längsten Straßenlauf aller Zeiten teilzunehmen.

Zu meiner Person

Ich bin 1965 geboren, Augenoptikermeister und war bis dato engagierter Freizeitläufer.
In jungen Jahren hatte ich mit Sport außer Fußballspielen nicht viel am Hut. Eines Tages forderte mich mein sportlicher Vater auf mich ein wenig laufend zu bewegen, da ich schon einen ansehnlichen Bauch bekommen habe. Ich und meine damalige Freundin fanden, dass er mit dieser Feststellung schon irgendwie recht hatte. Damals wog ich fast 90 Kilogramm.
Daher begann ich 1987 mit dem Laufen. Seither habe ich bereits etwa 90 Marathonläufe und 30 Ultramarathonläufe absolviert.  Meine Marathonbestzeit habe ich im Training bisher noch nicht ausgereizt. Ich lief mit 2 Stunden 39 Minuten in München meinen schnellsten Marathon.
Damals wog ich 10 Kilogramm mehr als heute.
Mein Körper hatte genug Zeit, sich an die langen Kanten zu gewöhnen. Speziell der Knochenbau konnte sich für solche Herausforderungen ausprägen und stabilisieren. Bis dahin lief ich ohne Trainingsplan und Ernährungsleitfaden. Nur so zum Spaß bin ich drauflosgerannt. Als ich dann vom stattfindenden Transeuropalauf hörte, begann ich meine Einstellung und Strategie zu ändern.
Ich trainierte unter Anleitung meines Trainers, Dr. Thomas Prochnow und wurde in Ernährungsfragen von Dr. Wolfgang Feil angeleitet. Nach und nach verbesserte ich meine Bestzeiten ab Marathon bis 100 Kilometer um einiges.
So wurde ich im Jahre 2002 Deutscher Meister im 100-KM-Bahnlauf in 7 Stunden 22 Minuten. Ich hatte das Rennen zu jeder Zeit kontrolliert, bin nur auf Platz gelaufen. Ich denke, mein Laufstil und meine Konstitution erlauben mir bei optimaler Vorbereitung noch eine bessere Zeit im Bereich von sieben Stunden. Bisher war dies allerdings der absolute Höhepunkt in meiner Karriere. Schon immer lief ich lieber lange und langsam, statt kurz und schnell.
Seit ich vom Transeuropalauf erfuhr, steigerte ich mein Training und testete meine Ausdauer bei einem 12- und 24-Stundenlauf. Auch an einem Etappenlauf über sechs Tage nahm ich erfolgreich teil. Dies war also meine spärliche Erfahrung im Multi-Day-Race. Aber mein tägliches umfangreiches Training lieferte mir ohnehin einiges an Wissen und Erfahrung für die große Herausforderung „Transkontinentallauf“.

Zielsetzung

Mein Ziel war es mit einem Lächeln in Moskau anzukommen und mich mit der Weltspitze messen zu dürfen. Ich hatte dabei schon im Auge, einen der drei ersten Siegerplätze zu belegen.

Training, Vorbereitung und Voraussetzungen

Zur Realisierung meines Zieles steigerte ich mein Training von circa 160 KM wöchentlich seit Anfang 2002 kontinuierlich, um meine Ausdauerwerte zu optimieren und meine Psyche an das Ganztagslaufen zu gewöhnen.
Meine Trainingshöhepunkte mit bis zu 125 Kilometer Laufen am Tag setzte ich im Winter. Hier war es besonders schwer, sich für z. B. eine 3.Tageseinheit am Abend zu motivieren, um die Trainingsvorgabe von bis zu 1800 KM im Monat zu erfüllen. Ich trotzte der Kälte durch optimale Funktionskleidung in mehreren Lagen. Die bildliche Suggestion des Zieleinlaufes in Moskau motivierte mich in anstrengenden Phasen des Lauftrainings.
Seit ich zudem gelesen habe, dass es hilfreich ist, sich Vorsätze bildhaft darzustellen oder sie mit Bildern zu kombinieren, hängt eine Europakarte bei mir an der Wand. Eine lange, blaue Linie läuft quer über die Karte von Lissabon nach Moskau. Seitdem weiß ich auch, wie weit nordöstlich Moskau liegt.
Ferner ist Disziplin oberstes Gebot, wenn man Erfolg im Sport haben möchte.  
Ich probierte verschiedene Trinksysteme und Gurttaschen aus und entschied mich letztendlich die Getränkeflasche in der Hand zu halten, um den Bauch nicht einzuengen und die umständliche Pflege eines Trinkrucksacks zu umgehen. Ferner nutzte ich bei meinen Asphalt-und Straßenläufen die gute Infrastruktur der Tankstellen als Getränkelieferant. Nur etwas umständlich war es, dass ich mich aufgrund der Einführung des Dosenpfandes jeweils zweimal in der Käuferschlange anstellen musste.
An manchen Tagen hatte ich geschäftliche Termine außerhalb Nürnbergs und daher keine Zeit zum Trainieren, Anfangs versuchte ich die verlorenen Kilometer davor oder am Tag danach reinzulaufen. Also war das Trainingspensum von zwei Tagen an einem zu erfüllen. Ich merkte sehr bald, dass hier mein Körper zu streiken drohte, da im Training die Entlastungsphasen genau so wichtig sind wie die Belastungsphasen und man eine gewisse Trainingsstruktur einhalten sollte, um optimal an die Beanspruchung adaptieren zu können. 
Auch wurde mir bewusst, dass es sinnvoller ist, an einem Tag dreimal 32 Kilometer zu laufen, als einmal 96 Kilometer. Die Pausen zwischen den Trainingseinheiten nutze ich durch aktive Entspannung mittels Erwärmungsbad, Physiotherapie und Massage.
Trotzdem erlitt ich in der Vorbereitungsphase mehrere kleine Verletzungen wie Patellasehnenspitzen-Syndrom, Knochenhautentzündung und Wadenmuskelverhärtung. Ich konnte so erste Erfahrungen sammeln, wie man mit Verletzungen umgeht und trotzdem langsam weiterlaufen kann.
Mein Freund Bernd Albrecht, Lehrer für autogenes Training gab mir noch ein paar Leitsätze
( ...ja, ich weiß, ich schaffe es!...) für den Weg nach Moskau mit, die ich mir auf ein Endlos-Cassetten-Band sprach und nahezu jede Nacht in leiser Lautstärke vielfach anhörte. Autosuggestion nennt man das wohl.
In der Vorbereitung erzog ich mir Bescheidenheit an, indem ich auch in den Wintermonaten öfters im Freien auf der Terrasse übernachtete. Selbst wenn es schneite blieb ich draußen. Ferner bestand meine Nahrung aus wenigen Grundnahrungsmitteln wie Vollkornbrot pur, Quark, Obst, Karotten und sonstiges Gemüse. Meine Hauptgetränke waren Apfelsaftschorle und die Ultra-Sports-Getränke-Serie. Der Nährwert der festen Nahrung war wichtig, Geschmack weniger. Ziel war es, meine Erwartung und Ansprüche runterzuschrauben, um gewappnet zu sein für die unterschiedlichen Gegebenheiten der zu durchquerenden Länder.
Außerdem sollte ich mir eine ärztliche Bescheinigung beschaffen, die mir bestätigt, dass mein Körper für voll belastbar befunden wurde. Nach einer ausgiebigen Untersuchung und Blutbildanalyse gab mir der renommierte „Gesundheitsarzt“ Dr. Michael Spitzbart (Buch: „Das Blut der Sieger“) grünes Licht für Lissabon.
Die Qualifikationsvoraussetzungen bestanden aus einem absolvierten 24-Stunden-Lauf und einem Etappenlauf. Das beim Transeuropalauf zu erreichende Mindesttempo war mit 6KM/h angegeben. Wer diese sogenannte „Cut-off-time“ überschritt, wurde aus der offiziellen Wertung genommen. Man durfte dann aber nach ein paar Tagen Pause, wenn man regeneriert war, wieder als nichtgewerteter Etappenläufer weiterlaufen. Oder man schloss sich dem Betreuerteam hilfreich an, falls man nicht abreiste. 

Philosophie

Viele Menschen interessieren sich nicht für Selbsterfahrung. Die Vorstellung, dass man Anstrengungen und Willenskraft aus reiner Lebensfreude auf sich nimmt, aus Lust die Welt und sich selbst zu erfahren, dieser Gedanke kommt ihnen nicht. Nein. Es muss immer praktische Arbeit sein, sofort anwendbar, sofort von Nutzen (nach Reinhold Messner, „Alleingang Nanga Parbat“, S. 128).
Der Transeuropalauf zwingt den Menschen wie jede andere Ausdauerleistung auch, etwa die Tour de France im Radsport, zum Nachdenken über sich selbst. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur Sinnfrage im speziellen: „Wozu dieser Lauf?“, als auch im allgemeinen: „Wozu lebe ich?“. Dabei stammt das Wort „Sinn“ ursprünglich vom Verb „sinnen“ ab, das „gehen“ oder „reisen“ bedeutete. Noch weiter zurück hat es seine Wurzel wohl in der Bedeutung „eine Richtung nehmen, eine Fährte suchen“. „Wo gehe ich hin? Immer nach Hause.“ beschreibt es Novalis.
Günter Böhnke, ebenfalls Teilnehmer, prägte sich immer und immer wieder ein: „Wir schaffen es: Körper, Seele, Geist – Moskau. Immer vorwärts, Schritt für Schritt möchte ich dieses einzigartige Abenteuer, diesen Lauf in mich aufnehmen, werde nicht aufgeben, habe Moskau vor Augen. Der Weg dahin wird die nächsten 64 Tage mein Lebensinhalt sein, voller Erfahrungen und Bereicherungen, so hoffe ich.“
Uli Schulte, Pastor, Betreuer und Etappenläufer gab uns noch einige gute Gedanken und Tipps mit auf den Weg:
Positiv Denken: Ich habe schon ein Drittel der Zeit rum. Die Schmerzen waren gestern schlimmer als heute.
Stückweise, wenn es sich ergibt, mit anderen Teilnehmern gemeinsam laufen. Etwas Unterhaltung lenkt ab und lässt die Zeit vergehen.
Sich auf Zwischenziele wie den nächsten Verpflegungsstand freuen. Den „Elefanten nicht auf einmal, sondern Stück für Stück verzehren“.
Einen Traum im Hinblick auf das Ziel träumen, zum Beispiel als Belohnung ein großes, kühles Bier. „Eine solche Vision hält mich zeitweise gut aufrecht“.
Die Gedanken auf eine Reise schicken. Mit irgendeinem Gegenstand gedanklich beschäftigt sein, während der Körper läuft.
Die Gedanken abschalten, innerlich still und ruhig werden. Eine Art Meditation.
Über ein Wort aus der Bibel nachdenken, meditieren. Eine positive Aussage, die mir Kraft gibt, innerlich bewegen.
Offen sein für Geräusche, Gerüche, Farben in der Schöpfung. Ein murmelnder Bach, Vogelgezwitscher, das Streicheln des Windes auf der Haut, die Wärme der Sonne, der Duft der Rapsfelder, die unterschiedlichen Grüntöne der Blätter.
Aus freundlichen Gesten von Menschen Kraft schöpfen, aus einem Zuwinken, einem aufmunternden Wort.

was ich erwartete

ein unvergessliches Erlebnis,
ein Abenteuer, eine Herausforderung,
mit Pionier beim ersten Transeuropalauf zu sein,
eine unvergleichliche Art, Europa und seine Menschen zu erleben,
Teil einer Laufgemeinschaft aus verschiedenen Laufnationen zu sein,
eine intensive Selbsterfahrung, die persönliches Wachstum beinhaltet,
ein Experiment mit ungewissem Ausgang,
der richtige Augenblick in meinem Leben.

Positives Denken in der Praxis beim Transeuropalauf

Die physiologische Vorbereitung war wohl sehr wichtig, allerdings nur ein Teil des Ganzen.
Gerade in psychischer Hinsicht galt es gut trainiert zu sein. Denn die Umstände anzunehmen wie sie sind, war unabdingbar. Stefan Schlett, ein erfahrener Transkontinentalläufer, meinte dazu: „Dies ist ein großes Abenteuer, ein Überlebenstrip. Jeden Tag ist mit vielerlei Herausforderungen umzugehen. Ärgern nützt nichts, kostet nur Energie, die zum laufen benötigt wird. Wenn jemand schnarcht, du kannst es nicht ändern. Wenn es dich stört, Ohrstöpsel rein. Fehlt Toilettenpapier, nimm, wenn genug vorhanden ist, genügend mit als Vorrat. Ist die einzige Toilette am Morgen nicht mehr benutzbar, gehe hinter das Haus. Wenn die Verpflegung nicht ausreichend ist, verschaffe dir unterwegs Zusatznahrung beim Bäcker.“

Ausrüstung

Meine Ausrüstung für den Transeuropalauf glich ich mit den Erfahrungen vergangener Laufjahre ab. So benötigte ich unter anderem 8 Paar Laufschuhe, 10 Sätze Laufbekleidung in kurz und halblang. 2 Sätze langer Bekleidung für kalte Tage. Zum nächtigen war mir eine hohe Luftmatratze und ein leichter Schlafsack angenehm. Zur Verletzungsprävention beschaffte ich mir Unmengen von Pflaster zum Schutz der Brustwarzen gegen Reibung. Ferner ist Fußbalsam und Vaseline unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung gegen Blasen an den Füßen, Hautabschürfungen an den Oberschenkelinnenseiten und unter den Achseln.
Um einer Knochenhautentzündung keine Chance zu geben, schnitt ich sogar meine neuen Laufsocken jeweils vorne am Bund 5 Zentimeter ein, damit kein Druck am Schienbein entstand, der sich über 5036 Kilometer summieren  und zur Entzündung entwickeln könnte.
Zur Fußpflege gehört ebenfalls eine Nagelschere und eine Nagelfeile, um täglich selbst kleine Blasen und Reibestellen vorzubeugen.
Laut Ausschreibung sollte das Gepäck aus höchstens 2 Taschen mit 25 Kilogramm Gesamtgewicht bestehen. Um optimal ausgerüstet zu sein, nahm ich gern in Kauf am Flughafen für die 37 Kilogramm schwere Ausrüstung auch ein wenig Übergepäckgebühr zu zahlen. Nach und nach wurden die Taschen ohnehin leichter, da ich die verschlissene Laufbekleidung vor Ort entsorgte. Um meine Sozialkontakte, insbesondere meine ich damit meine Frau, Ursula, hatte ich mir ein Mobiltelefon zugelegt. Durch das Telefonieren während der Tour entstanden mir Gebühren von je 300 EUR im Monat. Was tut man nicht alles für den Seelenfrieden.

Anreise und Aufenthalt in Lissabon

Am 15.April stieg ich spätabends um 23 Uhr mit meinem Vater, der ebenfalls am Transeuropalauf teilnahm, in den Zug nach Köln. Die Fahrt war sehr kurzweilig. Anfangs besprachen wir uns noch, bezüglich unseres Reisegepäcks. Wir haben die Dinge noch einmal abgeglichen, um nötiges eventuell in Lissabon noch nachzukaufen. Außer Sonnencreme fiel mir nichts ein, was mir noch fehlte. Am Flughafen trafen wir dann die umtriebige Brigitte Biermanski, die ich schon vom letztjährigen Spreelauf her kannte. Ich freute mich sehr, sie dabei zu haben, da sie sehr viel Wärme ausstrahlt und immer ein offenes Ohr für Fragen und Sorgen hat. Auch den Starter Jürgen Hitzler und seine Frau nahm unser Flieger mit. Jürgen Hitzler ist ein erfahrener Ultra-Triathlet und Extremläufer, der schon mal einen 10-fach-Triathlon finishte. Er ist ein sehr athletischer Sportler, dessen tolle Figur ich stets bewundere.
Gegen Mittag des 16. April trafen wir per Taxi in den verschiedenen Unterkünften ein. Im Foyer des Hotels, indem mein Vater mit mir nächtigte trafen wir unseren Kollegen Karl Graf aus Goch, einen ausgezeichneten 24-Stunden-Läufer, der einen Weltrekord auf dem Laufband aufgestellt hat. Er lief in 24 Stunden fantastische 240 KM am Stück. Ferner gesellte sich der 5000-KM-Weltrekordler Wolfgang Schwerk aus Solingen und der Transamerika- und Transaustralia-Finisher Helmut Schieke aus Herford dazu.
Gegen Nachmittag waren alle Läufer und Betreuer zur Pressekonferenz am Denkmal „Torre de Belem“ eingeladen. Ingo Schulze und Manfred Leismann führten professionell durch das Programm. Beide informierten die zahlreich vertretene in- und ausländische Presse über die Favouriten, den Streckenverlauf und die Entwicklung von der Idee bis zur Ausschreibung des Transeuropalaufes. Tags darauf zogen wir zur weiteren Übernachtung in das Carlos Lopez Pavillon in einem wunderschönen Park im Herzen Lissabons um. Das Gebäude war nach Portugals berühmten Sohn benannt, welcher 1932 die Goldmedaille im Marathon gewann.
Wir nutzen die verbleibende Zeit zum ausgiebigen Stadtbummel durch die engen bergigen Gassen der bildschönen Altstadt und bewunderten die vielen Prachtbauten der historischen Seefahrerstadt. Faszinierend an Lissabon ist die vielfältige Architektur, die das Gemisch der Kulturen wiederspiegelt; Die Gassen von Alfama sind maurisch geprägt, das Viertel Mouraria arabisch, die Rua de Judiaria gehörte zum ehemaligen jüdischen Viertel. Einkaufen konnte man am besten in der Rua Augusta. Auch eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn war ein exzellentes Erlebnis. Nach dem Abholen der obligatorischen Startunterlagen genossen wir die inländischen Spezialitäten eines gemütlichen Fischlokals in der Umgebung. Wir schlossen uns einer kleinen Läufergruppe zum Dinner an und hatten so die Möglichkeit, den erfahrenen Läufern zuzuhören und Tipps zu bekommen.
Da die Übernachtungshalle sehr groß war, hatten wir alle viel Platz, um unser Nachtlager auszubreiten. Folglich hatte ich eine geruhsame Nacht.
Den Abend vor dem Start nutze Ingo Schulze, der fleißige Veranstalter zur Begrüßung der Teilnehmer und Wettkampfbesprechung. Abschliessend gab es Würstchen mit Toastbrot zum offiziellen Abendessen. Mir wurde schnell klar, dass es aufgrund von unterschiedlichen Sprachen noch öfters zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Ingo Schulze und dem Lieferanten der Speisen kommen würde. Sportlergerechte Nahrung war das Ziel. Nach und nach besserte sich die Versorgung und wir bekamen meist Nudeln, Reis und Kartoffeln zum Abendessen, ergänzt durch verschiedene Salate. Vieles musste sich eben erst „einlaufen“ bei der Tour.

Das Rennen

Portugal

Jeder, der an der Startlinie stand, konnte sich bereits als Sieger fühlen. Die offizielle Startlinie war nicht der eigentliche Beginn des Transeuropalaufes. Er hatte bereits vor Monaten begonnen, als es galt, zu trainieren, sich auf diesen Lauf vorzubereiten. Bereits während dieser Zeit war ein hohes Maß an Disziplin, Geduld und Zielorientierung aufzubringen. Es galt den eigenen Willen zu schulen. Nun galt der Blick nur noch nach vorne, dem großen Abenteuer entgegen.
Der Startschuss zum längsten und vielleicht härtesten Wettrennen der Menschheitsgeschichte fiel am 19. April 2003 vor dem historischen Seefahrerdenkmal dem „Torre de Belem“ in der malerischen Hauptstadt Portugals namens Lissabon. Wir brachen unter großem Interesse der Medien zum längsten jemals veranstalteten Wettrennen zu Fuß auf. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne war uns wohlgesinnt.
Die 37 Läufer und 7 Läuferinnen liefen die ersten 8 Kilometer bis zum Hafen gemeinsam in der Gruppe ohne Zeitwertung. Nach der Überfahrt über den Fluss Tejo mit der Fähre begann die offizielle Zeitmessung. Die erste 51 Kilometer kurze Etappe lief ich größtenteils in Führung liegend als Erster mit drei Sekunden Vorsprung vor dem Slowaken, Ondrej Gondas ins Ziel. Bei großer Hitze war dieser Ehrgeiz am ersten Tag schön für die Galerie und gut für die Erinnerung, aber schlecht, wenn man sich bewusst wird, dass noch 63 harte Etappen folgen werden. 
Bei den weiteren Etappen starteten wir in 2 Gruppen. Die erste langsamere Gruppe startete um 6 Uhr und die Schnelleren um 7 Uhr morgens. Daher war meist um 4:45 Uhr wecken angesagt. Der frühe Start war vor allem in heißen Gefilden, wie Portugal, Spanien und Frankreich sehr angenehm, da wir in der Kühle des frühen Morgen loslaufen durften.
Ich benötigte einige Etappen, um meinen Körper und meinen Verstand an diese Herausforderung zu gewöhnen. Man neigt dazu, die ersten Tage zu schnell zu laufen und sich mit den anderen an der Spitze mittels Zielsprints zu messen.
Das Durchschnittstempo der Spitze während der ersten Etappen war entsprechend hoch und gefährlich geeignet, sich bald zu überfordern.
Diesen Lauf kann man allerdings nur finishen, wenn man seine Kräfte exakt einteilt und nur von Etappe zu Etappe denkt.
Dies wurde immer deutlicher, je länger das Rennen andauerte. Erst fiel der Brasilianer,
Carlos Alberto Machado wegen Zeitüberschreitung bedingt durch eine Zerrung bereits am dritten Tag aus, dann verließen Reino Uusitalo aus Finnland  nach der vierten Etappe die Kräfte und fast täglich fiel ein Läufer aus dem Rennen, weil er das Zeitlimit von 10 Minuten pro Kilometer überschritten hatte oder zu erschöpft zum Weiterlaufen war. Oder wie mein Vater seine Füße nicht eingeschmiert hat vor und nach dem Laufen, um die Haut geschmeidig zu halten. Bei ihm löste sich an der Fußsohle ein großes Hautstück vom Fleisch und so musste er das Rennen aufgrund der hohen Schmerzen beim Auftreten recht frühzeitig am 9. Tag beenden.
Auch ich wurde etappenweise sehr langsam und kam weit hinter dem Tagesschnellsten ins Ziel. Der Körper pendelte seine Leistung allmählich ein und der Verstand entwickelte sich zur Vernunft. Die Balance zwischen Körper und Geist prägte sich nun aus.
Der Tagesablauf wurde von fünf Worten bestimmte: Laufen, Essen, Trinken, Massage und schlafen.
Auch die psychische Belastung, die Nervosität und Angst vor der Größe der Aufgabe beruhigte sich. Nach und nach verbesserte sich auch die Stimmung untereinander. Hier stellte ich mir eine gewisse Pfadfinderromantik im Geiste vor, doch die Athleten und Betreuer waren aufgrund der starken Belastung viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als das ein angenehmes Gemeinschaftsgefühl entstehen konnte. Anfangs mussten wir uns alle erst an die Enge in den Übernachtungsstätten gewöhnen und mit dem einfach strukturierten Tagesablauf zurechtkommen. Die geänderte Nahrungsqualität, -menge und die vorgegebenen Essenszeiten waren für viele, auch für mich eine besondere Herausforderung.

Spanien

In Spanien erlebten wir die heißesten Tage mit bis zu 38 Grad Celsius im Schatten. Nur hatten wir auf den Straßen selten Schatten durch Bäume oder Häuser.
Der tägliche dichte Straßenverkehr war hier besonders gefährlich und lungenbelastend.
Ich war froh, wenn wir Sonntag hatten, da an diesem Tag keine Lastwagen fuhren und der Berufsverkehr ausblieb.
Besondere Strapazen durchlitten wir beim durchqueren der Pyrenäen, da die ohnehin müden Muskeln hier extrem durch die Höhenmeter in der Hitze beansprucht wurden. Nur dank der besonnenen Kräfteeinteilung gelang mir ein würdiges Ankommen im täglichen Etappenziel.
Allerdings gelang es mir durch ein gleichmäßig hohes Tempo ab der 11. Etappe die Gesamtführung zu übernehmen.
Apropos Etappenziel und –länge: Zwar wurden uns seitens der Offiziellen des Ankunftsortes schon lange im voraus die Unterkunftsorte genannt, allerdings änderte sich dieser Platz dann öfters kurzfristig, so dass wir manchmal erst kurz vor dem angenommenen Ziel erfuhren, dass wir noch einige Kilometer zusätzlich zu laufen hatten. Dieser Umstand war weniger erfreulich, da man sich auf die vorher genannte Distanz eingestellt hatte. Hier war wieder einmal psychische Stärke gefordert.  

Das Dilemma oder die Abwärtsspirale der Langsamen

Einige Läufer konnten nur knapp unterhalb des Zeitlimits von 6KM/h laufen. Dies bedeutete bei einer Etappe von 100 Kilometern am Tag, dass sie über 16 Stunden auf der Strecke waren.
Bei einem Start um 6 Uhr morgens kamen sie erst gegen 22 Uhr ins Ziel. Nun mussten sie noch ihr Lager herrichten, duschen, essen und ihre Wunden versorgen. Oft war es in der Halle bereits dunkel, sprich die Nachtruhe musste eingehalten werden. Glücklich waren nur die, die einen Betreuer dabei hatten, der das Lager schon vorbereitet hatte und bei der Ankunft Essen für den Läufer bereit hielt. Kaum waren die Augen zugefallen, war wecken um 4:30 Uhr angesagt. Mit den Belastungen des Vortags ging es an den Start um 6 Uhr. Die Abwärtsspirale mangels Regeneration begann. Der Ausweg aus dem Dilemma? Schneller laufen, das Risiko von Überforderung und Verletzung eingehen? Es war ein Grenzgang, der individuell entschieden wurde.  

Frankreich

In Frankreich begann die Schlechtwetterphase. Wir hatten morgens die ersten Stunden beinahe täglich Nebel und Regen. Dies forderte die Funktionalität unserer Bekleidung stark heraus. Der Bewegungsapparat benötigte bei diesen niedrigen Temperaturen meist zwei bis drei Stunden, bis er geschmeidig funktionierte. Aber selbst Hagelschauer hielten mich nicht davon ab, das Abenteuer Transeurope-Footrace zu genießen.
Auf den waldigen Landstraßen Frankreichs lief es so schön, dass man manchmal Zeit und Raum vergessen konnte. Schade nur, dass man durch die Unkonzentriertheit der Gefahr des Verlaufens ausgesetzt ist. Vierzig Minuten verlor ich, als ich aus der Erinnerung des Streckenplanes Richtung Paris, statt nach Versailles gelaufen bin. Gut dass mir die fehlenden Pfeile und das Ausbleiben des Verpflegungsstandes aufgefallen sind. So bemerkte ich meinen Fehler und lief bis zur richtigen Abzweigung zurück, um den Anschluss wieder zu finden.
Das Essen war, wie man es in Frankreich kennt und immer wieder hört ein Festmahl. Das Angebot war reichlich und vielfältig. Wir hatten für diesen Abschnitt der Tour relativ hohe Esskultur aufgrund des Vorbildes der Franzosen und ließen uns dementsprechend beim Abendessen mehr Zeit als sonst. Wer mochte, wurde allabendlich mit köstlichem Rotwein versorgt. 
Besonders habe ich mich über die Begeisterung einer älteren Dame gefreut. Sie kam wohl gerade mit dem Fahrrad vom Einkaufen. Als sie Martin Wagen und mich laufen sah hielt sie spontan an, klatschte uns Beifall und feuerte uns energisch an. Solche Erlebnisse sind die Anstrengungen des Tages wert.
Solche menschlichen Erlebnisse auf der Tour halfen mir immer wieder über die zweimonatige Trennung von der Familie hinweg.

Belgien

Die Ardennen hatten gelb aufgelegt. Ginster, Butterblumen und später Löwenzahn leuchteten im Sonnenschein und viele Bäche am Wegesrand plätscherten gemächlich dahin.
Es war ein ruhiger, fast gemütlicher Streckenabschnitt, aufgelockert durch die Anstiege der Ardennenausläufer.
Leider verlief ich mich in Belgien zum zweiten Mal. Ich bekam nach zwei Stunden am rechten Oberschenkel eine Muskelverhärtung, die ich mit Massagen und einer Schmerzsalbe, die ich im Vorbeilaufen in einer ortsansässigen Apotheke erstand, kurierte. Aufgrund der Freude über die schnelle Heilung übersah ich einen orangefarben unterlegten schwarzen Richtungspfeil nach rechts und lief im Tal nach Frankreich zurück, statt den Weg Richtung Deutschland zu nehmen. Auch hier verlor ich etwa vierzig Minuten. Gerade eine kleine Unachtsamkeit, wo es in Rechten Winkel abging und schon war es passiert. Aber trotzdem war ich immer Optimist und guter Dinge. Schließlich hatte ich so vier Stunden Vorsprung auf den Gesamtzweiten, Martin Wagen, aus der Schweiz..
Die Umgebung betrachtend fiel mir besonders die Bauweise der Häuser und das verwendete Ziegelsteinmaterial in Belgien auf. Die Dörfer haben dadurch etwas gemütliches. Über den Straßenverkehr und das unmögliche Fahrverhalten der Belgier werde ich später noch berichten.
In Belgien blieb mir der zweite Abend in Erinnerung, wo uns das Unternehmen Bayer zum Dinieren in ein kleines, feines Restaurant einlud und auch die Getränkekosten übernahm. Ich saß in einer netten kleinen internationalen Runde mit Hans-Jürgen Schlotter aus Deutschland, Andrej Gondas aus der Slowakei und Carlos Alberto Machado aus Brasilien. Endlich einmal hatten wir auch andere spannende Themen außer dem Laufen diskutiert. Hans-Jürgen hatte als Landschaftsgärtner viel zu erzählen, Carlos ist Pilot von Passagier-Flugzeugen und Andrej hilft bei der Obsternte in Südtirol.

Deutschland

Das Teilnehmerfeld hat sich aufgrund der härte der Anforderung durch Verletzung, Erschöpfung und psychischer Leere zwischenzeitlich auf 23 verbliebene Teilnehmer dezimiert.
In Deutschland hatte ich und der Gesamtzweite, Martin Wagen aus der Schweiz, einen Nichtangriffspakt geschlossen. Wir einigten uns darauf, die deutschen Etappen zusammen zu laufen. Ziel war es, die Kräfte zu schonen, weil so Positionskämpfe ausblieben und der Gegenwind jeweils nur einem ins Gesicht blies. So konnten wir den Abstand zu den Verfolgern fast täglich um eine halbe Stunde ausbauen, um uns in Polen dann zu zweit einen definitiven Show-Down liefern zu können. In diesen Tagen der „Zweisamkeit“ lernte ich den Menschen Martin Wagen von seiner netten Seite kennen. Das gleichmäßige Tempo ermöglichte uns lange Gespräche und wir erzählten uns lustige Anekdoten.
Auf der Etappe nach Dahlewitz unterhielten wir uns so gut, dass wir versehentlich Richtung Autobahn liefen und somit weitere vierzig Minuten Umweg verschenkten.
Das Feld daher von ganz hinten aufrollend, besannen wir uns auf unsere innere Stärke und kamen im Ziel noch knapp hinter dem Tagessieger Wolfgang Schwerk über die Ziellinie.
Gerade um Berlin standen immer wieder begeisterte Zuschauer am Straßenrand, die klatschten oder uns fotografierten.
Apropos fotografieren: Immer wieder fuhren TV-Sendewagen neben uns her und im Ziel interviewten mich Journalisten. Ferner wurden wir vom ARD-Morgenmagazin fast täglich begleitet. Hier konnten die Zuschauer in Deutschland das Rennen und die Begleitumstände live miterleben. Die Bildzeitung titelte mich mit: „Laufgigant“, die Nürnberger Nachrichten nannte mich den „Grenzüberschreiter“ und etliche Zeitungen berichteten von der Herausforderung des längsten Rennens seit Menschengedenken. Der Medienrummel war eine schöne neue Erfahrung für mich und eine enorme Steigerung des Bekanntheitsgrades für den Ultramarathonlauf in Europa.

Polen

In Polen wurde Dusan Mravlje, dem Sieger des Transamerikalaufes in 1995 und seiner  24jährigen Tochter Neza dem Klischee entsprechend in der ersten Nacht das Auto aufgebrochen. Viele Helfer und Läufer machten sich schon Sorgen, was uns in den nächsten Tagen noch alles zustoßen würde. Aber die Befürchtungen erfüllten sich nicht. Die Polen sind sehr interessiert gewesen, am Transeuroparennen und waren äußerst gastfreundlich.
Nahezu jeden Abend wurden wir vom ansässigen Bürgermeister empfangen und zum reichhaltigen, wohlschmeckenden Abendessen eingeladen. Begleitet wurde das jeweilige Festmahl immer von netten Volkstanzvorführungen oder Musikdarbietungen der Bevölkerung. Zum Frühstück gab es wie in allen Etappenorten meist reichlich Brot oder Brötchen, dazu Marmelade und Käse, manchmal Wurst und immer Kaffee zur Stärkung.
Wer allerdings recht spät zum Tresen kam, ging auch schon mal leer aus, da einige Mitreisende sich aus dem Frühstücksfundus auch für den Nachmittag Vorräte angelegt hatten.

Weißrussland

Schon bei der Einreise bekamen wir einen Vorgeschmack, was uns in Weißrussland, dem afrikanischen Europa“ erwarten sollte. Das Rennen wurde in Polen 21 Kilometer vor der Grenze gestartet und die Zeit am Schlagbaum gestoppt. Dort mussten wir drei Stunden bei kaltem Regenwetter ausharren, bis alle Papiere gesichtet und abgestempelt waren. Relativ unmotiviert ging es dann auf den zweiten zeitgestoppten Teil ins Landesinnere von Belarus. Die langsamsten Teilnehmer kamen so erst gegen Mitternacht erschöpft ins Ziel.
Die problematischsten Umstände hatten wir in Hinsicht auf Nahrung, Unterkunft und Hygiene im äußerst armen Weißrussland. Wir hatten abends zwar reichlich, aber qualitativ minderwertiges Essen zur Verfügung. Oft gab es keine Supermärkte vor beim Stopp in den ärmlichen Dörfern, so dass wir uns auch in der Nahrungsmenge beim Frühstück beschränken mussten. Abends gab es statt Nudeln, Obst und Gemüse nur Pommes und zähes, fettiges Fleisch.
Wir übernachteten in teilweise abbruchreifen Turnhallen und waren manchmal in Herbergen untergebracht, deren Mobiliar schon einige Generationen ohne Möbelpflege überstanden hatte. Es war hier sehr unhygienisch. Ich zog es vor möglichst nichts anzufassen und vermied es ferner die stark verschmutzen Toiletten zu benutzen. Selbst duschen war nur per Anreise in Waschhäuser möglich. Diese Anlagen waren sehr ungepflegt und das bräunliche Duschwasser stank meist nach Rost. Das Wasser war natürlich immer kalt, aber diente daher als angenehme Erfrischung nach dem Tageslauf. Die Streckenabschnitte wurden auf Polizeiweisungen hin mehrfach spontan geändert und die dadurch verlängerten Distanzen mussten bei bis zu 39 Grad im Schatten bewältigt werden. Der jeweils Führende, sowie der Letzte im Feld hatten zur Sicherung Polizeischutz. Wer letzter im Läuferfeld war, hatte allerdings öfter damit zu kämpfen, sich gegen die Aufforderungen der Polizisten, doch endlich aufzugeben und einzusteigen, zu wehren. Offenbar wurde es den Wachtmeistern bei diesem Tempo zu langweilig und es fiel ihnen schwer auch diese Ausdauerleistung zu respektieren. Belästigt und gestört wurden wir auch häufig durch unzählige angriffslustige Mega-Fliegen entlang der Autobahnstrecke. Sie umkreisten einen zahllos wie wild und vermittelten mir den Eindruck mich stechen zu wollen. Nicht zuletzt durch ein bienenähnliches Aussehen begründet. Hier galt es wieder einmal die Nerven zu behalten und sich auf den löchrigen Asphalt zu konzentrieren um Stürze zu vermeiden.

Russland

Russland ist in meinen Erinnerungen das Land der inneren Leere. Selbst meinen Geburtstag mochte ich nicht gebührend feiern durch Müdigkeit bedingt. Aufgrund der vielen harten Lauftage , sehnten ich und meine Kameraden nur noch das Ziel in Moskau herbei. Es war nach so vielen Tagen nur schwer möglich, positive Gedanken beim Laufen zu fassen und das Gehirn mit Erlebnissen zu füllen. Es war an der Zeit, diesen Lauf zu beenden, nach Hause zu gehen. Der Punkt war gekommen, wo es genug war, genug an Höhen und Tiefen, konzentrierter Anstrengung, Geduld und Beharrlichkeit, Nebel, Sonne und Regen, Landschaften und Verkehr, genug von Gedanken und Ruhen im Augenblick, genug, um eine lange Zeit davon zu zehren.
Allerdings forderte immer noch das monotone Laufen auf dem Standstreifen der Autobahn unser Gemüt aufs Ganze. Ferner war es hier wichtig, den Boden ständig konzentriert im Auge zu behalten, um nicht zu stolpern und so am Ende verletzt aus dem Rennen auszuscheiden.
Ständig waren riesige Schrauben und Nägel in den Asphalt gebohrt, die einige von uns und auch mich stürzen ließen. Ich trug Abschürfungen an den Innenflächen der Hände davon. Damit konnte ich leben. Manfred Leismann, der Ideengeber des Transeuropalaufes und Mitläufer musste am vorletzten Tag nach einem heftigen Sturz aufs Kinn noch im Krankenhaus genäht werden.
Trotzdem entwickelte sich eine leichte Freude, je näher wir dem Zieleinlauf kamen. Jeder der letzten Kilometer wurde mit einem Lächeln auf meinem Mund wahrgenommen und genossen. Am Platz des Sieges in Moskau war es dann um 15.15 Uhr am 21. Juni soweit. Die letzte Etappe war nur 9.6 Kilometer lang und wurde als Gruppenlauf ohne Zeitnahme absolviert. Schon hier wurden wir von einigen Journalisten und Fernsehteams begleitet. Am Platz des Sieges am Kutusowski-Prospekt im Westen der russischen Hauptstadt wurde ich überwältigt von der Anwesenheit von Dutzenden Presseleuten und vielen Zuschauern. Dafür alleine hat es sich gelohnt, die Strapazen auf sich zu nehmen.   
Abschließend fuhren wir mit dem Bus auf den Roten Platz zur vorläufigen Siegerehrung
Es war schon ein gigantisches Gefühl, am Roten Platz in Moskau zu stehen und als Gesamtsieger des längsten Rennens der Menschheitsgeschichte geehrt zu werden.
Der Sieg über sich selbst und das Gefühl, etwas großartiges geleistet zu haben,
war schon ,überwältigend.
Ich gewann das Transeuroparennen in 480 Stunden und 29 Minuten. Zweiter wurde Martin Wagen aus Basel mit gut 14 Stunden Rückstand. Ich betrachte jeden der 22 Finisher als einen Sieger. Jeder der Glücklichen, die am Kreml geehrt wurden hat außergewöhnliches geleistet.
Als Anerkennung dafür erlebten wir in Moskau eine tolle Abschlussfeier, gesponsert von Bayer. Der mir überreichte Pokal war fast so groß wie ich.  
Wir zogen beim Glas Bier unser erstes Resümee und genossen die köstlichen Speisen.
Ich war glücklich, aber innerlich leer. Schwer zu beschreiben, wie abgestumpft, als ob ich mich im Inneren verlaufen hätte, an einem Ort angelangt bin, an dem ich nicht hingehöre, zu dem ich nicht wollte. Krank scheine ich nicht zu sein, frage bei den anderen nach, stoße auf Ähnliches.

Verpflegung und Umstände

Auf der Laufstrecke waren alle 10 bis 12 Kilometer Versorgungsstände eingerichtet, die auch als Kontrollstellen dienten. Sie waren oft reichlich bestückt mit Lebkuchen, Milchbrötchen, Plätzchen, Müsliriegel, Erdnüssen, Schokolade, meist Bananen und Apfelstücken. Selbst Sonderwünsche wie Ravioli vom Grill konnten ab und zu erfüllt werden. Zu trinken gab es Wasser, Eistee, Limo oder Cola zur Auswahl. Isotonische Getränke hatten wir wider erwarten aufgrund einer unglücklichen Planung leider nicht zur Verfügung. Da galt es nach dem Lauf die Mineralstoffverluste mittels selbstbeschaffter Brausetabletten wieder aufzufüllen. Der tägliche Kalorienbedarf wurde auf circa 9000 Kalorien ermittelt. Obwohl ich mich teilweise zum Essen gezwungen habe, ist mein Körper in den ersten drei Wochen zusätzlich fünf Kilogramm leichter geworden. Ab da hat sich dann das Gewicht stabilisiert.
Von Portugal bis Polen hatten wir einen landschaftlich sehenswerten Lauf mit guter Versorgung hinsichtlich Nahrung, Hygiene und Unterkunft.
Nur die Übernachtungsmöglichkeiten wie Sport- und Mehrzweckhallen, Kindergärten und Kasernen hatten ab und zu sehr wenig Platz für das Nachtlager aller Teilnehmer und Betreuer. Daraus resultierte eine teilweise negative Spannung unter den Anwesenden und durch die zu lüftenden Laufsachen eine manchmal unerträglich stickige und der Nase wenig schmeichelnd Luft. Manche Läufer waren so lange auf der Strecke, dass ihnen schlicht die Zeit fehlte, ihre Sachen unter der Dusche zu waschen oder die Sachen nicht rechtzeitig getrocknet wären.
Ferner lies man uns aufgrund von Fußballturnieren oder Veranstaltungen erst gegen Abend in die Halle zum Ausruhen, was der Regeneration nicht unbedingt zuträglich war.
Jeder hatte eine Luftmatratze oder Isomatte zum Schlafen dabei und dazu einen Schlafsack.
Das Aufstellen einer Liege war in keinem Fall erlaubt. Dafür hatten wir einerseits zu wenig Gepäckraum und andererseits wäre der Hallenboden beschädigt worden.
Schlafen konnte ich in aller Regel sehr gut, da ich meist sehr müde war. Die Verwendung von Augenklappe und Ohropax waren allerdings Voraussetzung. Die sanitären Einrichtungen und die Duschen waren allerdings im Zustand und in der Sauberkeit sehr unterschiedlich von Ort zu Ort. Manchmal gab es leider nur zwei Toiletten für 60 Personen. Allerdings wussten wir ja vorher, das wir uns auf ein Abenteuer eingelassen hatten und dies keine Neckermann-Reise werden würde.
Aber es kam später noch wesentlich schlimmer:
Ab Weißrussland bis Moskau mussten wir unsere Ansprüche auf ein Minimum reduzieren, um mental bestehen zu können.
Weißrussland ist aufgrund der politischen Machtverhältnisse wirtschaftlich betrachtet ein sehr armes Land. Es ist ein Regime, dass sein Volk ständig kontrolliert und keine optimale Grundversorgung der Bevölkerung ermöglicht. Die Übernachtungsmöglichkeiten waren extrem schmutzig und eher reif zum Abbruch als zum Wohlfühlen. Ferner hatten wir Mühe genügend Trinkwasser und Nahrung zu erstehen.
Nach mehr als anderthalb Monaten Extrembelastung war bei vielen das Immunsystem angegriffen und anfällig für Infektionen. Aufgrund der mangelhaften hygienischen Situation hatten viele, auch ich mit starken Magen- und Darmproblemen zu kämpfen. Bei mir war wahrscheinlich das verunreinigte polnische Leitungswasser die Ursache. Nach jedem Lauf fülle ich meinen Flüssigkeitshaushalt in der Regel mit isotonischen Getränken auf, die ich mir mit Leitungswasser anmische. Dies wurde mir in Polen aufgrund der hohen Bakterienkonzentration im Wasser zum Verhängnis. Ich verlor Stunden und fiel für zwei Tage auf den zweiten Gesamtplatz zurück. Es war mir über weite Strecken nur möglich zu gehen und ich dachte hierbei schon mal daran aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Aber nur kurz! Denn nach einer optimalen Analyse der Krankheitsursache durch meinen Trainer, Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler), lies sich der „Fehler im System“ mittels Antibiotika schnell beheben. Außerdem hat man so viel an Zeit und Energie bis zu diesem Tag investiert, dass es sich lohnt diese Prüfung zu bestehen.
Mein schönstes Erlebnis war hier der Zusammenhalt und die Kameradschaft an den Tagen der Darmgrippe. Viele Laufkollegen waren bemüht, mir Tipps zum Gesundwerden zu geben und empfahlen mir geeignete Tabletten zur Genesung.
Vor Verletzungen bin ich weitestgehend verschont geblieben. Mal hatte ich eine leichte Bänderdehnung in Spanien durch das stetige schräg laufen am Rande der Straße, mal schmerzten die Achillessehnen ein paar Tage. Selbst zwei Muskelverhärtungen an den Oberschenkeln schätzte ich nicht als schwerwiegend ein, sondern reduzierte das Tempo und lief vorsichtig weiter. Das zeigte mir, dass man ständig in seinen Körper reinhören sollte, aber dass durchaus während des Laufens eine Verletzung wieder abheilen kann, wenn man sachte auftritt. Nachts beim Schlafen war zeitweise das „Dröhnen“ in meinen Knochen zu spüren. und die Beinmuskeln zitterten ab und zu. In diesem Fall stand ich von meiner Luftmatratze auf und ging ein wenig in der Halle herum, um mich dann wieder entspannt zum Schlafen zu legen. 
Hauptprobleme der meisten Läufer waren Knochenhautentzündungen, „Shin splint“ genannt, und Blasen. Shin splint ist sehr schmerzhaft und betrifft die Sehne an der Vorderseite des Schienbeins, etwa eine handbreit über dem Knöchel. Sie zieht den Fuß bei jedem Schritt nach oben zieht. Ursachen sind in der Regel zu schnelle erste Etappen, unvernünftig hohes Tempo, insbesondere bei Problemen und bergab, ungenügende Vorbereitung oder einfach nur Pech. Zur Vorbeugung hilft gezieltes Dehnen, Kraftübungen mit dem Fuß und das Auflegen von Eis. Manche Läufer klagten auch über extreme Blasenbildung an den Füßen. Manche hatten total offene Fußwunden. Die komplette Fußsohle hatte sich abgelöst. An laufen ist dann nicht mehr zu denken. Die Rezepte gegen Blasen sind den erfahrenen Ultr-Läufern allerdings meistens bekannt gewesen.
Nicht zu unterschätzen war die Mittagssonne, die mir die Haut an den Ohren und der Unterlippe verbrannte. Ohnehin schmierte ich mich auch früher nicht so gerne mit Sonnenschutzcreme ein, aber hier tat ich es nach diesen Erfahrungen gerne.
Rund die Hälfte der Läufer hatten persönliche Betreuer, die Schwester oder die Ehefrau während der Tour dabei und genossen daher zusätzlichen Service. Sei es, dass die Schlafstätte in Form der aufgeblasenen Luftmatratze schon Mittag gerichtet war oder die Glücklichen im Ziel schon einen Teller köstlicher Spaghetti gereicht bekamen. Selbst für den eigenen Massageservice war gesorgt. Vor allem um die Psyche war es für diese Teilnehmer aufgrund der vorhandenen sozialen Kontakte besser bestellt, als bei den Läufern, deren Liebste und Kinder zu Hause warteten. Aufgrund der höheren Kosten war mein Ziel, es als unbetreuter Selbstversorger bis nach Moskau zu schaffen.

Medizinische Versorgung

Die Veranstalter waren bestrebt, eine ordnungsgemäße Sanitätsversorgung zu gewährleisten. Dies war regional nicht immer möglich. Aber ein Arzt konnte im Bedarfsfall in den Etappenzielen immer hinzugezogen werden. Dies war etwa vier Mal der Fall. Der Veranstalter verfügte über eine Sanitätsausstattung für die Erste-Hilfe-Versorgung. Salben, Kühlpacks und Bandagen musste jeder Teilnehmer selbst mitführen.

Massagen

Der für die Veranstaltung vorgesehene Masseur musste aus Gesundheitsgründen leider kurzfristig absagen. Ersatz war nur für etwa 16 Tage in Deutschland und Polen vorgesehen. Sporadisch hatten wir in Russland Zugriff auf eine Massage eines Masseurs vor Ort gegen Bezahlung. So war es an jedem selbst, sich zu massieren, so gut es ging. Einige Teilnehmer waren aber auch in der glücklichen Lage von ihrem persönlichen Betreuer täglich massiert zu werden, um die Muskeln zu entspannen.

Soziales Gefüge

Die sozialen Kontakte waren beschränkt auf ein Minimum. Jeder war zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Später wurde mir bewusst, dass ein Gemeinschaftsgefühl unter den Läufern nicht zustande kommen konnte. Die Stimmung war von Egoismus, insbesondere beim Abendessen, Desinteresse für den Anderen, Geringschätzung, sogar Missgunst und Neid durchsetzt. Keiner konnte bei dieser extremen Belastung über viel Wochen seine soziale Maske aufbehalten. Man offenbarte sich, lernte sich und die anderen Läufer kennen wie sonst nie möglich. Die Frage ist, ob diese vorausgesetzte Gemeinschaft der Läufer nicht einer Wunschvorstellung, einer sozialen Konvention entsprang oder sich vielmehr Urinstinkte ihr Bahn brachen , die in früheren Zeiten unserem Überleben dienten. Zumindest war bei diesem Lauf eine Zweckgemeinschaft wie bei einer Seilschaft am Berg nicht zwingend notwendig, bzw. wurde auf einer kleineren Ebene gebildet. Diese Erkenntnis war wertvoll genug. Dies zum Sinn einer Ausdauerleistung und deren Nutzen.

Sicherheit, Streckenmarkierung und Zeitmessung

Auch die Gefahr des Straßenverkehrs war teils unerträglich nahe zu spüren. Vor allem in Spanien brausten zahlreiche Lastwagen erschreckend knapp an uns vorbei, weil in den Serpentinen der Berge kein Standstreifen den Läufer schützte. Chaotisch auch das Fahrverhalten einiger Sportautofahrer in Belgien, wo mir einige Male nur ein Satz in den Seitengaben zum Überleben half. Hier war ständige Konzentration auf den Straßenverkehr von herausragender Wichtigkeit.
Die Strecke war durchgängig mit kleinen Pfeil-Aufklebern markiert. Der Pfeil war schwarz, der Untergrund orange und circa 6 Zentimeter lang. Zusätzlich waren Abzweigungen mit Kreidepfeilen auf dem Asphalt gekennzeichnet.
An jedem Etappenziel wurde von Sebastian Seyrich die Zeit gestoppt und registriert. Aus der Tageslaufzeit ergab sich die Tagesplazierung der Läufer. Diese Zeiten jedes einzelnen Athleten wurden addiert und ergaben eine Zeitsumme, die über die aktuelle Gesamtwertung Aufschluss gab.

Gastfreundschaft

Um erfolgreich zu reisen, sollte man gelernt haben, die Europa-Tour von der richtigen Warte aus zu sehen.
Die meisten der Teilnehmer und Helfer wohnen in mittleren und größeren Städten mit guter Infrastruktur und hohem Zivilisationsgrad. Sie haben ein Land wie Weißrussland noch nie erlebt und sind vielleicht etwas überwältigt gewesen von den zahlreichen Eindrücken, die sie sahen, fühlten oder erlebten. Wir waren immer und überall willkommen bei unserem Lauf durch Europa. Alle Bewohner haben sich jederzeit viel Mühe gegeben uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Es war wichtig ihnen dass durch Dankbarkeit und Anerkennung zu zeigen. Dieser Lauf sollte die Sportler Europas ein wenig mehr vereinen und für Verständigung sorgen. Es ist erforderlich, dass jeder Reisende erkennt, dass er ein Gast in jedem Land ist, welches er bereist und sich dementsprechend benimmt. Man sollte nicht immer und alles kritisieren, was einem nicht behagt. Jedes Land hat eine eigene Kultur und Lebensweise und macht das Beste aus seinen Bedingungen. Viele Menschen, denen wir auf unserer Reise begegneten, haben oft sehr viel weniger an materiellen Dingen als wir, sind aber manchmal durchaus glücklicher. Glück kommt von Innen und hat mit äußeren Umständen nichts zu tun. Auf jeden Fall ist es unsere Aufgabe als Gast, nicht gleich alles zu bemängeln, sondern es für uns zu behalten und Anerkennung für das Geleistete mit einem dankbaren Lächeln zu zeigen. So wird die Reise von allen Beteiligten in angenehmer Erinnerung behalten und man wird an Erfahrung reicher.

Partner und Voraussetzungen

Ich konnte diesen Lauf über 5056 KM in 480 Stunden gewinnen, da ich mich in vielen Parametern professionell vorbereitet habe:
Mein Freund, der Extremradfahrer Hubert Schwarz, ist ein erfahrener Mentaltrainer und vielbeachteter Buchautor. Er lehrte mich bei langen Läufen und Sitzungen in neurolinguistischem Programmieren, positiven Denken und Autosuggestion.
Mein Lauftraining erhöhte ich stetig auf bis zu 520 KM in der Woche mit Betreuung durch Dr. Thomas Prochnow (Sportwissenschaftler). Hierbei achteten wir besonders auf den stetigen Wechsel von Be- und Entlastungsphasen, um dem Körper Zeit zum regenerieren zu geben und damit er sich an die neuen Niveaus adaptieren konnte.
Bei bis zu vier Trainingseinheiten pro Tag mit überwiegend langen, langsamen Dauerläufen und teilweise sehr schnellen Tempoläufen konnte ich meinen Körper an die bevorstehende Herausforderung gewöhnen.
Gelaufen bin ich überwiegend auf Asphalt, da der Transeuropalauf ebenfalls zu 99 % auf Asphalt gelaufen wurde. Zum Beispiel liefen wir in Weißrussland und Russland fast ausnahmslos auf dem Seitenstreifen der Autobahn.
Abgerundet wurde das Lauftraining mit Massagen, Physiotherapie und Ausgleichsgymnastik für Rücken und Bauch. Mein Körper sollte komplett trainiert sein, damit das Ziel, Moskau mit einem Lächeln zu erreichen, ein wenig wahrscheinlicher wurde. Bei 5000 Kilometern wird vor allem die Wirbelsäule enorm belastet. Deshalb ist der Muskelaufbau des Stützapparates von Bedeutung.
Mehrere Test- und Qualifikationsläufe, wie der 24-Stundenlauf in Fellbach-Schmiden und der Spreelauf über 420 Kilometer in 6 Tagen, den ich gewann, sollten mein Selbstvertrauen stärken und mich für die Teilnahme am Transeuropalauf qualifizieren.
Hier konnte ich erste Erfahrungen im Extrembereich sammeln und diese für den bevorstehenden Mammutlauf positiv einsetzen.
Zusätzlich kam eine Ernährungsumstellung auf vegetarische Kost hinzu mit. Diese Maßnahme bewirkte eine Gewichtsreduktion von 10 Kilogramm. Fett wurde so abgebaut und Muskelmasse aufgebaut Ich habe bis vor zwei Jahren ferner noch 30 Zigaretten geraucht und im Schnitt täglich 4 Bier konsumiert. Da ich unbedingt am Transeuropalauf teilnehmen wollte, war mir wichtig, gut vorbereitet zu sein. Ich strich Alkohol und Zigaretten aus meinem nun gesünderen und glücklicheren Leben. Um die nötige Zeit für Training und Planung zu haben, kündigte ich meinen Job als Augenoptikermeister und Filialleiter. Ein Jahr Berufspause investierte ich gerne für mein sportliches Lebensziel. Meine Rücklagen aus vergangenen Jahren finanzierten mir die Vorbereitungszeit und das nötige Material. Mein neugewonnener Sponsor, BÄR – Schuhe zum Wohlfühlen, unterstützte mich zusätzlich in der Etatverwirklichung beispielhaft und fertigte mir vor allem spezielle Laufschuhe mit optimaler Dämpfung und Haltbarkeit an. Besonderen Rückhalt gab mir meine Familie durch Frau Ursula und die Kinder Oliver, 4 Jahre und klein Franziska mit nun 5 Monaten.
Mir war natürlich bewusst, dass ich mich immer auf einem schmalen Pfad der Toleranzgrenze befand und wir planten viel Zeit für Gespräche ein. Gerade die intensive Kommunikation in der Vorwettkampfphase sorgte für ideales Verständnis der Bedürfnisse und Ziele beider Partner.
Ihnen allen gebührt mein unschätzbarer Dank für diese Rückenstärkung und Basis meines Erfolges.
Ohne ein funktionierendes Team wäre das Ankommen in Moskau sicherlich mit mehreren Fragezeichen verbunden gewesen. Das Team gab Planungssicherheit und Zuversicht.

Teilnehmer

Herausragend hier die Leistung von Mitläuferin Mariko Sakamoto aus Japan. Sie ist oft erst in den späten Abendstunden ins Ziel gekommen. Trotz der enorm kurzen täglichen Regenerationszeit ist es ihr gelungen, ihr Lebensziel, in Moskau zu finishen, zu erreichen.
Bemerkenswert war ihr unermüdlicher Wille, gepaart mit stets guter Laune und einem Lächeln auf den Lippen.
Faszinierend auch Bernard Grojean, der teilnehmende Rollstuhlfahrer, der täglich in Lebensgefahr dem Straßenverkehr trotzte und trotz Rückenbeschwerden die Räder am Laufen hielt. Beneidenswert auch die Einstellung vom Ultramarathon-Urgestein Stefan Schlett aus Großostheim bei Aschaffenburg. Der „freiberufliche Abenteurer“ suchte die Grenzerfahrung und wollte Europa erleben und genießen. Alle 1000 Kilometer trank er an der Strecke ein Glas Rotwein zur Feier des Tages. Im Ziel am Platz der Sieger duschte er unter einer Dreiliter-Champagnerflasche. Ferner erwähne ich gerne noch einen guten Bekannten und Mitkonkurrenten: Wolfgang Schwerk aus Solingen. Seines Zeichens Weltrekordhalter im 5000-KM-Nonstoplauf in 42 Tagen. Er ist gelernter Opernsänger und sang so manche Arie während unserer gemeinsamer Laufetappen zur Aufrechterhaltung des Gemütes.
Schade auch dass ein Mitfavourit, Ondrej Gondas aus der Slowakei, schon nach 10 Tagen mit einer schmerzenden Muskelzerrung aufgeben musste. Schön allerdings dass er uns als Betreuer und Helfer bis Moskau erhalten geblieben ist. Als ein weiterer Mitfavourit galt Dusan Mravlje, der schon den Transamerikalauf 1995 gewann und 2001 in Australien Dritter wurde. Er sagte, dass nur der kompletteste Läufer gewinnen würde. Das nahm ich mir sehr zu Herzen.

Anerkennung und Auszeichnung

Lohn meines Sieges waren nicht die Geld- oder Sachpreise. Nein, das war mir von Anfang an klar. Ich tat es für mich selbst und für die gewonnene Lebenserfahrung. Bei der Siegerehrung wurde mir vom Hauptsponsor ein großer Pokal aus Makrolon überreicht, der eine Eins stilisiert. Jeder Finisher und Helfer bekam von Ingo Schulze eine schöne Erinnerungsmedaille überreicht. Zuhause angekommen zeigte sich mein Sponsor, die Firma Bär sehr erkenntlich und spendierte meiner Familie und mir am Anschluss an die Tour einen zweiwöchigen Urlaub auf Korfu. In den ersten Wochen nach dem Rennen bekam ich Glückwünsche aus aller Welt, vom Bürgermeister, Verwandten, meinen Nachbarn und sogar vom Präsidenten der Deutschen Ultramarathonvereinigung.

Medienresonanz

Bisher führte der Ultramarathon in Deutschland ein Schattendasein. Kaum ein Laie weiß, was dieser Begriff bedeutet, ab wie viel Kilometer ein Ultramarathon beginnt oder welche Philosophie dahinter steckt.
Im Laufe des Transeuroparennens steigerte sich das Interesse von Zeitungsjournalisten, Rundfunksendern und TV-Stationen in bemerkenswerter Weise.
Seit Portugal waren die Erstplazierten im Ziel meist zum Interview der örtlichen Presse, der Radiostationen und des Landesfernsehens gebeten worden. Nach und nach lernte ich den Umgang mit den Medien. Spaß machte mir diese Aufgabe von Anfang an. Nachfolgend ein paar Auszüge der Deutschen Presse: Die „Rheinische Post“ schrieb: „ Eine Stunde später liefen die Sportler am Triumphbogen des Siegesparks durch das Zielband. Sie sahen weder die sprudelnden Fontönen des Brunnens noch die sich küssenden Hochzeitspärchen oder die anwesenden Soldaten in Paradeuniform. Sie stehen nur da und lächeln – abgemagert, erschöpft und unendlich glücklich.“ Die „Nürnberger Nachrichten“ beschäftigten sich natürlich mit dem Gesamtsieger, Robert Wimmer, aus Nürnberg: „Der Ausdauerathlet Robert Wimmer war sichtlich zufrieden: „Mein Ziel war es, als einer der Ersten anzukommen und mit einem Lächeln in Moskau einzulaufen. Beides ist mir gelingen“. Die „Kölnische Rundschau“ berichtete: „Nur Putin stoppte die Extremläufer. Nach 5000 gelaufenen Kilometern mussten die Extremsportler eine Zwangspause einlegen, um den Auto-Konvoi mit Wladimir Putin passieren zu lassen.“ Die „Bildzeitung“ schrieb: „Nürnberger Laufgigant vor den Toren Moskaus“ und „In den Armen die Familie und Amerika im Kopf“. Die „Süddeutsche Zeitung“ beschäftigte sich unter anderem mit der Vorbereitung des Siegers: „Wimmer hat sich ein Jahr lang mit 500 Trainingskilometern pro Woche vorbereitet. Er hatte sogar seine Arbeit als Geschäftsführer eines Unternehmens aufgegeben.“.
Auch im Fernsehen fand der Lauf große Resonanz. Fast 20 Millionen Zuschauer waren beim ARD-Morgenmagazin dabei, das den Lauf auf nahezu der gesamten Strecke begleitet hatte. In neun Wochen wurde dort über die Extremläufer informiert.
Das Finale des Transeuropalaufes in Moskau haben am Samstagabend fast sieben Millionen Zuschauer in den Nachrichten-Sendungen von ARD und ZDF gesehen. Während bei den „Tagesthemen“ 3.51 Millionen Menschen zusahen, waren es bei „Heute“ im ZDF 3.45 Millionen.
Nach der Ankunft in Nürnberg, gab ich meine erste Pressekonferenz unter Mithilfe vom Hubert-Schwarz-Zentrum in Roth vor vielen Journalisten.
Ich wurde zu Talkshows in RTL, ZDF, NDR und MDR eingeladen und war selbst in einer Spielshow „Sag’ die Wahrheit“ im SWR und MDR vertreten.

Warum habe ich mir so etwas angetan? – Motivation

Warum habe ich meinen schönen Beruf für ein Jahr aufgegeben?
Im normalen Leben bin ich seit über 10 Jahren Niederlassungsleiter in der Augenoptik-Branche. Hierbei ist Übersicht, hervorragendes analytisches Denken, Flexibilität, Ziel- und Teamorientierung und geistige Belastbarkeit gefordert. Hier gibt es starke Parallelen eines Transkontinentalläufers zu einer Führungskraft. Meine Erfahrung im Laufsport half mir schon viele Jahre, meine Stärken im Beruf zu fördern und meine Schwächen zu reduzieren.
Laufen ist ein wichtiger und fester Bestandteil meines Lebens.
Beim Laufen finde ich meine Ruhe und schöpfe die Kraft für den Tag.
Mit dem Transeuropalauf wollte ich meine physischen und psychischen Grenzen kennen lernen. Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, die man sich im zivilisierten Alltag kaum vorstellen kann. Aber genau diese schweren Phasen des Tals zu überstehen war meine mir selbst gestellte Aufgabe. Ich malte mir im Gedanken schöne Bilder, z.B. wie ich im Garten mit meinem Sohn, Oliver, Fußball spielte.
Der Lauf war für mich keine Quälerei, kein Selbstmissbrauch, keine Vergewaltigung des Körpers. Es war für mich eine konzentrierte Anstrengung gepaart mit viel Durchhaltevermögen, das mit tiefer Befriedigung verbunden ist, es geschafft zu haben. Daheim auf der Couch liegend, den Fernseher eingeschaltet, den Wein in Griffweite, verspüre ich diese Zufriedenheit nicht.
Mich mit der Weltspitze als Debütant zu messen war mein Ziel. Und mit einem Lächeln laufend in Moskau ankommen war mein Traum. Es ist mir gelungen! Das Privileg zu besitzen, sich für so ein Ultra-Event qualifiziert zu haben allein war schon Motivation genug, diese Strapazen auf sich zu nehmen.
Meine Begeisterung für das Laufen war die Triebfeder. Die Leidenschaft zur Natur war mein Kraftspender und die Suche nach dem Extremen ist meine Erfüllung.
Die Kraft des Willens wollte ich bestätigen. Mein Motto: „Ich kann es , ich will es und ich schaffe es“ suchte nach Bestätigung
Ich wollte in diesem harten Rennen mein Potential entfalten, und durch diese unglaubliche Leistung  beweisen, dass man mittels innerer Stärke nahezu jedes Ziel erreichen kann. Denn: „Erfolg ist machbar!“ Jeder Mensch sollte Visionen haben. Das Leben ist viel zu kurz, um nichts daraus zu machen.
Wer durch Träume motiviert ist, wer diszipliniert ständig in Etappen daran arbeitet ein Ziel zu erreichen, der wird es schaffen!
Plane den Erfolg! Das Ziel muss im Kopf sein, denn der Horizont verheißt nur Unendlichkeit.
Mit der Kraft der Gedanken kann man nahezu alles schaffen und jedes Ziel erreichen.

Fazit und Pläne

Der Transeuropalauf war der längste und für mich persönlich der vielleicht härteste Wettlauf, der jemals auf diesem Globus stattfand. Wir sind in Moskau angekommen. 22 von 44 Läufern haben ihr Ziel am Platz des Sieges erreicht. Ingo Schulze hat somit sein Ziel klar erreicht. Mit 50 % Ausfallquote muss man bei einem Transeuropalauf rechnen.
Der Transeuropalauf 2003 war ein Erfolg, ein einzigartiges, wunderbares Erlebnis. Mit etwas Abstand schrumpfen all die Mängel, Querelen, Enttäuschungen und Auseinandersetzungen. Letztendlich sind sie Teil von uns, prägen sie auch unser Alltagsleben. Aber das Gefühl, an etwas Großem teilgehabt, eine außerordentliche Leistung vollbracht zu haben, ist nicht nur von Dauer, sondern hat uns geprägt, Spuren hinterlassen. Mit diesem Lauf haben wir uns auf eine Reise eingelassen, die uns alle einen Riesensatz nach vorne gebracht hat.
Wir haben unterwegs so viele schöne Momente erlebt, Stadtfeste in Deutschland, polnische Feiern und Begrüßungschöre in Weißrussland. Es wird noch lange dauern, bis alle Eindrücke verarbeitet sind.

Was war positiv:
  • die vielen treuen Helfer, die Großes geleistet haben. Ob nun beim Gepäcktransport, unterwegs an den Verpflegungsstellen oder anderswo. Manche sind über sich selbst hinausgewachsen und haben den Läufern geholfen, wo sie nur konnten. Oft versorgten sie uns auch selbstlos aus privaten Beständen. Herzlichen Dank euch allen!
  • die Unterkünfte: Diese waren meist in gutem Zustand. Wir hatten immer ein Dach über dem Kopf. Zelten mussten wir nie.
  • die Verpflegung unterwegs: War für mich mit Ausnahmen einiger Posten gut bis sehr gut und überwiegend läufergerecht. Vermisst habe ich nur ein gut gemischtes isotonisches Getränk. Hier musste ich alternativ auf Eistee und Limonade zurückgreifen.
  • das Abendessen: es war meist sehr nahrhaft und wohlschmeckend. Sogar im Osten wurden uns häufig leckere Speisen aufgetischt. Nur die Mengen waren teilweise zu gering bemessen, um alle hungrigen Läufer satt zu kriegen.
  • Die Streckenmarkierung war meist gut und übersichtlich. Die beiden Streckenmarkierer, Brigitte und Joachim Barthelmann haben hier mit höchstem Einsatz vorbildlich gearbeitet.

Nun werde ich es genießen, davon berichten zu dürfen und meine Bilder davon anzusehen.
Was das Training anbetrifft, bin ich die ersten vier Wochen nach dem Lauf alle zwei Tage nur so acht Kilometer locker gelaufen, um ruhig und vollständig regenerieren zu können.
Nach dieser Zeit verspürte ich allerdings schon wieder richtige Lust am Laufen von längeren Strecken bis 50 Kilometer. Dies war auch sehr von Nöten da ich mangels Bewegung und aufgrund stark fett- und zuckerhaltiger Nahrung in großen Mengen nahezu 10 Kilogramm zugenommen hatte. Nach acht Wochen kam schon wieder fast die alte Spritzigkeit in meine Beine. Wettkämpfe hatte ich in dieser Zeit keine absolviert, um mich nicht doch noch zu verletzen. Ich habe mich allerdings an mehreren Staffeln zum Spaß beteiligt, ohne Hetzte und Zwang.
Ich habe ferner eine neue berufliche Herausforderung gefunden, auf die ich mich nun mit Freude vorbereite, um einen optimalen Einstieg zu finden. Laufen ist schön, aber ebenso gerne bin ich mit Leib und Seele Augenoptiker, Berater und Ausbilder.
Das Laufen betreffend, habe ich einen weiteren Traum in meinen Gedanken:
Ich würde gerne als erster Mensch um die Welt zu rennen. Ich stelle mir eine interessante Route von etwa 22 000 Kilometer Landweg vor, die ich in 220 Tagen erlaufen möchte.
Diese Welt-Tour beschreite ich allerdings nur im Einklang mit meiner Tätigkeit als Augenoptiker. Ich bin gerne Augenoptiker und werde das Vorhaben in jedem Fall von meiner Arbeit abhängig machen.
Wann ich mir diesen Traum erfülle ist mir also nicht so wichtig,  in 2 oder 25 Jahren. Aber dass ich ihn einmal verwirkliche, davon bin ich überzeugt.

Ich möchte mich abschließend bei allen bedanken, die unseren Lauf während der zwei Monate in den Medien mit Interesse begleitet haben. Mein besonderer Dank gilt Ingo Schulze, der durch seinen Mut und seine Aufopferung für uns großes geleistet hat. Bitte Freiwillige Organisatoren vor! Am besten veranstaltetet in Zukunft viel öfter Transkontinentalläufe, dann haben sich wahrscheinlich schon viele am liebsten gestern zur Teilnahme angemeldet.
Lieber handeln, als zusehen was kommt. Ich wünsche Allen weiterhin und ab sofort viel Spaß beim Laufen.

Herzlichen Dank für ihr Interesse.

Mit freundlichen Grüßen,
Robert Wimmer

Von Lissabon nach Moskau, 5046 km in 64 Tagen

Stefan Schlett

Stefan wartet auf die Weserfähre Ich hatte einmal einen Traum. Eine Kontinentaldurchquerung, die vernünftig und intelligent, mit einem gesunden Menschenverstand organisiert ist. Ein Tagespensum von 67-72 km (da können sich die Körperstrukturen noch einigermaßen über Nacht erholen), vernünftiges Essen und Unterkünfte, korrekte Streckenvermessung und gegebenenfalls auch mal einen Ruhetag (gibt es ja bei der Tour de France auch). Aus all den schlechten Erfahrungen bei vorhergehenden Veranstaltungen hätte man beim Trans Europa Lauf, dem 9. Transkontinentalrennen in der Geschichte der Menschheit, lernen können. Es hätte zu einem Festival der Ultra-Elite werden können.

Die Realität ist leider viel brutaler. Ingo Schulze und Manfred Leismann –beide zusammengenommen schon eine "hochexplosive Mischung"- hatten keinen Traum, sondern einen Wahn: Die Strapazen einer Kontinentaldurchquerung zu Fuß, auf dem am dicht besiedelsten Kontinent, mit den meist befahrenen und gefährlichsten Straßen der Welt, war ihnen noch nicht genug. Nein, es mußte –maßgeschneidert für die Rekordgeile Presse- der "Längste, Schwerste und Härteste Lauf der Welt" sein, mit dem höchsten Tagespensum (durchschnittlich 80 km/Tag) das bei solch einem Ereignis jemals gelaufen worden ist. Und natürlich nonstop, ohne Ruhetag, sonst wäre das ja etwas für Weicheier, eine Veranstaltung die jede Hausfrau mit der Aldi-Tüte unterm Arm hätte machen können. Die Argumentation "Nach dem Vorbild von Amerika (= 300 km kürzer, Anm. des Autors) und Australien (= 700 km kürzer, Anm. des Autors) soll der Lauf 64 Tage dauern" war derart schwachsinnig, daß dies alleine schon Grund genug gewesen wäre, dieser Veranstaltung fern zu bleiben. Dazu kam noch, daß Leismann als Organisator, der für Streckenplanung und –vermessung, sowie für die Beschaffung der Unterkünfte verantwortlich zeichnete, selbst mitlaufen wollte, was berechtigte Zweifel an der Seriosität des Unternehmens aufkommen lies.

Natürlich kann ein erfahrener Ultraläufer über Wochen hinweg 80 km täglich laufen, auch 100 km sind kein Problem und Wolfgang Schwerk aus Solingen, einer der Topfavoriten beim Trans Europa Lauf, hat beim 3100-Meilen-Rennen in New York bewiesen, daß man auch 42 Tage lang einen Schnitt von 117 km laufen kann. Aber dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Bei einem gut organisierten Multi-Day-Rennen, auf vermessenem Rundkurs in einem Park oder Stadion, und durchdachter Logistik stellt dies kein Problem dar. Aber bei einem Transkontinentalrennen mit täglichem Straßenkampf (schlechte Straßen, Massenverkehr, rücksichtslose Fahrer, Hundeattacken, Orientierungsschwierigkeiten, Horrorwetter und Logistikproblemen) und chaotischer Organisation ist das eine unnötige Vergewaltigung des Körpers. Zumal, wenn man unter derart assozialen Bedingungen hausen muß, wie das bei solchen Veranstaltungen nun mal üblich ist. Da Leismann selbst schon durch Amerika gelaufen ist und Schulze zwei mal durch Deutschland, hätte man von ihnen als erfahrene Ultraläufer ein gewisses Einfühlungsvermögen erwarten dürfen. Allein rechnerisch ergibt sich bei einem geforderten Zeitlimit von 6 km/h bei 80 km/Tag eine völlig unzumutbare durchschnittliche Tagesbelastung von über 13 Stunden für Läufer und Betreuer – und das 64 Tage lang! Ein auf 72 Tage ausgerichtetes Rennen hätte eine um 10 km geringere Laufbelastung pro Tag bedeutet und somit 100% mehr Spaß für alle Beteiligten. So jedoch wurde es zu einer Irrfahrt in den Grenzbereich des Wahnsinns.

Da ich bereits die Premieren des Trans-Amerika-Laufes (1992) und des Trans-Australia-Footrace (2001), die damit verbundenen Desaster und die Stümpereien der Organisatoren überlebt hatte, entschied ich mich letztendlich doch für eine Teilnahme. Ich tröstete mich mit der Tatsache, daß wir Läufer uns "nur" 2 Monate quälen müssen, die Organisatoren aber für den Mist den sie produzieren viel länger leiden und jahrelang Schulden tilgen müssen, wie in Amerika und Australien geschehen. Die meisten der 48 Angemeldeten hatten allerdings nicht die geringste Ahnung, auf was und vor allem wen sie sich da einließen.

Alleine die nackten Zahlen des Trans Europa Laufes waren schon schwindelerregend: Vom 19.04.-21.06.03 sollten 5046 km von Lissabon nach Moskau in 64 Tagesetappen gelaufen werden. Ein Lauf durch 8 Länder, 4 Zeitzonen, 47 Längen- und 18 Breitengrade. Für ein bescheidenes Startgeld von Euro 45.- pro Tag sollte Frühstück, Wettkampfverpflegung, Abendessen, Gepäcktransport und ein Dach über dem Kopf gewährt werden. 36 Männer, 7 Frauen und ein Rollstuhlfahrer aus 12 Nationen, Durchschnittsalter 48,5 Jahre, fanden sich Ostersamstag am Torre de Belem am Rio Tejo in Lissabon ein. Von hier aus starteten in früheren Zeiten die großen Seefahrer zu ihren historischen Entdeckungsreisen. Gewiss ein würdiger Platz für den Start eines Transkontinentallaufes, der wie eine Reise zu einem anderen Stern ist und eine Expedition in die tiefsten Abgründe des Bewußtseins darstellt. Hitler und Napoleon kamen nicht nach Moskau, denn sie hatten kriegerische Motive. Aber wir Ultraläufer wollten beweisen, daß es mit friedlichen Mitteln geht..............

Schon nach 2 Tagen hatten wir das erste Land und die erste Zeitzone hinter uns. Die wunderschöne, einsame Landschaft der spanischen Extremadura nahm uns auf. Die wenigen Ortschaften die wir passierten waren ärmlich, hatten meistens eine riesige, halb verfallene Kirche und boten keine Versorgungsmöglichkeiten. Am 6. Tag wurde im 839 m hoch gelegenen und von den schneebedeckten Bergen der Sierra de Gredos umgebenen Bejar der höchste Zielort des Rennens erreicht. Erst am 9. Tag, bei der Durchquerung von Valladolid, gelang es mir erstmals, während des Rennens in einer Bäckerei Zusatzverpflegung zu besorgen. In der ersten Woche herrschte Mangelwirtschaft an den im Abstand von 10 km aufgebauten Versorgungsstationen. Nachdem man kapiert hatte, daß wir mit Zwieback, Keksen und Schokolade keine 80 km am Tag laufen können, fingen die Helfer an zu improvisieren und zu organisieren. Von da an hatten wir an unseren Boxenstops eine reichhaltige und Abwechslungsreiche Verpflegung.

Ein Tagespensum von 80 km bedeutet, daß jede 60 km "Erholungsetappe" mit zwei 90 km Etappen "gebüsst" werden müssen, um wieder auf den Schnitt zu kommen. Dies forderte schon bald seinen Tribut. Ab der 3. Etappe gab es tägliche Ausfälle und die Schar der "Straßenkämpfer" wurde immer kleiner. Sollte es in diesem Rhythmus weitergehen, wäre bis Warschau kein einziger Teilnehmer mehr übrig! Es war grausam, mit ansehen zu müssen, wie 3 ½ Dutzend der talentiertesten Ultraläufer aus aller Welt mit Monsteretappen bis 100 km und organisatorischen Mißständen regelrecht verheizt wurden. Zwar ist es normal, daß bei derartigen Belastungen physische und psychische Zerfallserscheinungen auftreten, aber in einem solchen Ausmaß hatte selbst ich das noch nicht erlebt! Die Streckenbeschreibung war oftmals ein völliger Murks, gespickt mit Druckfehlern, falschen und manchmal überflüssigen Angaben, jede dritte Ortschaft war falsch ausgeschrieben. Dazu kam, daß an den Zielorten fast täglich etliche Kilometer mehr gelaufen werden mußten, als in der Streckenbeschreibung angegeben war. Es gibt nichts grausameres für die Psyche eines Ultraläufers! Vor allem wenn man nach einem 10-12-stündigen Arbeitstag auf der Straße noch eine kräftezehrende "Sightseeingtour" durch belebte Straßen machen muß, ohne daß man den Namen des Ziels überhaupt kennt. Es blieb nur, den Pfeilen der Streckenmarkierer zu folgen, in der Hoffnung, daß diese noch vorhanden waren (sie wurden leider oft von Kindern abgerissen) bzw. das man diese nicht übersah (was bei dem Grad der Erschöpfung ebenfalls oft vorkam). So gestaltete sich der Zieleinlauf oftmals zu einem nervenaufreibenden Spießrutenlauf. Joachim und Brigitte Barthelmann machten dabei als Streckenmarkierer einen phantastischen Job und versuchten aus den oftmals wirren Angaben in Leismann’s Streckenbeschreibung, die richtige Route herauszufinden. Ohne diese beiden wäre der Lauf niemals nach Moskau gekommen, sondern hätte irgendwo in Rom geendet..................

Es gab bei diesem Rennen keine Informationspolitik, weder über Zusatzkilometer, Namen der Hallen, Essenszeiten usw. Statt dessen mußte man aus einem Wust von "Scheißhausgerüchten" die verwertbaren Informationen herausfiltern. Es ist nachvollziehbar, daß bei der Streckenerkundung, ein Jahr vor dem Rennen, in den meisten Zielorten noch keine Zusagen von den örtlichen Behörden gemacht werden konnten, über Hallen oder Schulen, die als Unterkünfte dienen sollten. Aber einen Tag vorher weis man das, und ein Vorkommando hätte die fehlenden Kilometer vermessen können. Als weitere Alternative hätte es auch gereicht, dem letzten Versorgungsstand des Tages die aktuellen Änderungen mitzuteilen, der diese dann an die Läufer weitergibt. Hier sind einfach die Hausaufgaben nicht gemacht worden! Ein Ultraläufer flucht zwar, wenn er erfährt, daß im Ziel 5 oder 7 km mehr zu laufen sind, aber er kann es dann zumindest im Kopf verarbeiten. Exemplarisch sei hier die 5. Etappe von Caceres nach Plasenica genannt. Die bergige Etappe war mit 95 km ausgeschildert, jedoch mußten im Zielort Plasenica noch 5 km bergauf gelaufen werden, so daß daraus ein glatter 100er wurde. Die Halle war ein Rattenloch und bot weder genügend Platz noch ausreichend sanitäre Anlagen, um ca. 60-70 Personen aufzunehmen, die Duschen waren kalt. Bei solchen Zuständen kann man eigentlich nicht von Wettkampf sprechen, sondern eher von einer verschärften Durchschlageübung mit Survivalcharakter. Deshalb stand meine Strategie von Anfang an fest: Da sich der halbe Tag auf der Straße abspielte, versuchte ich mir diesen so angenehm wie möglich zu gestalten. Extrem langsames Tempo, um keine Verletzungen zu provozieren. Einen Rennarzt gab es nicht, was bei einer derartigen Veranstaltung eigentlich schon fahrlässig ist. Zur Selbstbehandlung gab es bei diesem Tagesablauf so gut wie keine Zeit. Ich machte ausgedehnte Pausen an den Verpflegungsstellen, um den enormen Kalorienverbrauch einigermaßen abzufangen. Dazu regelmäßige Zusatzversorgung in Bäckereien und Imbissbuden entlang der Laufstrecke. Zeit und Platzierung waren völlig "Wurscht", einzig das Fernziel Moskau, irgendwann in absehbarer Zukunft zählte. Und im Ziel ging das Gerödel ja erst richtig los: Gepäck suchen und schleppen, Biwak aufbauen, Körperpflege, Klamotten waschen, Essen fassen, Schlafen. Organisator Schulze argumentierte zwar, daß dies ein Abenteuer sei. Aber dieser Murks war kein Abenteuer, sondern systematische Gesundheitszerstörung!

Nach 11 Tagen war Spanien durchquert, die Pyrenäen waren in zwei Tagen genommen. Frankreich empfing uns mit seinen typisch einsamen Landstraßen, die durch beschauliche und ruhige Landschaften führten. Hier und da wurde in den Zielorten vom Bürgermeister ein Empfang organisiert, von dem meistens die Hälfte der Läufer nichts mitbekam, da diese noch unterwegs waren. Die Sportbegeisterung in der Grand Nation ist ja über die Grenzen hinaus bekannt. Hier wurde der Trans Europa-Tross wahrgenommen und erregte Aufmerksamkeit. Die Versorgungsmöglichkeiten waren erheblich besser, als in Nordspanien. Frankreich war das längste zu durchquerende Land bei diesem Trip. 14 Tage bzw. 1153 km waren dafür veranschlagt.

Das Presseecho war das größte, das es je bei einem Kontinentalrennen gegeben hat. Bereits im Vorfeld war der "Trans-Europe" in den Fernseh-, Rundfunk- und Printmedien ein Ereignis. Ein Team vom ARD-Morgenmagazin machte in Spanien und Deutschland sogar Liveschaltungen vom Start, Morgens um 6 Uhr. Besonders in Deutschland wurden wir auf Schritt und Tritt von den Medien verfolgt. Erst im Osten Europas wurde es wieder etwas ruhiger.

Jemand der sich Renndirektor bzw. Organisator schimpft, dem darf man bei einem Rennen mit so vielen Unwägbarkeiten ruhig eine "Lehrzeit" von 1-2 Wochen zugestehen. Aber dann muß er die wichtigsten Probleme erkannt haben und darauf reagieren. Und das oberste Ziel eines Organisators sollte es sein, so viele "Schäfchen" wie möglich in den Stall zu bekommen. Doch konstruktive Kritik oder Verbesserungsvorschläge wischte Ingo Schulze mit zwei Standartphrasen aus dem Weg: "Das ist das härteste Rennen der Welt" und (fast schon erpresserisch) "ich breche das Rennen ab, ich will nicht nach Moskau, ihr wollt nach Moskau". Mit seiner Arroganz verkraulte er damit auch etliche freiwillige Helfer, auf die wir dringend angewiesen waren. Michael Purwins, ein Teilnehmer der ihm zwei Transportfahrzeuge und einen Anhänger kostenfrei zur Verfügung stellte, lies er am Ende des Rennens sogar auf einem Reparaturschaden von Euro 3000.- - 4000.- sitzen. Und Manfred Leismann lehnte jegliche Verantwortung in Bezug auf die Streckenbeschreibung ab, da er jetzt nur als Läufer unterwegs war. Was die beiden mit ihren Stümpereien Läufern und vor allem Betreuern zumuteten war geradezu fahrlässig! Die Leute waren nach 2 Wochen derart erschöpft, übermüdet und gestresst, daß das Rennen ein ganz großes Potential für ein Desaster hatte. Daß letztendlich nichts gravierendes passierte ist der Tatsache zu verdanken, daß die größten Idioten die meisten Schutzengel haben! Dem Lauf fehlte die Menschenwürde. Die Beteiligten dieser Odyssee verrichteten wie Roboter ihr Tageswerk, in der Hoffnung, daß dieser Spuk irgendwann einmal vorbei ist.

Die Verpflegung bei diesem Lauf war hervorragend und meistens ausreichend. Das war 100% mehr, als wir in Amerika und Australien jemals hatten! Doch auf das beste Essen ist gepfiffen, wenn die Leute auf der Straße kaputt gehen! Das was in den ersten drei Wochen dieses Rennens durch einen völlig unnötigen Selektionsprozess an Träumen zerstört und an Kapital vernichtet wurde war unglaublich! Die Opfer welche von den meisten Teilnehmern erbracht worden waren –zwei Jahresurlaube, Kosten von Euro 3500.- - 4000.- und unzählige Trainingskilometer- machten es unmöglich, einfach aus dem Rennen auszusteigen.

Ingo Schulze hatte ein gutes Dutzend "freiwilliger Sklaven" als Helfer um sich gescharrt, bei denen schon bald Ernüchterung einkehrte und vor allem eine Glaubenskrise: sollten sie die Stümpereien von Schulze und Leismann ausbaden, oder dem ganzen Mist den Rücken kehren und die Läufer auf der Straße verrecken lassen? Zum Glück entschieden sich die meisten für Ersteres. Es gab Helfer, die waren die ersten Tage nur am Heulen. Aber es war wie im Krieg: irgendwann fanden sie sich mit dem Irrsinn ab, akzeptierten ihn und machten den fantastischsten Job, den ich in meiner 28-jährigen Laufkarriere erlebt habe. Meckern und Jammern hatte keinen Sinn und kostete nur unnötige Energie. Im Gegenteil, die Leute waren so kaputt, daß sie nach einigen Wochen noch nicht einmal mehr dafür die Kraft hatten. Augen zu und durch, war das einzige Rezept, um diesen Horrortrip zu überstehen. Zudem konnte man sich mit der Tatsache trösten, daß der "Krieg" am 21. Juni vorbei ist. Als Ultima Ratio blieb immer noch der jederzeitige Ausstieg aus dem Rennen. Das Zitat einer Betreuerin brachte die Stimmung die im Trans Europa-Tross herrschte auf den Punkt: "Wir sind zwei Geisteskranken ausgeliefert". Von daher konnte man den beiden nicht einmal böse sein, denn auf sie traf das berühmte Bibelzitat "Denn sie wissen nicht was sie tun", wie die Faust aufs Auge! Und leiden mußten sie auch: Schulze war jeden Tag einem Nervenzusammenbruch nahe und Leismann hatte nach 5 Wochen cirka 13 kg Gewicht verloren und sah aus wie ein Zombie. Das war Selbstzerstörung durch eigene Dummheit!

Ein Renndirektor muß natürlich auch viele unnötige Belastungen ertragen, denn auch in Läuferkreisen gibt es gottverdammte Egoisten und Nörgler, die an allem etwas auszusetzen haben. Ein gesunder Egoismus ist zweifellos notwendig, um einen solchen Trip durchzustehen. Aber bei Extrembelastungen kommt leider fast immer der wahre Charakter eines Menschen zum Vorschein. Da waren Läufer die unnötig Nahrungsmittel horteten, während andere leer ausgingen. Ein Franzose war zu faul, um in den Hallen die Toilette aufzusuchen und hatte eine Pinkelflasche neben seinem Schlafsack stehen. Zwei Läufer flirteten mit einer verheirateten Frau, wieder andere ertränkten ihren Frust im Alkohol und in Russland kam es ein paar mal vor, daß jemand sein Häufchen vor die Klotür setzte...........

Das war Reality Show, wie sie kein TV-Sender hätte produzieren können! Bei diesem Trip hätten ein Dutzend Psychologen ihre Doktorarbeit schreiben können!

Der Körper braucht gut 2 Wochen bis er sich derartigen Belastungen angepaßt hat. In dieser Zeit muß er vor allem eines: Leiden! Dann hat sich der Stoffwechsel umgestellt und arbeitet ökonomischer, der Laufstil wird wieder flüssiger und die Leistungen besser. Wer diese Zeit übersteht, hat berechtigte Chancen, das Ziel zu erreichen. Beim Trans Europa Lauf war dieser Prozess nach 3 Wochen abgeschlossen, das Läuferfeld auf fast die Hälfte reduziert. Neben der Fähigkeit Unmengen an Nahrung und Flüssigkeit aufzunehmen (täglicher Kalorienverbrauch zwischen 7000 – 10.000 Kcal) und zu verarbeiten, sowie mit wenig Regeneration und Schlaf auszukommen, war vor allem eines wichtig: mentale Stärke. Ein solches Rennen spielt sich zu 90% im Kopf ab! Das Gehirn ist die Schaltzentrale, die Software, der Körper, die Hardware ist nur Befehlsempfänger. Ständiges Krisenmanagement, das Reagieren auf täglich neue Probleme, intelligentes Laufen und die Konzentration auf das Wesentliche sind der Schlüssel zum Erfolg. Das Leben ist während zweier Monate auf vier Tätigkeiten reduziert: Laufen, Essen, Trinken, Schlafen. Das Endziel ist in weiter Ferne. Wer versucht, sich die gesamte Distanz vorzustellen, wird Irre. Man muß sich Zwischenziele setzen und darf höchstens von Etappe zu Etappe denken. Diejenigen, welche bereits zu Beginn herumtönten, was sie in Moskau alles machen werden, waren nach der Hälfte des Rennens bereits ausgeschieden. Es nützt nichts, das Ziel im Kopf zu haben, denn der Körper muß erst dort hin gebracht werden. Wer den Ultraschlappschritt (Laufen ohne sich zu bewegen) beherrschte hatte bessere Chancen, als die schnelleren Frontläufer, die ein höheres Verletzungsrisiko eingingen. Langsam Laufen ist eine Wissenschaft, die nur wenige beherrschen. Die richtige Balance zu finden ist bei einer Reise in den Grenzbereich äußerst schwierig, da es darüber zu wenig Erfahrungswerte gibt. Einen Kontinent zu Fuß haben bisher noch weniger Menschen durchquert, als den Mount Everest bestiegen. Viele Läufer lebten –ohne es wahrzunehmen- die ersten 2-3 Wochen über ihren Verhältnissen und mußten dafür dann grausam leiden.

Ab Belgien (2 Tagesetappen) begann der Mittelgebirgsabschnitt des Rennens. Übergangslos querten wir Ardennen – Eifel – Bergisches Land – Sauerland – Kasseler Berge – Harz. Dann begann die osteuropäische Tiefebene, es lagen nahezu 2000 km langweilige und zermürbende Flachetappen bis Moskau vor uns. Der Lauf durch Deutschland (10 Tage) war ein Triumphzug und gleich zu Beginn wurde in Witzhelden (bei Köln) das Halbzeitfest gefeiert (2494,5 km). Von den 10 übriggebliebenen deutschen Teilnehmern (ehemals 20) wurden fast alle von Freunden, Verwandten und Bekannten besucht, die einmal Trans Europa Atmosphäre schnuppern und ihre "Helden" live erleben wollten. Wobei diejenigen die genauer hinschauten schnell feststellten, daß unter diesem katastrophalen Management die Stimmung ziemlich mies war. Die Medienpräsenz erreichte ihren Höhepunkt und Verpflegungsmäßig wurden wir nahezu gemästet. Waren dies die Henkersmahlzeiten für den "Wilden Osten"?

Die wahren Helden bei solch einem Trip sind die Helfer und Betreuer, die selbstlos Tag für Tag ihre Arbeit leisten, bis das letzte Schäfchen den Stall erreicht hat. Was diese "freiwilligen Sklaven" beim Trans Europa Lauf geleistet haben, egal ob sie ganz oder nur zeitweise dabei waren, war absolut genial! Stellvertretend sei hier Thomas Dornburg genannt, ein Polizist, der seinen Jahresurlaub opferte. Mit Improvisations- und Organisationstalent –mit einem Lagerfeuer am Straßenrand versuchte er sogar regelmäßig, ein warmen Essen zu servieren- sicherte er uns in den ersten 4 Wochen das Überleben. TransEuropa - Ingrid Boehnke und Peter RossowDann war da Ingrid Böhnke, die ihren Ehemann Günter betreute und die zusammen mit Peter Rossow das tollste und harmonischste Versorgungsteam bei dem gesamten Event bildete. Peter mußte nach 14 Tagen wegen mehreren Verletzungen den Lauf beenden und entschied sich dann, als Helfer dabei zu bleiben. Ihr Verpflegungsstand war jedesmal das kullinarische Highlight des Tages.

Auch wenn die erste Nacht in Polen standesgemäß mit einem aufgebrochenen Betreuerfahrzeug eingeweiht wurde, überraschte das Land mit freundlichen Menschen, reichhaltigem und sehr gutem Essen, sowie regelmäßigen Folklorevorführungen im Ziel und adäquaten Unterkünften. Der Direktor des polnischen Leichtathletikverbandes stand uns von nun an als Begleitoffizier zur Seite. Einziges Manko: Der mobile Wahnsinn auf der Transitstraße E 30, auf der nun die Laufstrecke entlang führte, übertraf die größten Alpträume. Verkehrsaufkommen, Lärm und Abgase waren unerträglich! Einzige Abwechslung waren aufreizend gekleidete Prostituierte am Straßenrand, die uns gelegentlich Kusshände zuwarfen und mit einer Wolke aus Parfum betörten.

An der weißrussischen Grenze endet das zivilisierte und beginnt das "afrikanische Europa". Schon die knapp 3-stündige Grenzprozedur (bei km 21 von 72) lies erahnen, daß hier noch die alten kommunistischen Strukturen zu existieren schienen. Zwar wurden wir freundlich aufgenommen, gleich nach der Grenze empfing uns eine Musikkapelle und 3 Mädchen in Trachten überreichten kleine Geschenke. Auch Unterkünfte und Polizeischutz erhielten wir auf Kosten des weißrussischen Staates. Aber die hygienischen und sanitären Zustände waren derart katastrophal, daß schon nach wenigen Tagen die Hälfte der Truppe an Magen-Darm Erkrankungen litt. Aus meinen langjährigen afrikanischen Erfahrungen wußte ich, daß dem am besten mit einer Kombinationstherapie aus Immodium und frischem, rohen Knoblauch (ein natürliches Antibiotikum) beizukommen ist, was auch prompt wirkte. Das Laufen wurde wieder zum Genuß, da wir auf der neu gebauten Autobahn, mit großzügigem Seitenstreifen und geringem Verkehrsaufkommen, auf direktem Wege Richtung Moskau laufen durften. Die Hauptstadt des ehemaligen Sowjetimperiums war in der Grenzstadt Brest das erste mal mit 1050 km ausgeschildert. Das machte kurzzeitig Laune, da hiermit die letzten 20% des Monsterlaufes angebrochen und ab Morgen nur noch 3 Stellen vor dem Komma zu laufen waren.

Mittlerweile waren noch exakt 50% der Läufer im Rennen, die auch das Ziel erreichen sollten. Mariko Sakamoto aus Japan war im zarten Alter von 56 Jahren und einem Kampfgewicht von 37 kg (!) die einzige noch verbliebene Frau. Der Franzose Bernard Grojean sollte der erste Rollstuhlfahrer sein, der ein Kontinentalrennen beendet. Am meisten beeindruckten mich die 3 deutschen Greenhörner Günter Böhnke, Hans-Jürgen Schlotter und Joachim Hauser, die so gut wie keine Erfahrung in Mehrtagesrennen vorweisen konnten und diesen Sport erst seit wenigen Jahren betreiben. Aufgrund ihrer Läuferbiographien hätte ich keinen Pfifferling auf das Trio gesetzt, wohl wissend, daß es bei solchen Unternehmungen natürlich immer wieder Überraschungen gibt. Mit Köpfchen, Talent und Spürsinn überlebten sie den transkontinentalen Crash-Kurs und positionierten sich im Mittelfeld. Beeindruckend auch der Mut des Gesamtsiegers Robert Wimmer aus Nürnberg. 9 Monate vor dem Start des Laufes gab er seinen Job als Filialleiter bei einem Optikunternehmen auf und bereitete sich mit Trainingseinheiten mit bis zu 500 km/Woche auf sein erklärtes Ziel, diesen Lauf zu gewinnen, vor.

Der Grenzübertritt ins größte Land der Welt funktionierte reibungslos. Jetzt durften wir endlich an Moskau denken und die Erlösung aus dem freiwilligen Gefangenenlager Trans Europa Lauf. Aus unverständlichen Gründen liefen in Russland 80% der Läufer auf der rechten Straßenseite. Und das auf der Autobahn, ohne Seitenstreifen – eine Todsünde für Straßenläufer! Anscheinend war das Häufchen Elend der Übriggebliebenen nicht mehr in der Lage, selbständig zu denken. Genau so wenig Ingo Schulze, der diese gefährliche Situation noch nicht einmal erkannte und selbst die Verpflegungsstellen rechts aufbauen lies. Je näher wir der TransEuropa - Moskau!Hauptstadt des Riesenreiches kamen, um so schlimmer wurde der Verkehr. Am Vorletzten Tag wurden wir noch einmal über die abscheulichste Dreckspiste Russlands gejagd: Schlechte Straßen ohne Seitenstreifen, mit Horrorverkehr und uralten Kisten, die dicke schwarze Russwolken ausstiessen. Aus ursprünglich 87 km wurden 91 gemacht und im Ziel waren es dann 95 km. Das Ingo Schulze Management endete so desolat, wie es angefangen hatte! Das "längste und härteste Rennen der Welt" endete mit einem kollektiven 9 km-Lauf an der Siegesstatue auf dem sogenannten Verneigungshügel, am Stadtrand von Moskau. Für mich und Dusan Mravlje aus Slowenien endete somit eine extraterrestrische Mission – sind wir doch die einzigen Menschen auf der Welt, die 3 Kontinente unter Wettkampfbedingungen zu Fuß durchquert haben (siehe gesonderte Information!).

Die Atmosphäre und ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit, wie es solch extremen Veranstaltungen eigen ist, konnte sich beim Trans Europa Lauf zu keiner Zeit entwickeln. Das bescheuert hohe Tagespensum und die miserable Administration ließen dafür keinen Spielraum. Zwangsweise war jeder zu sehr mit sich selbst und seinen Problemen beschäftigt. Dementsprechend schnell lief alles auseinander. Schäbig war jedoch die Überstürzte Abreise von Ingo Schulze und dem engsten Kreis seiner Helfer am nächsten Morgen. Denn die Russen hatten im Rahmen eines Olympic Challenge Day eine feierliche Ehrung vorbereitet. Und die Deutsche Botschaft in Moskau lud am Abend zu einem Empfang. Beide Events waren schon lange vorher bekannt und eigentlich ein Pflichttermin für den Renndirektor, der ja diesen Lauf repräsentiert. Aber zumindest die Übriggebliebenen konnten dann einen würdigen Abschluß zelebrieren.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß dieses Unternehmen für Ingo Schulze und Manfred Leismann ganz klar 3 Nummern zu groß war. Dennoch gebührt ihnen Dank, den ohne solche naiven Phantasten und Träumer hätte es das erste Transkontinentalrennen auf europäischem Boden nicht gegeben. Dies trifft ebenso auf Trans-Amerika und Trans-Australia zu. Es ist unmöglich, ein Kontinentalrennen perfekt zu organisieren. Eine solche Expedition wird sich immer am Rande des Chaos bewegen. Aber ein verantwortungsvoller Organisator wird seinen Läufern –die sich sowieso schon im menschlichen Grenzbereich befinden- keine unnötigen Hürden in den Weg stellen. Gewiss gibt es fähige Macher, die ein solches Rennen vernünftig und mit Anstand und Würde auf die Beine stellen könnten. Aber die sind zu intelligent, um sich für eine solch große Aufgabe zu verheizen. Für die, die durchgekommen sind, bleibt die Gewissheit, die größte läuferische Herausforderung die es im Ultrasport gibt, bewältigt zu haben. Von den Erinnerungen, Erlebnissen und nicht zuletzt menschlichen Begegnungen kann man ein Leben lang zehren. Und wie heißt es doch so schön: "Überleben ist die einzige Herrlichkeit im Krieg................."

Stefan Schlett

Gladiatoren der Landstraße


Der Autor Stefan Schlett, 41 und Dusan Mravlje, 50 aus Slowenien sind die einzigen Menschen auf der Welt, die 3 Kontinente unter Wettkampfbedingungen zu Fuß durchquert haben. Sie haben dabei 14.000 km, ½ Jahr Zigeunerleben auf der Straße, ein Haufen irrer Autofahrer, etliche Hundeattacken, extremste Klimabedingungen und abartigste organisatorische Mißstände überlebt. Schlett, der dafür exakt 11 Jahre brauchte (20.06.92 – 21.06.03), ist ein Allrounder, der auf allen Ausdauerhochzeiten dieser Welt tanzt und auch noch Bergsteigen und Triathlon betreibt. Mravlje, der die 3 Kontinente in einem Zeitraum von 8 Jahren schaffte, ist ein Weltklasseläufer, der bereits etliche große Ultrarennen auf der Welt gewinnen konnte. So auch das legendäre Westfield Race, ein nonstop-Rennen über 1000 km von Sydney nach Melbourne.
Nachfolgend alle 3 Kontinente im Vergleich:

Schlett Mravlje
Trans America Footrace 1992 Trans America Footrace 1995
Los Angeles – New York Los Angeles – New York
4722 km 4676 km
9. Platz in 619:28 Std. 1. Platz in 427:59 Std.
Trans Australia Footrace 2001 Trans Australia Footrace 2001

Perth – Canberra Perth - Canberra
4275 km 4275 km
13. Platz in 517:36 Std. 3. Platz in 360:50 Std.
Trans Europa Lauf 2003 Trans Europa Lauf 2003

Lissabon – Moskau Lissabon Moskau
5046 km 5046 km
17. Platz in 714:49 Std. 7. Platz in 565:42 Std.

[Fazit]

Uli Schulte

Werner Sonntag

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